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Sankt Ursula

Brockscheid, Gemeinde Brockscheid
Am Kirchplatz 5

Katholische Pfarrkirche

Mittelalterlicher Chorturm, im 18. Jahrhundert erhöht, Zeltdach von 1843; auf dem Friedhof Schaftkreuz, Sandstein, 18. Jahrhundert. [1] Nur der Glockenturm der Kirche hat die bewegende Kirchengeschichte des kleinen Dorfes überdauert, er ist heute einer der ältesten Zeitzeugen seiner Art in der Eifel. Brockscheid, vor Jahrhunderten ein abgelegenes Dörflein, begegnet dem Forscher recht früh. Die Abtei Echternach, an der Mosel begütert, war schon seit 752 im Besitz der Pfarrei Kröv. Unter den Besitztümern der Echternacher wurde ihnen am 9. 1. 1161 vom Papste Viktor dem IV Broxsceith und Texscith bestätigt. Die Echternacher Mönche trugen sicher ihren Teil zur Verkündigung der Lehre Christi bei. Waren auch nur wenige Siedler - Brockscheid hatte 1654 nur fünf Feuerstellen - vorhanden, so werden die frommen Mönche ihnen doch bald eine kleine Gebetsstätte beschafft haben. Es kam vor, dass für nur einige Familien ein Priester freigestellt wurde, damit diese nicht ohne Gottesdienst blieben. So ist es verständlich, dass schon 1238 von der Kirchengift zu Brockscheid die Rede ist und der über valoris von 1316 die bescheidene Gemeinde Brockscheid zu den Pfarreien, die zum kölnischen Eifeldekanat gehören, zählt. Und nur dieses Dorf bildet eine Pfarrei, die südlichste der alten Diözese Köln. Im Jahre 1248 trug Graf Heinrich von Daun, genannt Zievel, den "Hof zu Brockscheid", und die Kirchengift "und was die da halt" ein. Ebenso 1348 Johann von Daun. Das Koalitionsrecht stand bis Ende des 17. Jahrhunderts dem Grafen von Daun zu. Die Pfarrer von Brockscheid hatten das Recht, im Falle der Erledigung der Pfarrei Daun auf diese überzugehen. Man vermutet, dieses Recht habe darin seinen Grund, weil die Pfarrei Brockscheid wahrscheinlich von einem Grafen von Daun gegründet worden sei. Das Zehntrecht besaß der Pfarrer allein. In dieser Zeit war der jeweilige Pfarrer von Brockscheid zugleich Altarist der Muttergotteskapelle auf dem Kampbüchel vor der Stadt Daun und war verpflichtet, dort eine sonntägliche Frühmesse zu lesen. Eine Kirche erscheint in der Literatur im 14. Jahrhundert im über Valoris der Erzdiözese Köln. Dies deutet darauf hin, dass die erwähnte Kirche im Jahre 1348, als Johann von Daun sich den Hof in Brockscheid eintragen ließ, schon bestand. Der Volksmund erzählt, dass der jetzt noch bestehende Kirchturm schon sehr alt sein muss. Dies deckt sich mit den Jahreszahlen aus der Literatur. Das Baujahr der ersten Kirche wird weiterhin ein Geheimnis bleiben, mit Sicherheit liegt die erste Erwähnung der Kirche etwa 650 Jahre zurück. Klaus Mark vermutete in einem Artikel im Jahre 1952 sogar, dass die eingravierte Jahreszahl 1161, die 1921, bei Bauarbeiten am Turm, in einem Sandstein entdeckt wurde, Rückschluss auf das Alter des Turms gibt. Dann wäre der Turm so alt wie die erste Erwähnung des Ortes (837 Jahre). Diese Vermutung kann, mit dem jetzigen Stand der Forschung, jedoch nicht bewiesen werden. Vor