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Gedenktafel für Hans Eiden

Nord, Gemeinde Trier
Engelstraße 20

Beschreibung

Inschrift: HANS EIDEN 1901-1950 LAGERÄLTESTER IM KZ BUCHENWALD KOMMUNISTISCHER WIDERSTANDSKÄMPFER WURDE HIER GEBOREN Heute [6. Dezember 2010 Anm. d. Red.] vor 60 Jahren starb Hans Eiden. Der Kommunist zählte während der Zeit des Nationalsozialismus zum aktiven Widerstand gegen das Hitler-Regime. 1936 wurde er wegen "Hochverrat" zu drei Jahren Zuchthaus veRuhrteilt, anschließend deportierten ihn die Faschisten ins Konzentrationslager Buchenwald bei Weimar. Eiden kehrte nach Trier zurück und wurde 1947 in den Landtag gewählt. Aus Anlass seines Todestages erinnert Thomas Zuche vom Arbeitskreis "Trier im Nationalsozialismus" der Arbeitsgemeinschaft Frieden an einen aufrechten und couragierten Sohn dieser Stadt. Unter dem Motto "Auf den Spuren von Hans Eiden" veranstaltet die AGF am Mittwochabend einen Stadtrundgang. Es gibt sie noch, die Hans-Eiden-Straße – in Weimar. Ansonsten ist es sehr ruhig geworden um das Andenken an diesen mutigen Trierer Bürger – in Weimar und in Trier. Hans Eiden war Mitglied einer kommunistischen Widerstandsgruppe in der Zeit der Hitler-Herrschaft. Das brachte ihn ins Konzentrationslager Buchenwald. Dort übernahm er die gleichermaßen gefährliche und wichtige Funktion eines "Lagerältesten". Er war von der SS eingesetzt, um deren Befehle durchzusetzen, nutzte diese Stellung aber vielfach zum Schutz seiner Mitgefangenen. Aus Anerkennung um diese Verdienste wurden zur DDR-Zeit eine Straße und eine Schule in Weimar nach ihm benannt. Im Zuge der Städtepartnerschaft mit Weimar wurde Hans Eiden endlich auch in Trier förmlich "wiederentdeckt". So widmete ihm der damalige Oberbürgermeister Felix Zimmermann beim Festakt zur Unterzeichnung der Städtepartnerschaft im Theater der Stadt Trier im September 1987 eine sehr ausführliche Passage. 1988 stiftete die Stadtratsfraktion der Grünen einen Hans-Eiden-Preis, der jene stärken sollte, die sich für demokratische Entwicklungen quer zur herrschenden Meinung einsetzten. Ein Jahr später setzten sich mehrere Leserbriefschreiber im Trierischen Volksfreund für eine öffentliche Ehrung Eidens in seiner Heimatstadt ein – unter ihnen auch der heutige OB Klaus Jensen im Namen der Arbeitsgemeinschaft Frieden (AGF). Es dauerte noch weitere sechs Jahre, bis die Stadt Trier Hans Eiden mit einer Gedenkveranstaltung würdigte und schließlich eine Gedenktafel an der Stelle seines Geburtshauses in der Engelstraße anbrachte. 2001 nahm die AGF einen "Rundgang auf den Spuren von Hans Eiden" ins Programm ihrer Stadtführungen auf, dann wurde es wieder still um den couragierten Mann aus Trier. Eine Anfrage in Weimar brachte nun die Mitteilung, dass die dortige Hans-Eiden-Schule nicht mehr existiert. Die Schule zog 1990 in ein neues Domizil um. Die Schulleitung wollte den Namen mitnehmen, wurde aber vom Schulverwaltungsamt Weimar beschieden, dass der Name an das alte Schulgebäude in der Belvederer Allee gebunden sei. Dieses Gebäude wurde seither von einer Förderschule für geistig Behinderte genutzt, aber auch nicht mehr unter dem Namen von Hans Eiden. Sie heißt heute Johannes-Landenberger-Schule. Das Andenken an Hans Eiden – ein Opfer der Wendezeit? Seit 1996 gibt es auch den Hans-Eiden-Preis der Trierer Grünen nicht mehr. Der Rundgang der AGF fand nur einmal statt und wurde bisher nicht wieder gebucht. Lediglich die Gedenktafel in der Engelstraße erinnert an einen Mann, der moralische Integrität und großen Mut in einer Zeit bewiesen hat, in der es andere vorzogen, wegzuschauen und sich zu ducken. Schade. [1] Im September 1939 stehen dreißig politische Häftlinge vor der Kleiderkammer des Strafge-fängnisses Wittlich. Sie sollen ihre Zivilkleider in Empfang nehmen, denn sie werden in das Konzentrationslager Buchenwald bei Weimar überführt. Unter ihnen ist Hans Eiden, Mitglied der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD), von Beruf Dreher, seit 1932 politischer Stützpunktleiter des "Kampfbundes gegen den Faschismus" in Trier-Nord. Vom l. März bis 17. Mai 1933 war Eiden bereits in "Schutzhaft" genommen worden, die er im Gestapo-Gefängnis in Trier-West verbracht hatte. Im Dezember 1936 wird er gemeinsam mit Willi und Aurelia Torgau und weiteren 34 zumeist kommunistischen Angehörigen einer Trierer Widerstandsgruppe wegen "Vorbereitung zum Hochverrat" zu mehreren Jahren Zuchthaus veRuhrteilt. 