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Römisches Wohnhaus unter der ehem. Villa Schaab

Süd, Gemeinde Trier
Südallee 3

Beschreibung

Beim Ausschachten der Baugrube für den Weinkeller unter der Villa Schaab - Fläche 2.000 m², Tiefe 10 Meter - wurden die Grundmauern eines großen römischen Wohnhauses freigelegt. Es war im 1. Jahrhundert n. Chr. erbaut worden - so lautete der Befund -, also nicht lange nach Gründung der Stadt Trier. Denn Trier ist wahrscheinlich in der Regierungszeit des Kaisers Augustus (27 v. Chr. bis 15 n. Chr.) gegründet worden, der Name "Augusta Treverorum" weist darauf hin. Die Gründung hängt aufs engste mit der damaligen Funktion der Stadt zusammen: Zentrale der Romanisierung und Hauptetappenort für die Offensive der Römer am Rhein. Mit zunehmender Bedeutung als Verwaltungszentrum und Handelsplatz an der Fernstraße Lyon - Metz - Trier zum Rhein und von Trier nach Reims und schließlich als kaiserliche Residenz, erreichte Trier gegen Ende des 4. Jahrhunderts mit 50.000 bis 60.000 Einwohnern seine bis dahin größte Ausdehnung. 390 n. Chr. verließ der römische Kaiser Valentinian II. die Stadt. Von nun an verlor Trier zusehends an Bedeutung: Trier wurde in der Folgezeit mehrfach von den Franken erobert, geplündert und zerstört. Die Einwohnerzahl sank auf 2.000 bis 3.000 Menschen. Die großen römischen Bauten, beispielsweise die Kaiserthermen, waren zum Teil zerstört; manche dienten als Steinbruch. Das gilt auch für die Insula gegenüber den Kaiserthermen. Auf den Ruinen des römischen Wohnhauses wuchs das Gras. Bis ins 19. Jahrhundert hinein wurde das Land jenseits der mittelalterlichen Stadtmauer nicht mehr bebaut, sondern nur landwirtschaftlich genutzt. Die "Vereinigten Hospitien" beispielsweise nutzten ihr 4.520 m² großes Grundstück gegenüber den Kaiserthermen bis 1895 als Weideland. 1868 legte der Blaudrucker Joseph Schaab auf dem 17.100 m² großen Gelände an der Südallee gegenüber den Kaiserthermen, dort wo heute das verlassene Polizeipräsidium steht, den Grundstein für eine neue, hochmoderne Blaudruckfabrik. Später kam ein bedeutender Weingroßhandel hinzu. Als man 1895 beim Ausschachten der Baugrube für einen Weinkeller das römische Wohnhaus entdeckte, ließ Joseph Schaab die Bauarbeiten sofort unterbrechen. Er duldete die archäologischen Ausgrabungen nicht nur, sondern er förderte sie, räumte ihnen Vorrang ein und nahm Bauverzögerungen geduldig in Kauf. Auf Seiten des Provinzialmuseums (heute Rheinisches Landesmuseum Trier) leitete August Ebertz, Architekt und Museumsassistent, die Ausgrabung. Schriftliche Einträge in Skizzenbüchern, zahlreiche Zeichnungen, Schnitte und ein Grundriss im Maßstab 1:100 mit Raumnummerierung sowie zahlreiche historische Fotoaufnahmen stellten eine für damalige Verhältnisse sehr genaue Dokumentation dar. Zusammen mit den Grabungsfunden wurde sie dem Provinzialmuseum übergeben. Bereits kurz nach der Ausgrabung präsentierte das Museum dem interessierten Publikum zwei Gipsmodelle des archäologischen Befundes. Man erreichte das römische Wohnhaus von der Südallee über eine "Römerstraße", die senkrecht zur Südallee, parallel zum "Schaabs Gässchen", wenige Meter östlich des Haupteingangs des (ehemaligen) Polizeipräsidiums in Nord-Süd-Richtung verlief. Im Gipsmodell sind an dieser "Römerstraße" die Fundamente einiger Pfeiler zu sehen. Dabei handelt es sich hier nicht um die Fundamente hölzerner Arkadenstützen, sondern um Stützen aus Stein, wie sie für einen Säulengang verwendet wurden. Damit steht die Lage des römischen Wohnhauses fest: es lag an der Nord-Ost-Ecke seiner Insula und diese an der Ecke Südallee-"Römerstraße". Das römische Wohnhaus war deutlich größer als die Baugrube für den Gewölbekeller unter der Villa Schaab, also über 2.000 m²groß. Die genauen Abmessungen sind nicht bekannt. Das Haus war teilweise unterkellert, verfügte über eine Fußbodenheizung in mehreren Zimmern und eine eigene Badeanlage mit Apoditerium, Tepidarium, Caldarium und Frigidarium. Es fanden sich Reste der Infrastruktur wie Wasserleitungen und Kanäle. Die präzise dokumentierten Details lassen sowohl Rückschlüsse auf den technischen Stand der Infrastruktur als auch auf die Anbindung an das städtische Wasserversorgungs- und Entsorgungssystem zu. Mosaikböden, Wandmalereien, Skulpturen und beispielsweise auch ein Spruchbecher weisen auf eine bemerkenswert reiche Ausstattung hin. Die zugehörige 10.000 m² große Insula war begrenzt im Norden durch die Südallee, im Osten durch die "Römerstraße", im Süden durch eine Parallelstraße zur Südallee, 100 Meter weiter südlich auf halbem Wege zur Karthäuserstraße, und im Westen durch die Verlängerung der Weberbachstraße nach Süden durch das heutige Hallenbad hindurch. Nur etwa ein Fünftel der Grundfläche dieser Insula war erforscht und dokumentiert. Vier Fünftel waren noch gar nicht oder nur lückenhaft erforscht, und zwar die Flächen südlich der Villa Schaab und die Flächen westlich, jenseits "Schaabs Gässchen", auf dem Stadtbadgelände. Nach den Ausgrabungserfolgen von 1897 musste man 1930 beim Bau des Stadtbades und 1970 beim Bau des Polizeipräsidiums eigentlich besonders sorgfältig vorgehen. Merkwürdigerweise konnten aber 1970 nur "begrenzte Baureste" unter dem Polizeipräsidium aufgenommen werden. Offensichtlich hat es seinen Grund, wenn Dr. Karin Goethert, die Leiterin des Rheinischen Landesmuseum, Joseph Schaab über 100 Jahre später mit den Worten lobte: "Diese Haltung sollte modernen Investoren ein Vorbild sein." Auf Basis der Ausgrabungen unter der Villa Schaab 1895 bis 1897, beim Bau des Stadtbades 1930 und des Polizeipräsidiums 1970 wird das römische Wohnhaus und seine Einbindung in die Insula im Rahmen einer Dissertation am Fachbereich klassische Archäologie der Universität Trier in enger Zusammenarbeit mit dem Rheinischen Landesmuseum Trier vom Maja Bettina Bremen, M. A., seit 2012 untersucht. Dr. Wilhelm Schaab, Trier, 2013 Zu den Bildern: [1] Villa Schaab, 1900 bis Ende 1944. [2] Ausgrabungen 1895-1897, römisches Stadthaus aus dem 1. bis 4. Jahrhundert n. Chr. Rheinisches Landesmuseum Trier [3] Modell des römischen Stadthauses unter der Villa Schaab, erstellt 1897 im Maßstab 1:50, Rheinisches Landesmuseum Trier. Raumbenennung, Nummerierung und Beschreibung nach Hubert Krebs, Bonner Jahrbücher 103. 1 = Apodyterium [An- und Auskleideraum] 2 = Frigidarium [Abkühlraum] 3 = Tepidarium [Wärmeraum] 4 = Caldarium [Warmwasserbad] 5 = Hausgang 6 = Nicht beheizbares Zimmer non 7,5 x 5 m 7 = Korridor 8 = Rot verputzter Lichthof 9 = Großer Saal in Form eines Kreuzes 10 = Zimmer, in dem der Mosaikboden gefunden wurde 11 = Heizbares Zimmer 12 = Heizvorrichtung dieses Zimmers 13 = Hof, Boden mit Kies bedeckt 14 = Keller 15 = Keller 16 = Unheizbares Gemach 17 = Beheiztes Gemach [4] Römisches Mosaik um 225 n. Chr., P. Hoffmann, J. Hupe, K. Goethert, Katalog der römischen Mosaike, Trier, 1999, S.135. [5] Römischer Spruchbecher, S. Künzel, Die Trierer Spruchbecher-Keramik, Trier 1997.