dem ersten Kirchlein aus dem 14. Jahrhundert blieb im Jahre 1714 der zweigeschossige Ostturm stehen, dessen hoher Helm leider 1843 der Unterhaltungskosten wegen durch ein niedriges Zeltdach ersetzt wurde; es ist bis heute geblieben. Mark fand heraus, dass ein späterer Pfarrer seinem Vorgänger ins Lagebuch schrieb, "der Baumeister soll drei Tage bei Wasser und Brot unter dem niedrigen Zeltdach sitzen". Wie Mark meint, eine spaßige Formulierung des Unwillens über das Geschehene. Indessen war aber der Pfarrer von damals lange tot, so dass er dem jungen Nachfolger seine und der Pfarrei Finanzsorgen nicht mehr klarlegen konnte. Die bauliche Ausführung muss große Mängel aufgewiesen haben, denn schon 1752 wird die Reparatur des Daches von Turm und Schiff verlangt. Die Unterhaltspflicht oblag damals für das Schiff der Kirchenkasse, wozu die Gemeinde das Holz und die Steine stellten, die Pfarrkinder beim Schneiden des Holzes dem Meister die Kost gaben und die Pfarrkinder Hand- und Spanndienste leisten mussten, während die Kirchenkasse die Arbeitslöhne und etwaige Dinge wie Nägel bezahlte. Wie weit die Arbeit ausgeführt wurde, ist nicht bekannt. Bekannt aber ist, dass der Pastor schon 1763 heftige Klage über die schlechte Kirche führte. Dieser Beschwerde wurde dann 1782 durch eine Erweiterung des Schiffes nach Westen abgeholfen. Das bescheidene Kirchlein von nur 75 qm Laienraum schrie jedoch nach einem Neubau. Die ersten Pläne gehen zurück in das Jahr 1909. Damals gab Trier 1 000 Mark; man sammelte bis 1913 12000 Mark. Zwei Kostenanschlage von 31 000 und 37 000 Mark wurden vorgelegt. Die Behörde genehmigte den billigeren. Dann kam der Erste Weltkrieg und verhinderte die Ausführung. Aber sofort nach dem Krieg ging die Gemeinde mutig ans Werk; am 17. 7. 1921 wurde der Grundstein gelegt. Die bischöfliche Behörde förderte das Unternehmen, betonte in einer Empfehlung der Kirchenkollekte, die am 26. 6. 1921 stattfand, die Armut und hohe steuerliche Belastung der Pfarrkinder, den guten Willen der Gläubigen, die Hand- und Spanndienste gratis leisten würden, deren Gemeinden einen außerordentlichen Holzhieb bewilligt hätten. Man hatte Glück, die Inflation half die Schulden wegschaffen. Architekt Marx aus Trier sah sein Werk bald vollendet. Bereits am 16. 11. 1921 wurde die Kirche benediziert und am 20. 6. 1933 durch Weihbischof A. Mönch konsekriert. Patronin der alten Kirche war wohl in ältester Zeit die Gottesmutter, da 1578 Kirchweih am 15. 8. begangen wurde. Doch gegen Ende des 17. Jahrhunderts werden die Hl. drei Könige als Hauptpatrone verehrt, woran die Inschrift auf der alten Glocke von 1686 erinnerte. 1719 sind die beiden Altäre diesen Heiligen und der seligsten Jungfrau dediziert; auch später, wie 1734, 1744 und 1830, ja noch 1862, erscheinen die Drei Könige, 1862 als Zweite Patronin die Hl. Ursula. Dann kam Pfarrer Anton Jox (1867-83), dessen restauriertes Ölbild im ehemaligen Pfarrhaus zu besichtigen ist, und erlangte von der kirchlichen Behörde die Erlaubnis, die Hl. Ursula als Hauptpatronin zu verehren (6. 11. 