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Ehemaliger Steinmetzbetrieb Schaffner

Kordel, Gemeinde Kordel
Ramsteiner Weg 2

Beschreibung

Johann Schaffner aus Saarburg, war seit 1885 in Kordel ansässig. [...] Um so mehr war Josef Schaffner bestrebt, seinen Betrieb wieder leistungsfähig aufzubauen. Seinen Steinbruch hatte Schaffner schon Jahre vor dem Krieg auf den Steinkopf verlegt. Erwähnenswerte Bauten, für die Schaffner schon vor dem Krieg die Bausteine und das Hauwerk geliefert hat, sind unter anderem: die Pfaffendorfer Kirche, die Sankt-Josef Kirche in Köln, das Kloster Clerf in Luxemburg und anderes mehr. Noch vor dem zweiten Weltkrieg hatte Schaffner 75 Leute un Kordel einschließlich in nahen Dörfern kyllaufwärts beschäftigt. Interessanterweise ist ein Zeugnis des Kölner Dombaumeisters aus dem Frühjahr 1914 erhalten, in welchem der Firma Josef Schaffner die Güte der Kordeler Sandsteine rühmlich bewertet wird. [1] KYLLTAL-SANDSTEIN. In der Ortsmitte von Auw an der Kyll steht der schöne Dorfbrunnen. Sein Aufbau besteht aus mehreren Schleifsteinen aus heimischem Buntsandstein. Der Brunnen an der Stelle der abgerissenen "alten Schule" erinnert an die vor 100 Jahren im unteren Kylltal blühende Sandsteinindustrie. Auch in den Steinbrüchen um Auw, im Hostener ("Riichtberg") und im Preister Berg herrschte um 1900 Hochbetrieb. Außer Hauwerk für Fenster- und Türgewände und behauene Steine für öffentliche Gebäude und Kirchen wurden vor allem Schleifsteine hergestellt, für die in den Industriebetrieben an Rhein und Ruhr großer Bedarf bestand. Die 1870/71 gebaute Eisenbahn durch das Kylltal löste das Transportproblem. Auch auf dem Auwer Bahnhof wurden Schleifsteine und Hauwerk in großen Mengen verladen. Erst nach 1855 hatte sich allmählich die hiesige Sandsteinindustrie entwickelt. Sie eröffnete der armen Bevölkerung neben der Landwirtschaft eine neue Verdienstmöglichkeit. Zum wichtigen Zentrum des Sandsteinabbaus im Kylltal stieg Kordel auf. Als für den Eisenbahnbau 1870/71 ungeheure Mengen an Bausteinen gebraucht wurden, expandierte das Steinmetzgewerbe im ganzen unteren Kylltal. Allein auf der 40 km langen Strecke zwischen Ehrang und Kyllburg mussten 10 Tunnels und 44 Brücken (Viadukte) gebaut werden. Alle Bahnhöfe wurden aus sauber behauenem Kylltal-Sandstein errichtet. Die Zahl der in der Sandsteinverarbeitung beschäftigten Arbeiter betrug allein in Kordel um 1900 an die 700. Auch Männer aus den Dörfern der Pfarrei Auw fanden dort Arbeit und Brot. So arbeitete beispielsweise der Bruder des aus Preist stammenden Priesters Peter Heinz († 1901; vgl. St-Elisabeth-Bote 37/2009) in Kordel bei der Steinmetzfirma Johann Schaffner. Möglicherweise hat er dort Steine gemeißelt, die später am Kölner Dom verbaut wurden. Denn nachweislich wurde Sandsteinhauwerk aus dem Kylltal für die Fertigstellung des Kölner Doms und sogar am Reichstagsgebäude in Berlin verwendet. Der Kölner Domherr Statz lobte 1914 in einem Schreiben an die Firma Schaffner in Kordel die Güte des Sandsteins aus dem unteren Kylltal. Es sind Aufzeichnungen erhalten, die belegen, für welche Bauten in weit entfernten Städten und Ortschaften die Kordeler Firma Schaffner um 1900 behauene Sandsteine geliefert hat. Hier eine beispielhafte Auswahl: 1889 Marienkirche in Bonn, 1890 Dompropstei und Posthausneubau in Köln, 1891 Landratsamt in Mayen und Kirche in Wesseling/Rhein, 1892 Kirche in Herkenrath, Post in Aachen, Konvikt in Neuß, 1893 Kirche in Krefeld, 1895 Bankhaus in Köln, 1896 Kirche von Bingen/Rhein und Schule in Münstermaifeld, 1898 Rathaus in Duisburg und Schule in Mühlheim/Ruhr sowie Kirche in Zülpich, 1900 Schule in Düsseldorf, Kirche in Wülfrath und Amtsgericht in Viersen, 1901 Landgericht in Bonn, 1902 Stadthaus von Kleve, Kirche von Birgel und von Koblenz-Pfaffendorf usw. Der Erste Weltkrieg (1914-1918) bedeutete das Ende der Sandsteinindustrie in großem Stil. Nur wenige kleinere Betriebe überlebten. Der Abbau des Buntsandsteins hatte nicht nur bares Geld in viele arme Häuser gebracht. Die staubreiche Arbeit machte Durst und verursachte Alkoholprobleme. Die harte Arbeit in Wind und Wetter hatte bei vielen Steinbruch- und Steinmetzarbeitern auch schwere gesundheitliche Folgen. Staublunge und Tuberkulose ließen die meisten früh sterben. Nur selten wurde ein Steinhauer älter als 55 Jahre. Der Schleifsteinbrunnen in der Ortsmitte von Auw erinnert an sie. Literatur: Anton Obser, Die Buntsandsteinindustrie im unteren Kylltal mit dem Schwerpunkt Kordel 1855-1914, in: Landeskundl. Vierteljahrsblätter 24 (1978) 88-100. [2] Die beiden ersten Fotos stellen Werkstücke für den Eingang einer Luftwaffenkaserne dar. [3]

Einordnung

Kategorie:
Bau- und Kunstdenkmale / Wirtschaft, Gewerbe und Verkehr / Rohstoffgewinnung und -verarbeitung
Zeit:
Circa 1850 bis 1920
Epoche:
Historismus / Jugendstil

Lage

Geographische Koordinaten (WGS 1984) in Dezimalgrad:
lon:   6.635036
lat: 49.837149
Lagequalität der Koordinaten: Genau
Flurname: Ortslage

Internet

http://de.wikipedia.org/wiki/Kordeler_Sandstein

Datenquelle

[1] Anton Obser: Kordel - Geschichte der Kylltalgemeinde. Hrsg. Ortsgemeinde Kordel 1982 [2] http://www.auw-an-der-kyll.de/st-elisabeth-bote/Elisabeth-Bote%203-2010.pdf [3] Richard Schaffner, Kordel, 2015.

Bildquellen

1 Bild: Sammlung Richard Schaffner, Kordel, 2015.
2 Bild: Sammlung Richard Schaffner, Kordel, 2015.
3 Bild: © Peter Valerius, Kordel, 2010.
4 Bild: © Peter Valerius, Kordel, 2010.
5 Bild: © Peter Valerius, Kordel, 2010.
6 Bild: © Peter Valerius, Kordel, 2015. [Werkzeugsammlung Franz Roth, Kordel]

Stand

Letzte Bearbeitung: 20.08.2015

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