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Sankt Laurentius - Longuicher Eulchen

Longuich, Gemeinde Longuich
Ecke Maximinstr./Laurentiusstr.

Katholische Pfarrkirche

Wer ist das Longuicher Eulchen? von Jürgen Schlöder In einer Nische des Turms der Longuicher Pfarrkirche Sankt Laurentius befindet sich eine 1991 restaurierte Grabfigur, die eine im Volksmund als Longuicher Eulchen bezeichnete Frau darstellt. Die gut gearbeitete Figur war offensichtlich Teil eines größeren Grabmals, das um 15701 datiert. Neben der Figur selbst ist noch ein "Altar", der mit einem weißen Tuch bedeckt ist und auf dem ein neueres Holzkreuz mit Metallcorpus angebracht wurde, vorhanden. Man geht davon aus, dass das Grabmal im Vorgängerbau der heutigen, 1771 errichteten Kirche stand. Nach der Legende rührt der Name Eulchen von ihrer markanten Hakennase her und sie soll als Hexe verbrannt worden sein. Es wird aber auch berichtet, dass sie der Hinrichtung entgehen konnte, weil sie trotz ihres hohen Standes nicht hochmütig, sondern gütig und mildtätig war. Im Allgemeinen wird die Darstellung als Grabfigur der Dorothea Eligia von Bentzerath gedeutet. Diese war seil 1584 mit Hanns-Georg von Bentzerath verheiratet und lebte in der Alten Burg in Longuich. Der Name Eulchen wird als Verballhornung ihres zweiten Vornamen Eligia gedeutet. Nachgewiesen ist durch das Hexenregister des Claudius Musiel, dass sie von Opfern der Hexenverfolgung sechszehnmal unter der Folter als Hexe bezichtigt wurde und um 1590 verstorben ist. Stellt die Grabfigur aber tatsächlich Dorothea Eligia von Bentzerath dar? Bei genauerer Betrachtung bestehen Bedenken. Zunächst ergibt sich ein Widerspruch daraus, dass Dorothea Eligia von Bentzerath erst um 1590 gestorben ist, das Grabdenkmal nach kunsthistorischer Betrachtung jedoch um 1570 datiert. Merkwürdig ist auch, dass das Grabmal nicht in der im Pfarrarchiv Longuich befindlichen Darstellung des Grundrisses der heutigen Kirche und deren Vorgängerbau, die 1798 von dem Longuicher Pastor Franz Tobias Müller gefertigt wurde, genannt wird. Dort sind verschiedene Grabmäler der alten Kirche bezeichnet und einzelne auch Personen zugeordnet, so zum Beispiel dem Gerhard Platt von Longuich (gestorben 1496} und einem Fräulein von Hagen. Ein Hinweis auf das Grabmal der Dorothea Eligia von Bentzerath findet sich dort nicht, obwohl der Zeichner dies hätte wissen können. Franz Tobias Müller, der 1777 zum Priester geweiht worden war, wurde 1786 von Abt Willibord Wittmann von Sankt Maximin die Verwaltung der Pfarrei Longuich übertragen, da der damalige Pastor Pickert mit 84 Jahren dieser Aufgabe nicht mehr gewachsen war. In die Amtszeit Pastor Pickerts fällt der Abriss der alten und der Neubau der jetzigen Kirche. Nachdem dieser 1794 verstorben war, wurde Müller selbständiger Pfarrer in Longuich und blieb dies bis zu seinem Tod am 14. April 1827. Erstmals brachte Michael Franz Müller, ein Bruder des Longuicher Pastors, in einem Beitrag im Trierischen Wochenblatt 1820 die Grabfigur, die nach dem Neubau der jetzigen Kirche in die Umfassungsmauer des Kirchhofs versetzt worden war, in Verbindung mit Dorothea von Bentzerath. 1841 behauptete dann Georg Barsch11 als erster, dass sie als Hexe hingerichtet worden sei. Somit wurde erst gut 230 Jahre nach dem Tod der Dorothea Eligia von Bentzerath die Grabfigur mit ihr in Verbindung gebracht. Die Familie von Bentzerath war nicht die einzige in Longuich ansässige adlige Familie, die potentiell die Mittel besaß, sich ein aufwändiges Grabmal setzen zu lassen. Neben der von der Familie Platt von Longuich errichteten Alten Burg, die später von den von Bentzerath, Laudolf von Bitburg, Merl von Rettenich, von Geispitzheim u.a. bewohnt wurde, gab es noch mindestens zwei weitere Burghäuser in Longuich. So besaßen zunächst die Herren von der Fels und später die Schenk von Schmidtburg als Vögte der Reichsabtei Sankt Maximin in Longuich ein solches am Ende des Dorfes, das jedoch bereits im 18. Jahrhundert untergegangen war. Die Schenk von Schmidtburg besaßen auch Schloss Gemünden im Hunsrück, das bis heute noch im Besitz ihrer Erben, der Freiherrn von Salis-Soglio, ist. Ein weiteres Burghaus, der sogenannte Colins- oder Cratzenhof, der als Stammsitz der Familie von Longuich angesprochen wird, ist in dem heutigen Gasthaus Hilt-Hoff gegenüber der Pfarrkirche noch erhalten. Hier lebten die Familien von der Neuerburg, von Schwarzenburg und schließlich die Cratz von Scharfenstein. Deren Erben verkauften ihre Güter in Longuich 1786 an die Reichsabtei Sankt Maximin. Ein Fund im Archiv der bereits oben erwähnten Freiherrn von