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Ortsgeschichte

Kordel, Gemeinde Kordel

Beschreibung

Zur 2280 Einwohner zählenden Gemeinde gehören die Ortsteile Burg Ramstein, Hochmark, der 1953 ganz zugegliederte Weiler Kimmlingen sowie die Wüstung Winterbach. Kordel liegt idyllisch in einem engen Kessel des ansonsten schmal eingeschnittenen Unteren Kylltals. Dieser im Talgrund aus Mittlerem Buntsandstein bestehende Kessel wurde von der Kyll und der ihr in der Ortslage zufließenden Bäche (Welschbilliger Bach und Kimmlinger Bach) gebildet. Die steilen, von Einkerbungen und Höhenausläufern modellierten Höhenränder zeigen den überwiegend bewaldeten Aurbau aus den Schichten des Oberen Buntsandsteins, der von Muschelsandstein abgeschlossen wird. Diese Freilegung und die Qualität des Voltziensandsteins begründeten ab 1870 die Kordeler Sandsteinindustrie. Die Kyll im natürlich belassenen Bachbett windet sich am östlichen Ortsrand um den Vogelskopf. Eine ähnliche, kleinere Kesselsituation besteht südlich von Kordel zwischen Kyll und dem ihr zufließenden Butzerbach an der Burg Ramstein. Hier wird der Rand von signifikanten Steilfelsen mitgebildet. In der ersten Nennung 1139 wird der erzbischöfliche Hof in Cordule genannt. Der Ortsname blieb in seiner Schreibweise mit den Deklinationen ziemlich stabil und variierte mit Cordele, Cordula und Curdela im 12. und 13. Jahrhundert. Der Ortsname wird vom moselromanischen Cortelle als Bezeichnung für kleinen Hof abgeleitet und mit dem erzbischöflichen Fronhof erklärt. Kordel gehörte zum ältesten bischöflichen Besitz der Trierer Kirche, der im Norden des Einflußgebietes ursprünglich an den als Königsgut übernommenen römischen Langmauerbezirk heranreichte. Um Kordel überliefern sich in ungewöhnlich reicher Dichte die Zeugnisse einer in die jüngere Altsteinzeit hinabreichenden Besiedlung. Die Kontinuität der Besiedlung dürfte in die Ältere Hunsrück-Eifel-Kultur der Eisenzeit reichen. Den zum Kylltal gerichteten Rand der Hochfläche säumt das Dreieck aus drei Burgringen. Die weit in das Kylltal vorgeschobenen, steil abfallenden Ausläufer der Hochflächen boten hier günstige Voraussetzungen. Der nördlich von Kordel gelegene Burgberg trug einen Ringwall der Frühlatenezeit, der mit einem Vorwall und mit einer Erneuerung der Pfostenschlitzmauer als Mauer in murus gallicus-Technik erneuert wurde. Die an der zungenförmigen Westseite zugängliche Hochburg nutzt den an Höhlen reichen westlichen Rand der Hochfläche. Die am Zugang der Felszunge mit einem Vor- und Hauptwall gesicherte Anlage ist in die ältere Hunrück-Eifel-Kultur datiert (um 600-475 v. Chr.) und wurde in einem Teilbereich im Frühmittelalter weiterbenutzt. In der Zeitstellung nicht gesichert ist der am Ostrand des Kylltals gelegene Abschnittswall Korpesley, der als Zufluchtsstätte in spätrömischer oder in frühmittelalterlicher Zeit genutzt wurde. Der auffälligen Dichte von Wallanlagen, die sich auf Ehranger und Zemmerer Gemarkung fortsetzen, entspricht eine große Zahl von Höhlen, für die teilweise eine Nutzung in der Altsteinzeit angenommen wird. Die Massierung der Wehranlagen ist wiederum Hinweis auf einen in vorgeschichtlicher Zeit bestehenden gewerblich-industriellen Standort. Die Wallanlagen sind Bodendenkmäler. Hierzu zählt auch die gewaltige Genovevahöhle nahe der Hochburg. Die um 1900 mit Felstreppe und umlaufender Bank versehene, etwa dreiviertelrunde, kuppelartig abgeschlossene Felshöhle diente vermutlich seit der späten Altsteinzeit als Siedlungsstätte. In und um Kordel wurden alleine sieben römische Siedlungsstellen festgestellt, die teilweise auch Vorgänger der späteren Wüstung Winterbach und der Siedlung Hochmark (benannt nach dem 1719 gesetzten Grenzstein) waren. Bei Burg Ramstein wurde das ausgedehnteste römische Brandgräberfeld mit steinernen Aschenkisten gefunden. Die wirtschaftliche Bedeutung der Kordeler Gemarkung in der Römerzeit spiegeln römische Steinbrüche wieder. Die Nähe