1868). Er erwarb am 22. 8.1874 bei der Heiligtumsfahrt nach Aachen zwei Reliquien: a) ex ossibus et de velo s. Ursulae und b) de cruce DJChr et ex ossibus unius trium Magorum, die öffentlich ausgesetzt werden durften. Die Hl. Ursula und ihre Genossinnen werden von da an als Kirchenpatroninnen verehrt. Im Jahre 1887 schreibt Dr. Philipp de Lorenzi in seinen "Beiträgen sämtlicher Pfarreien der Diözese Trier": "Die Pfarrfiliale Tettscheid gehörte früher mit ihrer 1743 erbauten und dem heiligen Jodokus geweihten Kapelle zur Pfarrei Mehren, die Filiale Udler mit ihrer 1734 nach einem Brande neu gebaute Stephanus-Kapelle zur Pfarrei Schalkenmehren." Erst in napoleonischer Zeit gelang die Umpfarrung, 1803 bekam die Pfarrei Brockscheid die Filialen Tettscheid und Udler dazu. Im schon zitierten Buch von "Dr. Lorenzi" geht der erste genannte Pfarrer auf das Jahr 1573 zurück. Vor 1573 Joh. Berg, 1573 Martin Edeler, 1651 Mathias Zimmer, 1694-1738 Peter Geilen, 1752 Wilhelm Thielen, 1752-1768 Serv. Steill, 1768-78 Joh. Paul Roß, 1778-79 Joh. Christoph Wrangel, 1779-1808 Hugo Pflimpen, 1808-13 Peter Josef Göbel, 1817-18 Mathias Servatii. Der damalige Ostturm steht heute im Westen der Kirche und bildet das Eingangsportal der wunderschön restaurierten, kleinen Dorfkapelle. Vor etwa 15 Jahren hat die Pfarrgemeinde mit einem sehr großen Engagement, sowohl finanziell als auch durch Eigenleistung, die Sanierung der alten Dorfkirche betrieben. Heute stellt die Dorfkirche mit ihrem 650 Jahre alten Glockenturm aus der Feudalzeit ein Kulturdenkmal ersten Ranges dar. Grundriss Der beschriftete Grundriss zeigt den Turm aus dem Jahre 1348 mit den verschiedenen Anbauten, die im Laufe der Jahre dazu kamen. Der dargestellte Grundriss ist eine Reproduktion eines Handaufmasses, das ich im alten Pfarrhaus in Brockscheid 1995 gefunden habe. Wahrscheinlich wurde das Aufmaß von Marx aus Trier, dem Architekten der neuen Kirche 1921, angefertigt. Von diesem Grundriss blieb nur der Glockenturm erhalten, sowohl die Sakristei im Osten als auch das Kirchenschiff im Westen musste der neuen Kirche weichen. Heute wird die neue Kirche von Westen aus durch den 650 Jahre alten Glockenturm betreten. [2]

Einordnung

Ersteller, Baumeister, Architekt, Künstler:
Marx, Peter (Architekt) Trier [1871-1958]
Kategorie:
Bau- und Kunstdenkmale / Sakralbauten / Katholische Kirchen
Zeit:
Circa 1100 bis circa 1500
Epoche:
Gotik

Lage

Geographische Koordinaten (WGS 1984) in Dezimalgrad:
lon:   6.844905
lat: 50.131681
Lagequalität der Koordinaten: Genau
Flurname: Ortslage

Internet

http://www.brockscheid.de http://www.brockscheid.de/

Datenquelle

[1] Denkmalliste des Landes Rheinland-Pfalz (Stand: 3. Januar 2013). [2] Klaus-Dieter Hammes, Aachen: Brockscheider Kirchturm überstand Brände, Kriege und Napoleon Glockenturm vor 650 Jahren erbaut. In: Heimatjahrbuch 1999 http://www.jahrbuch-daun.de/

Bildquellen

1 Bild: Norbert Lercher, 2005 http://www.alpenverein-siegburg.de/galerien/eifel_2005/index.htm

Stand

Letzte Bearbeitung: 27.03.2014

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