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Waltersburg

Oberwinkel, Gemeinde Winkel (Eifel)

Hofwüstung

An einer Wegespinne in der Flur Die Waltersburg. 1300 erstmalig erwähnt. 1838 waren noch die Grundmauern sämtlicher Gebäude zu erkennen. [1] Der untergegangene Hof Waltersburg bei Winkel Pest, Krieg, Hexenwahn und Scheiterhaufen Die Geschichte des Hofes Waltersburg, die der Dauner Heimatforscher Willi Steffens unter Eifeler Sagen und Geschichten einordnete, hat einen realen Hintergrund. Den Hof Waltersburg bei Winkel gab es tatsächlich. Nördlich des Ortsteils Oberwinkel, vom Wald eingeschlossen, liegt auf einer Hochebene die sogenannte "Heide". Dort war im 13. Jahrhundert ein Hof entstanden. Der Hofname könnte vom Erbauer mit Vornamen "Walter" abgeleitet worden sein. Das weitere Wort "burg" deutet darauf hin, dass der Besitz des Walters befestigt, mit einer Schutzmauer oder einem Schutzzaun umgeben war. Eine Burg im heutigen Sinne war es nicht, sondern eine befestigte und gegen Feinde gesicherte Hofanlage. Mehrere Hofhäuser und Wirtschaftsgebäude zeugten von der Größe und Bedeutung des Hofes. 1563 sind 4 Feuerstellen (Wohnhäuser) auf Waltersburg nachgewiesen. Im Feuerbuch werden die Haushaltsvorstände mit ihren Vornamen "Frantz, Bernhart, Johannet" aufgeführt und ferner "der Hoebmann" (Hofmann), der namentlich nicht erwähnt ist. Vor 1600 war Matthias Loge aus Daun der zeitliche Pächter; Eigentümer des Hofes war der jeweilige Grundherr der Herrschaft Wollmerath. Matthias Loge war ein angesehener und ehrbarer Mann, von 1590 bis 1608 Schöffe des Hochgerichts Wollmerath. Das Schöffenamt wurde nur unbescholtenen, gottesfürchtigen und im Gerichtsbezirk anerkannten Männern übertragen. Zusammen mit seinem Sohn und der Schwiegertochter führte er den Hof, der hohe Erträge erbrachte. Die Beklagten wurden nach der 1532 von Kaiser Karl V. erlassenen "Peinlichen Gerichtsordnung", die die Landesherrn anwendeten, zunächst gütlich befragt, später unter Vorzeigung der Folterinstrumente verhört und wenn dies zu keiner Aussage führte, "peinlich befragt", also der Folter unterzogen. Durch die Folter war die Wahrscheinlichkeit groß, dass sie die ihnen zur Last gelegten Taten gestanden. Der Prozess fand nicht – wie bei Zivilprozessen und anderen Strafverfahren üblich – mündlich und öffentlich, sondern schriftlich und geheim statt und war damit auch der Kontrolle der Öffentlichkeit entzogen. Niemand durfte ohne Geständnis verurteilt werden. Matthias Loge und seine Schwiegertochter Helene gestanden wohl unter Folterqualen die erhobenen Vorwürfe, das Gericht hielt sie für schuldig. Auf Verbrechen wie Hexerei und Blutschande stand die Strafe des Feuertodes, also der Scheiterhaufen. Nach dem der Grund- und Gerichtsherr Ludwig Zandt von Merl das Todesurteil unterzeichnet hatte, wurde es vollstreckt. Bald loderte das Feuer des Scheiterhaufens, die Verurteilten wurden vor den Augen der zahlreich erschienen Kinder, Männer und Frauen aus Wollmerath und den umliegenden Dörfern auf dem Gerichtsplatz, nahe der Burg, verbrannt. Die Anwesenheit des Scharfrichters deutet darauf hin, dass die "Schuldigen" vor dem Verbrennen getötet wurden. Diese Vergünstigung wurde den Verurteilten erwiesen, die ihre Taten gestanden. Die am Prozess Beteiligten verzehrten im Gasthaus in Wollmerath während