römischer Siedlungsstellen zu mittelalterlichen Glashütten läßt die Vermutung auf bereits römische Glashütten auf der Hochmark zu. Eine Glashufe wird hier im Liber Annalium des Erzbischofs um 1200 überliefert. Eine Verbindung mit dem bezeugten römischen Abbau von Kupfer teils auf Kordeler, teils auf Butzweiler Gemarkung (s. dort) wird auch für Ramstein möglich gehalten. Das Eigentum des Erzstiftes in Kordel wurde unter Erzbischof Johann I. um 1200 mit neun Hufen, einer Glashufe, einer Forsthufe und einer halben Fischereihufe verzeichnet. Das Dorf wurde im Zusammenhang mit der Burg Ramstein (s. dort) früh verlehnt, wobei neben Ministerialen insbesondere schon früh und seit dem 16. Jahrhundert dauerhaft der Domdechant als Inhaber der Zinsen und Gefälle beziehungsweise der Grundherrschaft auftrat. Die Beschreibung des Amtes Pfalzel, zu dessen Pflege Pfalzel das Dorf Kordel gehörte, weist Kordel als erzbischöfliches Lehen aus, das der Domdechant innehatte. Die Landeshoheit stand dem Erzstift zu und über die dem Kurfürst zustehende Hochgerichtsbarkeit war es zu Mißhelligkeiten gekommen. Die Grund- und Mittelgerichtsbarkeit stand jedoch dem Domdechanten zu. Aus dem Gebiet um Kordel stellte Erzbischof Albero den Zisterziensern um 1135 Ländereien zur Gründung ihrer ältesten Niederlassung in Deutschland zur Verfügung. Bereits 1138 übersiedelte die Niederlassung nach Himmerod und das bisherige Kloster blieb als Hofgut (Grangia) bestehen, das der Orden 1609 an die Familie von Kesselstatt (s. Föhren) verkaufte. Die im 19. Jahrhundert verfallende Anlage mit ihren wenigen sichtbaren Mauerresten wurde neuerdings archäologisch untersucht. 1175 wird erstmals die Pfarrei Kordel genannt, deren Patrozinium 1569 mit dem Amandus und 1609 mit den Heiligen Amandus und Vedastus angegeben ist. Das Zehnt- und Patronatsrecht wird als ein erzbischöfliches Lehen betrachtet, daß im 12. Jahrhundert die Trierer Familie von der Brücke innehatte und seit dem 15. Jahrhundert mit den Inhabern der Alten Burg in Longuich (Verbandsgemeinde Schweich) verbunden war. Der anstelle der heutigen Kirche stehende Vorgängerbau stammte aus dem 15. oder 16. Jahrhundert Zum religiösen Leben gehörten auch die Eremitagen. Im 18. Jahrhundert sind zwei von Klausnern genutzte Höhlen um Kordel überliefert, von denen die im ältestbesiedelten Bereich um die Burg Ramstein vermutlich schon früher bewohnt war. Mit 26 Feuerstellen 1563 und 25 Feuerstellen 1684 zählte Kordel zu den kleineren Dörfern des Amtes Pfalzel. Ende des 18. Jahrhundert wird das aus 62 Rauchfängen bestehende Kordel als reich an Holz und Früchten charakterisiert. Mit der Aufhebung der Mühlenbeschränkung im 19. Jahrhundert entstanden mehrere neue Mühlen. Der im 19. Jahrhundert zur französischen Mairie und späteren preußischen Bürgermeisterei Pfalzel gehörende Ort zählte 1818 410 und 1843 544 Einwohner. Zwischen 1871 und 1905 stieg die Einwohnerzahl von 656 auf 1112. Ursächlich hierfür war die Sandsteinindustrie, die seit den 1870er Jahren bis zum Ersten Weltkrieg ihre Blütezeit hatte. Der Abbau und die Bearbeitung der zwischen roter, grau-weißer und gelblich-grüner Farbe wechselnden Sandsteinbänke begann um 1855. Die 1871 in Betreib genommene Eisenbahn Trier-Köln mit ihrer Station in Kordel förderte den industriellen Abbau, die Schleifstein- und Bausteinindustrie sowie die Steinmetzbetriebe. Der Bevölkerungszustrom hielt auch nach dem Ende der Steinindustrie an. 1986 hatte Kordel 2276 Einwohner. Der die Tallage auf der westlichen Kyllseite ausfüllende Ort ist mit seiner jüngeren Wohnhausbebauung in die Quertäler von Kimmlinger Bach und Welschbilliger Bach hineingewachsen. Die sich auf die Hangseiten ausbreitende jüngste Bebauung hat die ausgreifenden Arme zu einem geschlossenen Grundriß zusammengefaßt. Auf der Ostseite lehnt sich die Kyll eng an den Vogelskopf und wird von einer seit dem 19. Jahrhundert an den Fels gebauten Häuserzeile begleitet. Den natürlich belassenen Bachlauf