Datenbank der Kulturgüter
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Die Wasserliescher Juden

Wasserliesch, Gemeinde Wasserliesch

Beschreibung

Wie in vielen anderen Gemeinwesen in Deutschland prägte das Schicksal jüdischer Mitbürgerinnen und Mitbürger die Ortsgeschichte von Wasserliesch mit. Juden wohnten in Wasserliesch und Reinig bereits im frühen 19. Jahrhundert, vermutlich aber auch schon früher. Als Glaubensgemeinschaft gehörten sie später der jüdischen Gemeinde des rund drei Kilometer entfernt gelegenen Nachbarortes Könen an, der heute Stadtteil von Konz ist. Dort besaß die jüdische Gemeinde eine eigene Schule, einen im Jahre 1855 angelegten jüdischen Friedhof und eine 1905 erbaute Synagoge. Im Jahre 1840 gab es in Reinig 4 Juden, 1895 waren es in Wasserliesch und Reinig zusammen 12. Das änderte sich bis zum Beginn des Zweiten Weltkrieges nicht wesentlich. Erst die Ereignisse der "Reichspogromnacht" vom 9. auf den 10. November 1938 leitete eine Entwicklung ein, die zuletzt keinen einzigen Juden übrig ließ. Im Zusammenleben zwischen nichtjüdischen und jüdischen Einwohnern gab es bis zum Beginn der Judenverfolgung durch den Nationalsozialismus keinerlei Probleme. Sie waren in die Dorfgemeinschaft integriert und gingen, wie jedermann, ihrer Arbeit nach. Das problemlose Zusammenleben drückte sich nicht zuletzt darin aus, dass Juden auch in den Ortsvereinen aktiv waren. Mit ein Beleg dafür mag sein, dass der Männergesangverein Wasserliesch ein jüdisches Mitglied nach jahrzehntelanger Vereinszugehörigkeit zum Ehrenmitglied ernannte und junge Jüdinnen anlässlich eines Vereinsfestes als "Ehrendamen" verpflichtete. Die immer mehr aufkommende antijüdische Propaganda der Nationalsozialisten änderte an dieser Situation zunächst kaum etwas. Auch während der sogenannten "Pogromnacht" kam es in Wasserliesch noch nicht zu Ausschreitungen. Erst am 10. November 1938, dem Vormittag danach, sei, so die Berichte von Zeitzeugen, eine Gruppe "meist Ortsfremder" aufgetaucht – mit dabei waren angeblich "aufgeputschte 10 bis 12jährige Schulkinder" unter der Führung eines Zollbeamten. Die Randalierer vertrieben die jüdischen Familien aus ihren Häusern und zerstörten oder beschädigten das Mobiliar, Fenster, Türen, Kleider und Lebensmittel. Es gab jedoch keine tätlichen Übergriffe gegen Personen. Einige mutige Bürger, meist Nachbarn, so wird berichtet, hätten durch ihr Eingreifen Schlimmeres verhindert. Dass Schulkinder in diesem Alter mit dabei gewesen sein sollen, erscheint allerdings aus heutiger Sicht wenig glaubwürdig. Zweifellos sind es, wie anderswo auch, fanatisierte Anhänger der nazistischen Ideologie gewesen, ob auswärtige oder einheimische sei dahingestellt. Die vertriebenen Juden flohen und versteckten sich zunächst. Einem Juden gestatteten die Randalierer sogar, seine im Stall stehende Kuh mitzunehmen. Abends wurden die Betroffenen dann erst einmal von Nachbarn und anderen hilfsbereiten Ortsbewohnern aufgenommen, konnten aber am nächsten Tag unbehelligt in ihre Häuser und Wohnungen zurückkehren. Bei der notdürftigen Beseitigung der Schäden halfen Wasserliescher und Reiniger Bürger. Als man das einige Zeit später per Reichserlass auch offiziell gestattete, reparierte ein ortsansässiger Handwerksbetrieb die Schäden in einem Fall sogar unentgeltlich. Als man die Einwohner von Wasserliesch unmittelbar nach Ausbruch des Zweiten Weltkrieges im September des Jahres 1939 wegen der Nähe zu Frankreich evakuierte, brachte man alle Juden in die Stadt Trier und wies ihnen dort eine Unterkunft zu. Nach Rückkehr der Bewohner im Sommer 1940 durften die Juden ihre Häuser und Wohnungen jedoch nicht mehr in Besitz nehmen. In den Folgejahren erlitten alle Juden aus Wasserliesch das gleiche Schicksal wie Hunderttausende ihrer Glaubensgenossen. Zwischen 1943 und 1944 kamen 9 Personen in den Konzentrationslagern Auschwitz, Theresienstadt und Litzmannstadt um, darunter 7 Frauen und 2 Männer. Nur von einem ehemaligen jüdischen Mitbürger ist bekannt, dass er nach dem Zweiten Weltkrieg, aus Israel kommend, nach Deutschland zurückkehrte und wieder im Raum Trier wohnte. Die Gebäude und Grundstücke der Juden von Wasserliesch wurden in den Nachkriegsjahren versteigert und von einheimischen Interessenten erworben. [1] Jüdische Einwohner 1933: 10 und 1938: 7. [2]

Einordnung

Kategorie:
Geschichte / Ortsname / Ortsgeschichte / Jüdische Geschichte
Zeit:
Frühes 19. Jahrhundert
Epoche:
Klassizismus

Lage

Geographische Koordinaten (WGS 1984) in Dezimalgrad:
lon:   6.538799
lat: 49.708366
Lagequalität der Koordinaten: Ortslage
Flurname: Ortslage

Internet

http://www.wasserliesch.de/

Datenquelle

[1] Homepage der Ortsgemeinde Wasserliesch. [2] Prof. Dr. Richard Laufner: Die Geschichte der jüdischen Bevölkerung im Gebiet des heutigen KreisesTrier-Saarburg. Jahrbuch Kreis Trier-Saarburg 1979. Hrsg. Kreisverwaltung Trier-Saarburg.

Bildquellen

Stand

Letzte Bearbeitung: 17.09.2012

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