Der bisherige Aufbau des Freilichtmuseums
Professor Robischon begann als erster ehrenamtlicher Museumsleiter, im Jahre
1975 bisher bereits gesammeltes Museumsgut in einigen Räumen des alten Hofgebäudes,
die allerdings zunächst instandgesetzt werden mußten, zusammenzutragen.
Ein Jahr darauf waren die ersten acht Räume mit Sammlungsgegenständen eingerichtet,
und das Museum konnte, wenn auch noch in sehr bescheidener Form, eröffnet werden.
Das Landesdenkmalamt hatte die Hofgebäude im gleichen Jahr unter Denkmalschutz gestellt.
Es half auch bei einer Teilrenovierung des Innenhofes. Die mühselige, nur Schritt für Schritt
im Laufe der Jahre bis heute fortgesetzte Restaurierungsarbeit an den weitläufigen
und teilweise sehr heruntergekommenen Gebäuden blieb indessen Aufgabe des Museums selbst,
und diese Arbeiten werden auch noch weitere Jahre in Anspruch nehmen.
Schon 1974 war das Dorfrathaus von Gödenroth, einem Ort nahe Kastellaun im
Hunsrück, ein Gebäude aus der Mitte des 18.Jahrhunderts, für das Museum
sichergestellt worden. Es konnte 1978 als erstes Objekt im etwas mehr als 20 ha
umfassenden Freigelände des Museums, originalgetreu aus den abgebauten Teilen
wieder errichtet und der Öffentlichkeit präsentiert werden. 1774 war das ursprünglich
wohl einstöckige Gebäude, ein Hirtenhaus, zum dörflichen Rathaus umgebaut
worden, indem über dem Erdgeschoß ein kleiner Saal errichtet wurde, der durch
eine Außentreppe zu erreichen war. Das Ganze wurde dann noch durch einen
kleinen Turm mit welscher Haube gekrönt. Im Erdgeschoß war Einraumwohnung als
Armenunterkunft eingerichtet, und daneben fand dann in einer Remise
noch die Feuerspritze ihren Platz. In dieser Form bietet sich das Haus auch heute
noch den Besuchern des Roscheider Hofes dar.
In der Nähe von Kastellaun, in Roth und in Bell, konnten zwei weitere Häuser
abgebaut werden, beide früher von Bauern und Handwerkern bewohnt. Das Haus
der Familie Schug ist in den ,,Kunstdenkmälern des Rhein-Hunsrück-Kreises"
abgebildet und beschrieben; das andere Objekt hatte den Hausnamen ,,Sensemichl".
Die erste Erwerbung aus Trier ins Museum, der "Maretpavillon" , ein kleines Biedermeier
Gartenhaus aus dem Garten des Hauses Glockenstraße 17,das in der Zeit zwischen 1824 und 1830
von dem Trierer "Marzipan und Chocolate-Fabrikanten" Johann Wilhelm Maret erbaut worden war.
Das Gartenhaus hat im Rosengarten des Museums, der im Jahre 1979 neu angelegt wurde,
seinen Platz gefunden. Es hat dann 14 Jahre lang einen insbesondere von Schulklassen
viel besuchten Lehrbienenstand beherbergt. In diesem Jahr ist es wieder
seiner ursprünglichen Zweckbestimmung als sommerlicher Aufenthaltsraum im
Grünen, wie vor 150 Jahren zugeführt worden.
Ebenso wie Marets Gartenhaus konnte ein zweites Objekt aus Trier gleichsam in
letzter Minute vor dem Baggerabbruch gerettet werden: die Kapelle aus dem Garten
der Schwestern "Zum guten Hirten" bei St. Paulin, vor etwa 100 Jahren erbaut.
Auch dieses Bauwerk mußte einem Neubau weichen, hat im Museum einen neuen
Platz gefunden und wurde hier 1984 als Wegekapelle dem hl. Nikolaus geweiht.
Im Jahr darauf konnte eine zweite Kapelle ins Museum transloziert werden, die
Fachwerkkapelle aus Bürder, wenige Kilometer nördlich von Neuwied, eine freundliche
Gabe der Trierer Diozösen. Sie steht seitdem unterhalb des Rosengartens
inmitten alter Grabkreuze aus der Umgebung.