Einordnung

Kategorie:
Archäologische Denkmale / Siedlungswesen / Siedlungen
Zeit:
1. Jahrhundert
Epoche:
Kelten- / Römerzeit

Lage

Geographische Koordinaten (WGS 1984) in Dezimalgrad:
lon:   6.64152
lat: 49.74884
Lagequalität der Koordinaten: Genau
Flurname: Ortslage

Internet

http://de.wikipedia.org/wiki/Trier-S%C3%BCd

Datenquelle

- Wilhelm Schaab unter Mitarbeit von Maja B. Bremen, In bester Lage: Das römische Wohnhaus unter der ehemaligen Villa Schaab gegenüber den Kaiserthermen, Neues Trierisches Jahrbuch 2012. - Unter Leitung von Georg Breitner und Maja B. Bremen werden derzeit die Fundstellen zur römischen Wohnarchitektur in einem archäologischen Stadtkataster erfasst: Georg Breitner und Maja B. Bremen: Römische Wohnarchitektur in Trier, In bester Lage: Das römische Wohnhaus unter der Villa Schaab in Trier, Tagungsbeitrag 2011.

Bildquellen

1 Bild: © Privatbesitz der Familie Schaab.
2 Bild: © Rheinisches Landesmuseum Trier.
3 Bild: © Rheinisches Landesmuseum Trier.
4 Bild: © Rheinisches Landesmuseum Trier.
5 Bild: © Rheinisches Landesmuseum Trier. 1999.

Stand

Letzte Bearbeitung: 07.12.2013

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