der Kyll rahmt die hier den alten Ortsrand bildende Talaue mit ihren Wiesen und Gärten. Die Stufen der historischen und wirtschaftlichen Ortsentwicklung spiegeln sich in der Ortsbebauung und in Einzelbauten wieder. Das heute überwiegend modernisierte historische Dorf in seinen Grenzen bis um 1800 wird von dem Dreieck zwischen Kyll, Welschbilliger Bach und Berghang wiedergegeben. Das Altdorf hebt sich als im Grundriß verdichteter Bereich mit Gebäudekernen des 18. Jahrhundert ab. Die historische Ortsform vereinigt einen linear ausgerichteten und einen flächig ausgebreiteten Teil. Der Hangfuß ist Leitlinie einer zweizeiligen, ziemlich geschlossenen Bebauung, die sich aus der Oberstraße und den Teilarmen der Haupt- und Friedhofstraße zusammensetzt. Die hangseitige Zeile aus traufständigen Quereinhäusern schließt rückwärtig einen Kranz aus Hausgärten ein. Die Quereinhäuser sind hier charakteristisch auf eine kleine Ökonomie mit Scheunenteil beschränkt; das Erscheinungsbild und die Jahreszahlen deuten auf eine Neubebauung des 19. Jahrhundert (Friedhofstraße 11, 1868; Friedhofstraße 13, 1869). Eingelagert sind sowohl Neubauten als auch überwiegend stark überformte barocke Reste (Friedhofstraße 1 und 21). An der Südseite wechseln trauf- und giebelständige Anwesen ab. Etwa die Mitte nimmt der Bereich aus Pfarrkirche, altem Kirchhof und Pfarrhaus ein. Dieses Zentrum entstand über den Vorgängerbauten Ende des 19. Jahrhundert im Zeichen der Sandsteinindustrie neu. In nächster Nähe befanden sich das kurfürstliche Hofhaus (Friedhofstraße 1) und das Schulhaus des 19. Jahrhundert Westlich der Kirche weitete sich das Dorf zwischen Kyll und dem von der Straße Am Kreuzfeld und dem Arm der Hauptstraße begleiteten Mühlgraben aus. Dieser von kleinen Straßen (Schulstraße, Wehrstraße, Im Städtchen) und Gassen aufgeschlossene Bereich weist sich in der Grundrißstruktur und in den Resten der veränderten barocken Bebauung als historischer Dorfbereich aus. Das 1747 datierte Einhaus Wehrstraße 2 hat hier ortsbildprägenden Charakter. Von einem stark veränderten Barockbau neben dem Pfarrhaus hat sich das 1743 datierte, profilierte Portal erhalten. Alte spezifische Quartierbildungen sind die Straßen Im Städtchen und Im Mühlenecken. Die Uferzeile der Straße Im Städtchen fiel bereits dem Bau der Kyllbahn ab 1867 zum Opfer. Die gegenüberliegende Zeile weist ein von Neubauten durchsetztes, individuelles Bild auf, das von einem teils überbauten Pfad ins Dorfinnere bereichert wird. Der Bereich Im Mühlenecken stellt den traditionellen Standort verschiedener, vom Graben des Welschbilliger Baches gespeister Mühlen dar. Die älteste kurfürstliche Mühle brannte vor wenigen Jahren ab. Das Ortsbild wird von der Dorferweiterung nach der Mitte des 19. Jahrhundert im Zusammenhang mit der Sandsteinindustrie und des Eisenbahnanschlusses geprägt. Die damals entstandene südliche Ortshälfte zeigt diese Entwicklung deutlich an der Bahnhofstraße und an der Welschbilliger Straße. In typischer Weise präsentiert die Welschbilliger Straße das Wachstum mit den ein- und zweigeschossigen, verputzten und steinsichtigen Wohnhäusern, deren Datierungen und Schmuckelemente die Wachstumsphasen zwischen den 1890er und den 1930er Jahren umfassen. Die in Hanglage errichteten Wohnhäuser der Butzweiler Straße zeigen eine villenartige Ausprägung (Nr. 10, 26, 50). Am südlichen Ortsrand siedelten sich zwischen Kyll und Bahnhof die Steinmetzbetriebe an. Die als Sandsteinquaderbauten errichteten öffentlichen Baumaßnahmen in diesem Bereich (Stationsgebäude, Wohnhaus der Bahnbediensteten, Postamt) sind zugleich Zeugnisse der Kordeler Sandsteinindustrie. Unter den Wegekreuzen in der Ortslage und in der Gemarkung ist der Bildstock mit der Darstellung einer Maria Himmelfahrt heute durch eine Kopie ersetzt, weitere Wegekreuze wurden erneuert. Von einem alten, wohl ins 17. Jahrhundert datierenden Stationenweg der sieben Fußfälle haben sich einige Setzsteine erhalten. [1]