Saiis-Soglio wirft ein neues Licht auf die in der Grabfigur des Eulchens dargestellte Person. In Schloss Gemünden befand sich seit 1802 auch das Archiv der Herren Bourscheid aus Luxemburg, das in das Eigentum der Schenk von Schmidtburg gelangt war. Im Burscheider Kopialbuch (Kart. 48a) befindet sich die Zeichnung des Epitaphs der Maria vor der Neuerburg (gest. 1571), der Witwe Heinrichs von Schwarzenburg, in der damaligen Kirche von Longuich. Unschwer lässt sich die Übereinstimmung der Darstellung mit der erhaltenen Figur des Eulchens und den noch vorhandenen Architekturteilen feststellen. Auch wird jetzt der Gesamtzusammenhang des Grabmals erkennbar. Heute ist neben der Grabfigur nur noch ein "Altar" vorhanden. Der Zeichnung lässt sich entnehmen, dass darauf statt eines Kreuzes eine Sanduhr, ein im 16. Jahrhundert häufig verwendetes Symbol für die Vergänglichkeit des Lebens, angebracht war. Ein weiterer Altar war mit einem Kreuzaufsatz versehen. Die hier angebrachte Beschriftung lautet: "Anno 1574 am Montag des Monats Novembris ist gestorben undt alhier begraben die edle ehren undt tugententreiche Frau Maria gebohrene von der Neuwerburg nachgelaßene Witwe weilandt des edlen und ehrenvesten Heinrichs von Schwanzenburg dero Seele Gott gnädig seye". Umrahmt ist das Grabmal durch einen Bogen, an dem verschiedene Wappen angebracht sind: Oben befindet sich das Wappen des Ehemanns der Maria von der Neuerburg, Heinrich von Schwarzenburg, und unten ihr Familienwappen. An den Seiten sind ihre Ahnenwappen angebracht (von oben nach unten, heraldisch rechts: von der Neuerburg, Fentsch/Fontoy von Bruch, v. Manderscheid, v. Lösnich; heraldisch links: v, Bourscheid, v. Kröv, v. Malberg, v. Brandenburg). Weiter finden sich verschiedene Zitate aus der Bibel als Texte auf dem Grabmal. Wer war Maria von der Neuerburg, für die das Grabmal errichtet wurde? Sie entstammte einer Familie, die bereits um 1200 in Longuich bezeugt ist und sich nach der Neuerburg bei Wittlich nannte. Sie wurde um 1498 als Tochter Colins von der Neuerburg und der Wilhelma von Bourscheid geboren. Wilhelma erreichte, dass ihre Kinder bei der Teilung der Herrschaft Bourscheidt Mitherren wurden. So verwundert es nicht, dass die Darstellung einer von der Neuerburg in das dortige Archiv aufgenommen wurde. 1520 heiratete Maria von der Neuerburg Heinrich von Schwarzenburg, der früh verstarb. Der zwischen den Eheleuten geschlossene ausführliche Heiratsvertrag vom 30. Januar 1520 ist noch heute erhalten. In Longuich übernahm sie nach dem Tode ihres Bruders Otto dessen Güter. Da Maria kinderlos war, setzte sie als Erbin die Tochter ihrer Kusine, Maria Jacobe von Hagen, ein. Am 20. Juni 1581 übernimmt für diese nachdem Tode Marias der Ehemann, Caspar Cratz von Scharfenstein, den Longuicher Besitz. Die Zeichnung aus dem Archiv der Herren von Bourscheidt belegt endgültig, dass die Grabfigur des Longuicher Eulchen nicht die Darstellung einer Hexe ist. Von dieser Legende bleibt als wahrer Kern, dass mit Dorothea von Bentzerath in den Zeilen der schrecklichen Hexenwahns auch Mitglieder des Adels Verfolgte des Aberglaubens wurden. Damit bleibt Dorothea auch weiter eine wichtige Zeugin ihrer Zeit. Die Frage, ob sie nicht doch hingerichtet wurde, die in der neueren Literatur u.a. auch mit dem Hinweis auf das ihr gesetzte Grabdenkmal verneint wurde, ist durch die jetzt erfolgte Zuordnung wieder offen. Mit dem Fund der Zeichnung tritt mit Maria von der Neuerburg eine weitere Frau aus dem Longuich des 16. Jahrhunderts in unser Blickfeld. Nach dem frühen Tod ihres Ehemanns findet man sie in zahlreichen Urkunden erwähnt, aus denen sich das Bild einer durchsetzungsfähigen Persönlichkeit ergibt. Zusammen mit Dorothea Eligia von Bentzerath kann Longuich für die frühe Neuzeit damit zwei bedeutende Frauenpersönlichkeiten vorweisen, die in zeitgenössischen Urkunden und darüber hinaus wirken.

Einordnung

Ersteller, Baumeister, Architekt, Künstler:
Seiz, Johannes [1717-1779] Hofbaumeister.
Kategorie:
Bau- und Kunstdenkmale / Sakralbauten / Katholische Kirchen
Zeit:
um 1570
Epoche:
Renaissance

Lage

Geographische Koordinaten (WGS 1984) in Dezimalgrad:
lon:   6.771551
lat: 49.807918
Lagequalität der Koordinaten: Genau
Flurname: Im Hofbungert

Internet

http://www.longuich.de/

Datenquelle

Jürgen Schlöder: Wer ist das Longuicher Eulchen?. Jahrbuch Kreis Trier-Saarburg, 2011.

Bildquellen

1 Bild: Willi Braun in: Jahrbuch Kreis Trier-Saarburg, 2011.
2 Bild: Scan: Landeshauptarchiv Koblenz, http://www.lha-rlp.de/

Stand

Letzte Bearbeitung: 23.01.2011

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