des Prozesses und der Hinrichtung Wein und Essen für 45 Florin und 15 Albus. Ludwig Zandt von Merl wurde mit dem Gerichtsschreiber und seinem Diener während der Gerichtsverhandlung und der Exekution im Pfarrhaus mit Essen und Trinken versorgt; Pastor Wilhelm stellte 17 Florin und 22 Albus in Rechnung. Der Scharfrichter erhielt als "Belohnung" für sein tödliches Handwerk 19 Florin. Die Kosten des Prozesses summierten sich auf insgesamt 128 Florin 12 Albus und waren von den Verurteilten zu tragen. Eine unvorstellbare hohe Summe, wenn man bedenkt, dass 1601 bei einem Verkauf eines kleinen Hauses in Wollmerath ein Erlös von 21 Florin erzielt wurde. Wenn die Hinterbliebenen nicht zahlen konnten, wurde das Vieh aus dem Stall geholt oder Haus und Hof verkauft, um die Kosten zu decken. Der Sohn des Matthias Loge blieb bis 1617 auf dem Hof, dann bewirtschaftete ein Schwiegersohn des Hingerichteten den Hof Waltersburg. Aber auch er verließ nach der Sage bald die Waltersburg, denn kein Knecht und keine Magd wollte auf dem Hof bleiben, weil in der Nacht immer wieder die Geister der Hingerichteten erschienen. Um 1625 ist ein Hofmann namens Paulus auf Waltersburg, der vom Hochgericht mit 3 Goldgulden bestraft wurde, weil er sich trotz Verbots nach Gillenfeld "in die böse (sterbende) Luft begeben" hatte; die Pest wütete in der Eifel. Wo waren die übrigen Bewohner geblieben, denn 50 Jahre vorher waren noch drei weitere Familien auf Waltersburg? Wahrscheinlich ist, dass nicht die Geister von Matthias und Helene Loge die Bewohner vertrieben hatten, sondern natürliche Gründe für das Aussterben des Hofes ursächlich waren. Hatte die damals wütende Pest oder eine andere Epidemie die Bewohner dahingerafft? Waren sie aus ihren Behausungen während des 30jährigen Krieges vor den plündernden, schändenden und mordenden Soldaten geflüchtet? Hatten sie Haus und Hof verlassen, weil ihr Hab und Gut angezündet und das Vieh geraubt worden war? Es spricht vieles dafür, denn sowohl die Winkeler Mühle als auch der nahe Robeshof fielen in dieser Zeit Brandschatzungen zum Opfer. Welche Spuren Pest und Dreißigjähriger Krieg hinterlassen hatte, geht aus einem Bericht von 1630 des Lehnsherrn Ludwig Zandt von Merl an den Trierer Kurfürsten Philipp Christoph von Sötern hervor, um die Einquartierung von Soldaten in der Herrschaft Wollmerath abzuwenden: "Die Dörfer in der Herrschaft Wollmerath waren beinahe ausgestorben, die Mühlen bleiben stehen. Ein Dorf (vermutlich Filz) war 1630 abgebrannt. Saat und Ernte bleiben aus, das Land war mit Kriegsleuten gefüllt." 1650 waren die Gebäude des Waltersburger Hofes bereits verfallen, 1838 noch die Grundmauern sichtbar. [2]

Einordnung

Kategorie:
Archäologische Denkmale / Siedlungswesen / Wüstungen
Zeit:
13. Jahrhundert
Epoche:
Gotik

Lage

Geographische Koordinaten (WGS 1984) in Dezimalgrad:
lon:   6.94844
lat: 50.1549
Lagequalität der Koordinaten: Genau
Flurname: Walderburg

Internet

http://www.jahrbuch-daun.de/VT/hjb2006/hjb2006.127.htm

Datenquelle

[1] Janssen,W.: Studien zur Wüstungsfrage im fränkischen Altsiedelland zwischen Rhein, Mosel und Eifelnordrand. 2 Bände. Text u. Katalog, 1975. [2] Friedbert Wißkirchen, Daun in Heimatjahrbuch Daun 2006.

Bildquellen

Stand

Letzte Bearbeitung: 23.06.2014

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