Einordnung

Kategorie:
Geschichte / Ortsname / Ortsgeschichte / Ohne
Zeit:
1139
Epoche:
Frühmittelalter / Romanik

Lage

Geographische Koordinaten (WGS 1984) in Dezimalgrad:
lon:   6.63313
lat: 49.83942
Lagequalität der Koordinaten: Ortslage
Flurname: Ortslage

Internet

http://gemeinde-kordel.de/

Datenquelle

[1] Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland. Kulturdenkmäler in Rheinland-Pfalz. Band 12.2 Kreis Trier-Saarburg. Wernersche Verlagsgesellschaft mbH, Worms. ISBN 3-88462-110-6 (1. Auflage 1994)

Bildquellen

1 Bild: Ansichtskarte Kordel, Ortsansicht von der Kaulley aus 1908. Sammlung Peter Valerius, Kordel, 2012.
2 Bild: Ansichtskarte von 1918, Sammlung Peter Valerius, Kordel, 2012.
3 Bild: Ansichtskarte von 1939.
4 Bild: © Dr. med. Hermann-Josef Dixius, Kordel. http://www.dr-dixius.de/
5 Bild: © Dr. med. Hermann-Josef Dixius, Kordel. http://www.dr-dixius.de/
6 Bild: © Dr. med. Hermann-Josef Dixius, Kordel. http://www.dr-dixius.de/

Stand

Letzte Bearbeitung: 17.06.2013

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