Um die Mitte der 80er Jahre gewann die erste Baugruppe des Freilichtmuseums
langsam Gestalt: Der Hunsrückweiler. Obwohl die Landesregierung ihre ablehnende
Haltung inzwischen aufgegeben hatte und das Museum nach Besuchen der
Kultusminister Bernhard Vogel, Hanna-Renate Laurien und Georg Gölter mit
einigen tausend Mark unterstützte, gestatteten die sehr bescheidenen finanziellen
Möglichkeiten es nicht, alle in einem Gesamtplan konzipierten Hauslandschaften von Eifel
und Hunsrück und Saargau in wenigen Jahren durch Bauten darzustellen, wie dies bei den
meisten anderen Gründungen von Freilichtmuseen möglich war. Da man sich also bescheiden
mußte, wurde beschlossen, zunächst nur einen Bereich, die Bautypen des vorderen Hunsrücks,
durch repräsentative Objekte zu den natürlichen und eigentlich überall vorkommenden
Baumaterialien zu errichten.
Allerdings ist das Verfahren zeitraubend, und so wartet auch das Haus "Mähser"
noch auf die völlige Fertigstellung. Es ist wie das Haus "Schug" ein reines Wohnhaus,
wieder mit hintenliegender Küche, vorn mit einer kleineren Kammer und dem
Wohnzimmer mit dem für Hunsrückhäuser so typischen "Alkoven", und es hat
auch wie das Haus "Schug" über die ganze Länge der Vorderfront ein Vordach über
dem Erdgeschoß, eine häufige Erscheinung bei Hunsrückhäusern mit ihrem geringen
Dachüberstand. Das Museum beabsichtigt im Vorderteil des Hauses einen
dörflichen Kaufladen einzurichten.
Als weitere Hauslandschaft, die im Museum dargestellt werden soll, ist der
Saargau ausgewählt worden, daß Höhengebiet zwischen unterer Saar und Obermoseln.
Im Gegensatz zum vorderen Hunsrück bestehen die Häuser im Saargau vollständig aus
Bruchsteinmauerwerk. Eine Übertragung solcher Gebäude ist heute zwar technisch möglich,
übersteigt jedoch zur Zeit die Möglichkeiten des Roscheider Hofes. Aus diesem Grunde entschied
man sich dafür als erstes Beispiel eines Saargauhauses ein repräsentatives Objekt zu kopieren,
obwohl dies in einem Freilichtmuseum nur in einem Ausnahmefall zulässig war. Wohnhaus, Stall und
Scheune in Firstlinie mit einem großen Gewölbekeller unter dem Wohnteil und offener
Feuerstelle in der Küche wie sie trotz späteren Umbaus, noch erkennbar war.
Das Haus wurde 1987 in allen Details aufgemessen und in der Folgezeit an einem
geeigneten Platz im Museumsgelände nachgebaut. Ein schwieriges Problem war die
Beschaffung passender Tür- und Fenstergewände. Das Museum besaß zwar eine
stattliche Sammlung alter Werksteine aus verschiedenen Hausabbrüchen, aber
daraus waren lediglich die Gewände für die beiden Scheunentore zu gewinnen.
Durch einen Hinweis der Kreisverwaltung Trier-Saarburg gelang dann die Beschaffung
passender Gewände aus dem sehr beklagenswerten Abbruch eines der schönsten Häuser auf
dem Saargau, in Dittlingen bei Merzkirchen.
Einige dann noch fehlende Steine wurden von
einem Konzer Steinmetz nach den vorhandenen Vorlagen angefertigt. Das Museum würde gern im
Stall dieses Hauses Rinder oder Pferde halten, wenn sich die Frage fachgerechter Versorgung
der Tiere dauerhaft lösen ließen. Gute Weidegründe befinden sich gleich unter- und oberhalb des
Saargauhauses.
Neben dem Hof aus Köllig steht noch ein gänzlich anders gearteter kleiner Bau,
der von Mitarbeitern des Museums beim Ausräumen einer alten Schule in Portz,
südwestlich von Saarburg, entdeckt wurde. Es handelt sich um einen kleinen mit
Ziegeln ausgemauerten Fachwerkbau, der im vergangenen Jahrhundert ursprünglich als
Schultoilette errichtet worden war.
Das Häuschen hatte den Wandel der
Sanitärkultur wohl nur deshalb überdauert, weil der Schulmeister es später zum
Hühnerstall umfunktionierte. Als Fachwerkbau war er leicht abbaubar und konnte
unschwer wieder so restauriert werden, wie er, schön separat für Lehrer, Mädchen
und Jungen, ursprünglich eingereichtet war.
Zurück zur Roscheider-Hof-Homepage