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In der Schinheck und Schafgraben

Kordel, Gemeinde Kordel

Beschreibung

Flur 1 bildet den nördlichsten Bestandteil der Gemarkung. Der Riedbach, der ostwärts der Kyll die Gemarkungsgrenze bildet, teilt Winterbach bei seiner Mündung in die Kyll. Die Grenze verläuft dann in der Mitte der Kyll nordwärts an der Deimlinger Mühle vorbei bis zur Schwarzley, einem in die Kyll abfallenden Felsen. Die Flurkarte verzeichnet in Flur l folgende Aufteilung: Auf der Schwarzley, Ober der Schwarzley, In der Schinheck, Im Schafgraben, Im Glücksberg, Auf dem Geienmann, Im Neuenberg, Hinter dem Wehr, Im Brückenfeld, Ober dem Acken, Auf dem Hüwel, Im Ackenfeld. "Ober der Schwarzley" - dem dunklen Felsen - reicht das nach ihm benannte Waldgelände an die Steinbrüche der Kreiskaul heran. Nach Süden schließt sich im steilen Kyllberghang die Schinheck an. "Schinheck" soll nicht etwa ein besonders schönes Waldstück bezeichnen, sondern einen auffallenden röhrenartigen Einschnitt in den Berghang, nördlich von Deimlingen. Der Begriff ist vom Röhrenknochen des "Schienbeins" gebildet. In "Schafgraben" und "Glücksberg" weiter kyllabwärts klingt wahrscheinlich noch die mittelalterliche Vergünstigung der Bauersleute von Hofweiler nach, vom Tag Martini, dem 11. November, bis Gertrudis, dem 17. März, die Schafe und das übrige Vieh diese Senke herab in die Niederung des Kylltales treiben zu dürfen. Für den "Geienmann" haben die Kordeler eine eigene Deutung. Dem Berghang hing von jeher etwas Geisterhaftes, Unheimliches an. Recht geeignet, in den alten Spinnstuben des Dorfes die Phantasie anzuregen und aus dem windumrauschten Berg einen Geistergeiger zu machen. Die Version deckt sich nicht mit der Auslegung von W. Jungandreas, der den Begriff "Geien" von "geichen - jeuchen - juger" ableitet, was lateinisch Morgen-Land heißt. Wir indessen können uns den Geienmann kaum als brauchbares Ackerland vorstellen. Noch rätselhafter erscheint uns heute, was W. Jungandreas über den Neuenberg ausführt, wenn er ihn als "verbreiteten Wingertsnamen bei Winterbach an der Kyll" bezeichnet Er stützt sich dabei auf gleiche Umwandlungsvorgänge in den Moselbergen, an denen dann der Name Neuberg, oder ähnlich klingend, hängen geblieben ist. Es liegt auch bei uns angezeigt, daß der Berghang in weiter Ausdehnung ehedem gerodet worden ist und dann einem neuen Anbauzweck gedient hat. Auch die Deutung von "Geienmann" gewinnt dann bei W. Jungandreas an Glaubwürdigkeit Nun, der Vorgang führt uns in ungeahnte Tiefen der vergangenen Kordeler Zeit und Geschichte zurück. Das Besitz- und Einkommensverzeichnis des Erzbischofs von Trier, das "Liberiurium annalium", verzeichnet in Kordel um das Jahr 1215 noch keine Weinberge. Sie müßten später im Neuenberg entstanden sein. Die Glashütte auf der Hochmark hat indessen noch an die 200 Jahre lang jede Menge Holz und dessen Verbrennungsprodukte benötigt, die ihr von der Abholzung des Neuenberges relativ leicht über den nahen Kyllübergang Citräa und das Samabachtal hat zugebracht werden können. Man kann versucht sein, den Neuenberg noch mit Himmerods Besitz in Verbindung zu bringen, wovon E. Lichter in "Welschbillig und Umgebung" spricht. Es kann sich bei einer neuen Bepflanzung des Neuenberges höchstwahrscheinlich auch nur um Wingerte gehandelt haben. Der Anbau der Weintraube nahm bei dem reichlichen Bedarf der Klöster und Kirchen an Wein bis in den hohen Norden hinein und, in uns unmöglich erscheinenden Lagen, eine bevorrechtigte Stellung ein. Auch der Neuenberg war, wie die Moselberge, für Wingerte nicht zu steil. Übrigens gab es in Kordel, natürlich nicht mehr in einem zeitlichen Zusammenhang mit unserem Neuenberg, noch bis in die ersten Jahrzehnte unseres Jahrhunderts hinein Weinberge im Fronholzberg, auf dem Dalien, und ausgedehntere gehörten zum Kimmlinger Hof. Den schmalen verbleibenden Landstreifen zwischen der Kyll und dem aufgehenden Berg füllen bei Deimlingen aus die Flurteilchen "Hinter dem Wehr", "Im Brückenfeld", "Ober dem Acken", "Im Ackenfeld". Ein Zeichen, daß die kleinste brauchbare Bodenfläche nicht ungenutzt liegen blieb. Den Abschluß der Flur l bildet "Auf dem Hüwel" (Hügel]. Es ist dies der vorspringende Hügel, durch den der Einschnitt der Eisenbahn geführt ist. Am Fuße des Hügels stand bis Vorjahren ein bescheidenes Haus, das dem Schrankenwärter und seiner Familie als Wohnsitz gedient hat. [1]

Einordnung

Kategorie:
Geschichte / Ortsname / Ortsgeschichte / Flurnamen
Zeit:
Undatiert
Epoche:
Undatiert

Lage

Geographische Koordinaten (WGS 1984) in Dezimalgrad:
lon:   6.641923
lat: 49.86277
Lagequalität der Koordinaten: Genau
Flurname: In der Schinheck und Schafgraben

Internet

http://gemeinde-kordel.de/

Datenquelle

[1] Anton Obser: Kordel. Geschichte der Kylltalgemeinde. Hrsg. Ortsgemeinde Kordel, 1982.

Bildquellen

1 Bild: Google Earth

Stand

Letzte Bearbeitung: 03.06.2015

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