Datenbank der Kulturgüter
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Missionskreuz

Rockeskyll, Gemeinde Rockeskyll
Dorfstraße 41

Beschreibung

[...] Südlich der Sankt Bartholomäus Pfarrkirche von Rockeskyll steht in einer kleinen Grünanlage des Kirchvorplatzes das 1736 errichtete barocke Missionskreuz aus Rotsandstein, mit noch erkennbarem leichtem Farbanstrich, das an die erste Volksmission der Jesuiten aus Münstereifel in Rockeskyll in eben diesem Jahr erinnern soll. Das eigentliche Kreuz oder die Kreuzbekrönung, Kreuzbalken und Corpus, ist nicht mehr erhalten. Auf einem viergliedrigen Sandsteinaufbau ist heute ein schmiedeeisernes Kreuz (85x48 cm) montiert, das 1928 noch nicht vorhanden war, als Ernst Wackenroder und seine Mitarbeiter die Kunstdenkmäler des Kreises Daun auch für Rockeskyll inventarisierten. Vielleicht wurde die Gesamtanlage im Zusammenhang mit den französischen Revolutionstruppen in der Eifel nach 1794 mutiliert oder später zerstört. Mit dem schmiedeeisernen Aufbau erreicht das Missionskreuz die Höhe von 300 cm. Eine starke profilierte Bodenplatte, ca. 75 cm im Quadrat, trägt einen kräftigen Sockelblock (74x71 cm, h 66 cm), der durch die oben an den vorderen Seitenecken angebrachten Schneckenornamente eine Volutenform erhält und als Konsole dient. In der Mitte unter der den Block nach oben abschließenden Platte sieht ein Puttenkopf mit Flügeln geradeaus. Diese Putte wird im nächsten Teil des Sandsteinaufbaus wieder als Anschluss verwendet. Akantusartige Verzierungen lockern diesen Teil auf, der schließlich den heutigen Hauptteil des Missionskreuzes trägt. Über eine Rundnische mit Rocailleabschluss befindet sich die für die Missionskreuze wichtige Inschrift: CRUX SANCTAE MISSIONIS 1736, also die Kennzeichnung des Denkmals als Missionskreuz und die Jahreszahl. Das Inschriftenbild ist von einer aufwendig gearbeiteten Kartusche eingefasst. Das Rockeskyller Missionskreuz erinnert durch die Expositionsnische an Stations- oder Wegkreuze. Ob das Ensemble des Missionskreuzes die ursprüngliche Fassung ist, kann nicht beurteilt werden. Der reich verzierte schlank aufgehende Kreuzschaft, der auch Unterbau einer Kreuzbekrönung sein kann, passt nicht so recht zum verhältnismäßig schweren Sockelblock. Das Missionskreuz in Rockeskyll ist sehr aufwendig gearbeitet, was einerseits für die Beachtung der Bevölkerung für die jesuitische Volksmission und deren Bedeutung im 18. Jahrhundert allgemein spricht, andererseits aber auch das Bedürfnis der Dorfbevölkerung nach Repräsentation widerspiegelt, wollte man doch eben das schönste und ein bedeutungsvolles Kreuz im Vergleich mit den anderen Dörfern vorweisen können. Die Missionskreuze wurden am Ende der viertägigen, später acht- bis sogar vierzehntätigen Volksmissionen aufgestellt und eingesegnet. Die dienten anschließend als Andachts- und Gebetsstätte. Nach der ersten Volksmission von 1736 hielten die Patres der Gesellschaft Jesu im 18. Jahrhundert noch weitere fünf Missionen in Rockeskyll ab (1746, 1750, 1751, 1755, 1762). Die Jesuitenniederlassung in Münstereifel konnte seit Beginn des 18. Jahrhunderts ihre Missionsreisen unabhängig durchführen, da sie durch eine geistliche Stiftung finanziell abgesichert waren. Insofern waren sie auch nicht auf Almosen oder Spenden der Bevölkerung angewiesen und konnte daher ungebunden ihre Methode der Katechese, die des Franz Xaver, durchführen; denn in früheren Zeiten konnten Büß- und Bettelprediger recht unangenehm werden. Unabhängig blieben die Missionsprediger des Jesuitenordens auch von den katechetischen Ansichten, Methoden und Fähigkeiten der Pfarrherren, die nicht alle das Missionswesen der Societas Jesu befürworteten. Das Generalvikariat in Köln wies daher auf besondere Anweisung des Kölner Erzbischofs die Ortspfarrer ausdrücklich an, die Volksmissionare geistlich zu unterstützen. So quartierten sich die, meistens zwei, Missionsprediger nicht im Pfarrhaus ein, sondern kamen bei den Dorfbewohnern unter. Der Sinn der Missionen bestand darin, die Bevölkerung nach der Reformationszeit und besonders nach dem verheerenden Dreißigjährigen Krieg zu den Inhalten und der Glaubenslehre der katholischen Kirche im Sinne der Gegenreformation zu führen. Andachten, Predigten - oft stundenlang -, Beichtehören, Hinführen zur Erstkommunion gehörten zum inhaltlichen Bestand der Missionen. Dabei übernahmen die Jesuitenpatres von 1732 an die sogenannte Segneri-Methode aus Italien, die besonders die Gefühle der Dorfbevölkerung ansprach. Geistliche Darbietungen auf einem Theater, auch das öffentliche Geißeln, lange und beschwerliche Bußprozessionen zu anderen Dörfern hin und von anderen her, versetzten die Menschen in eine fast ekstatische Frömmigkeit und Bußfertigkeit. Nicht selten wurden daraufhin Generalbeichten abgelegt. Mit dem Aufkommen der Geisteshaltung der Aufklärungszeit allerdings, die die vernunftbetonte Orientierung des Denkens möglich machte und bis heute nachhaltig wirkt, sollten die Volksmissionen im Rheinland wieder in einem eher relativ vernünftigen Maß abgehalten werden. Rockeskyll besuchten die Münstereifeler Volksmissionare 1736 als erste Pfarrei in ihrem weiteren Umkreis. 1741 folgte in Sarresdorf bei Gerolstein die Mission, 1746 in Hillesheim und Rockeskyll, 1750 wieder in Sarresdorf und Rockeskyll, 1761 in Gerolstein, 1768 mit Unterstützung der Augustiner in Hillesheim und zuletzt 1772 in Sarresdorf und Gerolstein. Mit der Auflösung des Jesuitenordens, den Ignatius von Loyaloa 1534 gegründet hatte und der durch Papst Pius III 1540 bestätigt worden war, im Jahre 1773 wiederum durch einen Papst, Klemens XIV, endete denn auch die Mission dieser Prediger in der Eifel. [...]

Einordnung

Kategorie:
Bau- und Kunstdenkmale / Sakralbauten / Bildstöcke und Kreuzwegstationen
Zeit:
1736
Epoche:
Barock / Rokoko

Lage

Geographische Koordinaten (WGS 1984) in Dezimalgrad:
lon:   6.695149
lat: 50.254672
Lagequalität der Koordinaten: Genau
Flurname: Ortslage

Internet

http://www.rockeskyll.de/

Datenquelle

Bruno Ockenfels (Rockeskyll / Köln): Kulturdenkmäler in Rockeskyll. Jahrbuch Vulkaneifel, 2000. http://www.jahrbuch-daun.de/

Bildquellen

Stand

Letzte Bearbeitung: 21.10.2009

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