1939 ist seine Haftzeit eigentlich zu Ende. Doch wie viele andere Verfolgte wird Eiden sofort wieder verhaftet und ohne Gerichtsurteil in ein KZ verschleppt. In Buchenwald erhalten die Häftlinge Nummern, die fortan an die Stelle ihres Namens treten. Eiden wird zur Nummer 6222. Im KZ erfährt er, dass es eine illegale Lagerorganisation gibt, die vor allem von Kommunisten getragen wird. Dieser Geheimorganisation gelingt es trotz des Spitzelapparates der SS, Mithäftlinge vor der Ermordung zu retten und Waffen aus den Rüstungswerken ins Lager zu schmuggeln. Ende 1944 wird Hans Eiden "Lagerältester l" und steht damit allen Häftlingen vor. Er sieht seine Hauptaufgabe in der Verbesserung ihrer Lebensumstände. Im April 1945, als die Amerikaner immer näher rücken, kommt es zur Konfrontation: Als die SS-Lagerleitung alle Juden zum Abmarsch ans Tor befiehlt, gibt die illegale Organisation die Losung aus, dass niemand das Lager verlassen soll. Der größte Teil der Juden wird von Kameraden in den Blocks für Nichtjuden versteckt. 3.000 können gerettet werden. Als am 11. April die ersten amerikanischen Panzer auftauchen, gibt die Leitung der illegalen Lagerorganisation die Waffen frei und befiehlt den Sturm auf die verbliebenen SS-Männer. Eiden verhindert, dass die gefangenen SS-Schergen gelyncht werden. Tief bewegt verkündet er über den Lager-Lautsprecher: "Kameraden! Die Faschisten sind geflohen. Ein internationales Lagerkomitee hat die Macht übernommen!" 21.000 Insassen des KZs sind gerettet und frei. Hans Eiden kehrt nach Trier zurück. Er wird Erster Sekretär des KPD-Kreisvorstandes und arbeitet bis September 1946 als kommunaler Beirat für die KPD. Als Abgeordneter zieht er 1947 in den rheinland-pfälzischen Landtag, wo er vor allem für soziale Belange eintritt und den Petitionsausschuss leitet. Ein Jahr später wird er wegen angeblicher Kontakte seiner Lebensgefährtin, Margareta Straubing, zum französischen Geheimdienst aus der Partei ausgeschlossen. Hans Eiden stirbt im Alter von 49 Jahren am 6. Dezember 1950 an den Spätfolgen der KZ-Haft. In der Todesanzeige im "Trierischen Volksfreund" heißt es: "Er war es, dessen besonnener Mut, dessen unbeugsame Entschlossenheit viele Zehntausende von Buchenwald-Häftlingen ihr Leben verdanken." Am 6. Dezember 1995 würdigte die Stadt Trier diesen mutigen Mann mit einem Gedenkstein vor seinem Geburtshaus in der Engelstraße. Die Stadt Weimar hat eine Schule nach seinem Namen benannt. [2]

Einordnung

Kategorie:
Bau- und Kunstdenkmale / Marken und Male / Ohne
Zeit:
1995
Epoche:
20. Jahrhundert

Lage

Geographische Koordinaten (WGS 1984) in Dezimalgrad:
lon:   6.64454
lat: 49.761841
Lagequalität der Koordinaten: Genau
Flurname: Ortslage

Internet

http://de.wikipedia.org/wiki/Trier-Nord

Datenquelle

[1] Thomas Zuche: http://www.16vor.de/index.php/2010/12/06/gedenken-an-einen-mutigen-trierer/ [2] Stattführer Trier im Nationalsozialismus, 3. Auflage Trier 2005, S. 134-135 http://www.mahnmal-trier.de/Personen/eiden.htm

Bildquellen

1 Bild: © Peter Valerius, Kordel, 2011.
2 Bild: © Peter Valerius, Kordel, 2011.
3 Bild: © Peter Valerius, Kordel, 2011.
4 Bild: © Peter Valerius, Kordel, 2011.
5 Bild: © Peter Valerius, Kordel, 2011.

Stand

Letzte Bearbeitung: 14.05.2011

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