Datenbank der Kulturgüter
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Schnadegang-Stein

Kordel, Gemeinde Kordel

Beschreibung

Die Grenzkonturen auf dem Stein zeigen die Flur 32 zwischen der ehemaligen US-Base, dem Fernseh-Umsetzer der Post und der Ortslage Kordel. 1988 errichtet durch den den Besitzer der Flur, Herrn Hutter, der diese Tradition des Schnadegangs wohl aus seiner westfälischen Heimat in die Südeifel mitbrachte. [1] Der Schnadegang, mitunter auch Schnadezug, Schnatgang, in Hessen auch Grenzgang oder Grenzegang genannt, ist in zahlreichen Gemeinden, vor allem in Westfalen und Hessen sowie in der Stadt Osnabrück (Niedersachsen) ein wiederbelebter alter oder seit Jahrhunderten bestehender Brauch der Grenzbegehung. "Schnade", niederdeutsch auch "Snat" oder "Schnaot", ist verwandt mit "Schneise" und bedeutet Grenze. Zurückzuführen sind die Rundgänge auf Streitigkeiten der Orte wegen angeblicher oder tatsächlicher Grenzverschiebungen. Früher dienten Waldschneisen, Bäche, Hecken oder Gräben als Grenzmarkierung. Bis zum 17. Jahrhundert dienten zur Markierung auch eigens gepflanzte Bäume, in die man mit der Axt ein Kreuz hineinschlug, dann ging man zur Verwendung von Grenzsteinen (Hütesteinen) über. Diese bestehen häufig aus einem anderen Material als die Gesteine aus der Umgebung, damit man die Grenzsteine besser von den natürlichen Steinen unterscheiden kann. Um die Korrektheit der Gemeindegrenze zu kontrollieren, die Grenzmarkierungen freizuschneiden und den neuen Bürgern die Kenntnis über den Verlauf der Grenzen zu vermitteln, fand anfangs eine amtliche Grenzbegehung statt, die dann alle ein oder zwei Jahre wiederholt wurde und mit der Zeit zu einem Volksfest mit teilweise bis zu mehreren 10.000 Besuchern wurde, so zum Beispiel in Asbeck (Münsterland), Bad Sassendorf, Biedenkopf, Brilon, Buchenau (Lahn), Herdecke, Dorfwelver, Ense, Goßfelden, Arnsberg, Neheim-Hüsten (Arnsberg), Meschede, Moritzberg (Hildesheim), Warstein, Wetter, Wickede (Ruhr) und Wollmar. In Neuenrade im märkischen Kreis ist ein Schnadegang von 1450 schriftlich überliefert. Vielerots wurde und wird der Schnadegang zum Anlass genommen, Neubürger der Stadt zu "poaläsen". Dabei wird der zu "Poaläsende" von einigen Schnadgängern ("Schnadloipers") angehoben und über einen Grenzstein gehalten. Dann wird sein Hinterteil ("Ääs") auf den Stein ("Poal") mehrmals aufgetitscht. Damit soll dem Neubürger der Standort des Grenzsteins nachhaltig bewusst gemacht werden. Gepoaläste Gemeindemitglieder werden "Poalbürger" (Alteingesessene) genannt. Der Gepoaläste revanchiert sich für die Aufnahme in die Gemeinde mit einer Getränkespende am nächstgelegenen Rastplatz des Schnadegangs. Nach der Einführung des Grundsteuerkatasters wurden sie in einer Verfügung des preußischen Innenministeriums vom 6. Juli 1817 für nicht mehr notwendig erklärt. Im "Amtsblatt der Königlichen Regierung zu Arnsberg" vom 3. Februar 1841 wurde der Schnadegang schließlich verboten: "Die an einigen Orten noch üblichen Grenz- und Schnadenzüge haben in der neueren Zeit, zur Verübung mehrerer grober Exzesse Veranlassung gegeben. Da derartige Züge in der jetzigen Zeit keinen Nutzen mehr gewähren, weil bei der vollendeten Katastrirung des Grund und Bodens eine Verdunklung der Grenzen nicht leicht möglich ist, eintretendenfalls aber ohne Theilnahme der einzelnen Gemeindeglieder von den Behörden gehoben werden kann, so werden diese bisher an einigen Orten noch übliche Grenzzüge, in Folge Bestimmung des Königlichen Ministerium des Innern und der Polizei ganz untersagt, und sämmtliche Ortsbehörden sowie die Königlichen Landräthe unseres Bezirks hiedurch angewiesen, Niemanden zur Veranstaltung eines Grenzzuges, welcher die Begehung einer Jagd-, Gemarkungs- oder Gemeindegrenze durch die Gemeindeglieder oder sonstiger bei Feststellung der Grenzen nicht interessirter Personen zum Zweck hat, die Erlaubnis zu ertheilen." So geriet im preußischen Staat der Brauch des Schnadezuges vielerorts in Vergessenheit. [2]

Einordnung

Ersteller, Baumeister, Architekt, Künstler:
Hutter
Kategorie:
Bau- und Kunstdenkmale / Marken und Male / Vermessung
Zeit:
1988
Epoche:
20. Jahrhundert

Lage

Geographische Koordinaten (WGS 1984) in Dezimalgrad:
lon:   6.636591
lat: 49.832834
Lagequalität der Koordinaten: Genau
Flurname: Auf dem Butzerberg

Internet

http://gemeinde-kordel.de/

Datenquelle

[1] Hans Wagner, Kordel. [2] Seite "Schnadegang". In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 28. Juni 2010, 11:11 UTC. URL: http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Schnadegang&oldid=76079690 (Abgerufen: 21. August 2010, 12:16 UTC)

Bildquellen

1 Bild: © Peter Valerius, Kordel, 2015.
2 Bild: © Peter Valerius, Kordel, 2015.
3 Bild: © Peter Valerius, Kordel, 2015.
4 Bild: © Peter Valerius, Kordel, 2015.
5 Bild: © Peter Valerius, Kordel, 2015.
6 Bild: © Peter Valerius, Kordel, 2015.

Stand

Letzte Bearbeitung: 07.09.2015

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