Datenbank der Kulturgüter
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Erste Erwähnung als Holzheim

Holsthum, Gemeinde Holsthum

Beschreibung

Dieser Ort liegt im Nordosten, am Fuße des Ferschweiler Plateaus. Sein Bestehen ist bis ins 9. Jahrhundert nachweisbar. In einer Urkunde, die frühestens 869 (Steinhausen O.K.) ausgefertigt wurde, wird Holzheim zum ersten Male erwähnt. Dr. Ph. De Lorenzi nennt in seinem Buch Beiträge zur Geschichte sämtlicher Pfarreien der Diözese Trier" vom Jahre 1887 zwei Jahreszahlen für diese Urkunde, und zwar 876 und 882. Es handelt sich um einen Schenkungsakt, der besagt, daß ein fränkischer Edelherr namens Leofridus dem Kloster Echternach sein Gut Holzheim im Bedgau (in pago Bedense in villa nuncupante Holzheim) übereignet. Im 15. Jahrhundert tritt die luxemburgische Herrschaft Burscheid als Grundherrin von Holzem auf, und gegen Ende des 15. Jahrhunderts kam die Familie von Nickenich und Metternich in den Besitz der Grundherrschaft, die in der Folgezeit als Holzthumb in den Urkunden aufgeführt wird. Die letzten Inhaber des Gutes, etwa ab 1753, waren die Freiherren Schenk von Schmittburg. Nur noch der Flurname In der Burg" weißt heute auf den Standort des 1769 abgetragenen Herrenhauses der mittelalterlichen Grundherren hin. Das dem Kloster Echternach geschenkte Hofgut wird in den Urkunden als Hörigenmansus" bezeichnet; das besagt, daß den Grundherren von Holtzheim oder Holzthumb die Bauern hörig" oder grundhold" waren. Die Hörigen oder Grundholden genossen alle Rechte der persönlichen Freiheit. Sie waren jedoch verpflichtet, dem Grundherrn den Zehnten zu entrichten und Fronarbeit zu leisten, falls der Grundherr einen kleineren oder größeren Teil seines Hofgutes selbst bewirtschaftete. Die Hörigen der Grundherren sind demnach nicht zu verwechseln mit den Leibeigenen der Gutsherren, die ihre Güter selbst beackerten und hierbei Leibeigene einsetzen, die ihnen mit Leib und Leben verpflichtet waren; dies geschah vornehmlich in Ostdeutschland. Der Grundherr teilte sein Land in Hufe auf - eine Fläche von Ackerland, Wiesen und Weiden, die ein Bauer zu seinem Behufe" benötigte. Dieses in selbständiger Wirtschaft befindliche Hufenland wurde dem Bauern in Erbpacht gegeben, und in den meisten Fällen trat der älteste Sohn als Hoferbe auf. Der Hof mußte dem Stamm erhalten bleiben, und zwar als ganzer Stock", das heißt ungeteilt. Aus diesem Grunde erhielten die Bauernhöfe den Namen Stockgüter oder Stockhäuser. Im Kreis Bitburg nannte man sie auch Schafftgüter, weil sie durch Schaffen" dem Bauern erhalten bleiben sollten. Hieran erinnert in Holsthum noch heute der Schmetteschaaf" - ein Gelände, das offenbar zum Schaffgut der Schmetten, Schmatz oder Schmiez gehörte. Dreizehn solcher Stockhäuser sind in Holsthum heute noch nachweisbar. Unter Kaiser Joseph II. wurden im Jahre 1781 die Fronden und Zehnten in Geldabgaben umgewandelt, und nach dem Einmarsch französischen Revolutionsheere im Jahre 1794 wurden die Stockbesitzer unumschränkte Eigentümer ihres Haus- und Grundbesitzes. Wenn bis dahin auch Zins und Zehnten schwer auf den Stockgüter lasteten, so war das Dasein dieser Bauern -Stockbesitzer" oder " genannt - doch erträglich; in gewissem Sinne waren diese Bauern sogar wohlhabend, gemessen an dem dürftigen Leben der Zugezogenen" oder Anwohner". Letztere waren meist Handwerker und Fuhrleute, die unter dem Namen Backesmann" bekannt waren, weil sie vielfach im Backhaus wohnten, bevor sie sich eine eigene Bleibe erarbeitet hatten. Das stete Anwachsen der nichtbäuerlichen Bevölkerung mag dazu beigetragen haben, daß in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts Anstrengungen unternommen wurden, durch eine Umstrukturierung auch diesen Menschen Arbeit und Brot und damit ein besseres Dasein zu verschaffen. So entstand im Jahre 1840 in Holsthum eine Glasfabrik, die jedoch nach acht Jahren wieder ihre Tore schloß. Die allzu hohen Kosten für den Transport des Rohmaterials machten die Glasfabrikation unrentabel, so daß die Fabrikation aufgegeben werden mußte. Auch eine Bierbrauerei und eine Gerberei konnten die Struktur des Dorfes nicht verbessern. So blieb Holsthum ein Bauerndorf bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges. Heute wandern die überschüssigen Arbeitskräfte in die Industriegebiete, und viele Arbeiter verdienen ihren Lebensunterhalt im nahen Luxemburg. In jüngster Zeit nimmt der Fremdenverkehr von Jahr zu Jahr an Bedeutung zu. Hierdurch erhalten die Familien eine zusätzliche Verdienstmöglichkeit.

Einordnung

Kategorie:
Geschichte / Ortsname / Ortsgeschichte / Ohne
Zeit:
869
Epoche:
Frühmittelalter / Romanik

Lage

Geographische Koordinaten (WGS 1984) in Dezimalgrad:
lon:   6.414108
lat: 49.892579
Lagequalität der Koordinaten: Ortslage
Flurname: Ortslage

Internet

http://www.holsthum.de/

Datenquelle

Homepage der Verbandsgemeinde Irrel, 2002.

Bildquellen

1 Bild: © Margraff: Kirchen, Burgen, Bauernhäuser. Verlag der Akademischen Buchhandlung Interbook Trier, 1986
2 Bild: © Helge Rieder, Konz, 2000

Stand

Letzte Bearbeitung: 15.04.2002

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