Datenbank der Kulturgüter
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Ehemalige Blaudruckfabrik Joseph Schaab

Süd, Gemeinde Trier
Südallee/An den Kaiserthermen

Beschreibung

1833 gründete Franz Schaab zusammen mit seinem Stiefvater in der Neustraße 9 eine kleine Blaufärberei mit angeschlossenem Ladengeschäft. Nach seinem Tod übernahm sein Sohn, Joseph Schaab, mit nur 21 Jahren den Betrieb. Er hatte auf seiner Wanderschaft in Frankreich die neuesten Produktionstechniken kennen gelernt und trachtete danach, Sie auch im väterlichen Unternehmen einzusetzen. Aber das Gebäude in der Neustraße war zu klein und ungeeignet für die großen Maschinen und es bot auch keine Erweiterungsmöglichkeiten. Aus diesem Grund gab er 1868 den Betrieb in der Neustraße auf und erwarb an der Südallee gegenüber den Kaiserthermen, dort wo heute das Polizeipräsidium steht, nach und nach das gesamte Gelände zwischen Südallee, Eisenbahnlinie und dem Sträßchen "An den Kaiserthermen", zusammen 17.100 m². Dort baute er eine Blaudruckfabrik mit damals neuester technischer Ausstattung - die modernste und rationellste ihrer Art in Deutschland. Nach jedem Grundstückskauf erweiterte Joseph Schaab die Kapazität seiner Blaudruckfabrik. Hinzu kam der technische Fortschritt: der Übergang von der zentralen Dampferzeugung und den Dampfmaschinen auf viele, dezentral angeordnete Elektromotoren und der Übergang von der schwerfälligen auf dem Hebelprinzip beruhenden Perrotine - Druckmaschine auf die schnelllaufenden Rouleaux - Rotationsdruckmaschine. 1897 gelang der BASF erstmals die synthetische Herstellung des Indigo Farbstoffes zu einem günstigen Preis. Jetzt konnte man nicht nur blaue sondern auch bunte Stoffe kostengünstig drucken. Die Blaudruckfabrik Schaab färbte für das Inland Arbeitskleidung, Kleider und Schürzen aus groben oder feinen Leinen-, Nessel- oder Baumwollstoffen. Daneben spielte der Export nach Übersee in die damaligen deutschen Kolonialgebiete in Afrika und bis nach Indien und China eine herausragende Rolle. In den Kellergeschossen seiner Fabrik richtete Joseph Schaab einen Weinhandel ein – sein "zweites Standbein". Nach der Jahrhundertwende wurde der Weinhandel ausschlaggebend für den Erfolg der Firma. Weine der Firma Joseph Schaab wurden auf der Weltausstellung 1912 in Wien mit der Goldmedaille, dem Staatspreis und dem Ehrendiplom ausgezeichnet. Auf dem zuletzt gekauften Grundstück - direkt an der Ecke Südallee, "Schaabs Gässchen", vor der Blaudruckfabrik - plante Joseph Schaab seine Villa. Aber Joseph Schaab wäre nicht er selbst gewesen, wenn er das Baugrundstück nur für seine privaten Zwecke genutzt hätte. Der Weinhandel brauchte einen besseren und größeren Fasskeller als den jetzigen: einen richtigen Gewölbekeller tief unter der Erde, dort, wo es immer gleichmäßig kühl ist. Seine Villa konnte auch über dem Weinkeller stehen. Das neu erworbene Grundstück wurde auf einer Fläche von etwa 2000 m² 10Metertief ausgehoben - 60.000 m³ Aushub. Als dieser Gewölbekeller fertig gestellt war, befand sich an der Südallee einer der größten Weinkeller Triers: Kapazität 2.000 Fuder. Über dem Weinkeller entstand die Villa Schaab, ein viergeschossiges repräsentatives Doppelhaus auf einer Grundfläche von über 420 m. Hinter der Villa wurde ein kleiner aber feiner Park mit Springbrunnen und exotischen Bäumen angelegt. Beim Ausschachten der Baugrube für den Gewölbekeller unter der Villa Schaab wurden die Grundmauern eines großen römischen Wohnhauses aus dem ersten bis vierten Jahrhundert n. Chr. freigelegt. Um 1900 beschäftigte Joseph Schaab etwa 300 Mitarbeiter und zählte zu den reichsten Bürgern Triers. Er war stolz darauf, einer der größten Steuerzahler zu sein. Bei Ausbruch des Ersten Weltkrieges wurde die Blaudruckfabrik geschlossen. Die Auslandsmärkte waren verloren, die Arbeiter eingezogen, die kupfernen Druckwalzen zu Munitionsherstellung beschlagnahmt worden. Es mangelte an Rohstoffen. Die Schließung der Fabrik war also zweifellos unvermeidlich. Gegen Ende des Krieges am 1. August 1918 wurde die Fabrik zudem bei einem Bombenangriff schwer getroffen. Der Weinhandel hingegen konnte auch im Krieg weiter arbeiten. Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges, am 19. Dezember 1944, wurde die Fabrik, die Weinkeller und die Wohnhäuser durch Bomben weitgehend zerstört. Das Lebenswerk des "Alten Schaab" war bis auf die Grundstücke, die Ruinen der beiden Villen und einigen Trümmerhaufen vernichtet. Dr. Wilhelm Schaab, Trier, 2013 Zu den Bildern: [1] Gesamtansicht der Blaudruckfabrik Joseph Schaab. [2] Ausschnittvergrößerung. [3] Fassweinkeller unter der Villa Schaab. [4] Zerstörung durch den Bombenangriff am 19. 12. 1944, Luftaufnahme eines amerikanischen Aufklärers im Frühjahr 1945. [5] und [6] : Mauerreste der Blaudruckfabrik am Ende von Schaabs Gässchen.

Einordnung

Kategorie:
Bau- und Kunstdenkmale / Technische Bauten und Industrieanlagen / Ohne
Zeit:
1868-1968
Epoche:
Historismus / Jugendstil

Lage

Geographische Koordinaten (WGS 1984) in Dezimalgrad:
lon:   6.64107
lat: 49.7483
Lagequalität der Koordinaten: Genau
Flurname: Ortslage

Internet

http://de.wikipedia.org/wiki/Trier-S%C3%BCd

Datenquelle

- Silvia Schmidt, Reichtum und Ruhm mit Wein und Farbe. Die Geschichte der Familie Schaab, Der Erste Weltkrieg brachte die Wende, Trierischer Volksfreund vom 4.8.2003. - Wilhelm Schaab, Geschichte der Familie Schaab, Neues Trierische Jahrbuch 2003. - Mechthild Schneiders, Vom Blaudrucker zum Fabrikanten und Weinhändler, Nachfahren: Josef Schaab macht aus einem Handwerksbetrieb ein Großunternehmen; Enkel Wilhelm ist Logistikexperte, Trierischer Volksfreund vom 8./9.10. 2011.

Bildquellen

1 Bild: © Privatbesitz der Familie Schaab
2 Bild: © Privatbesitz der Familie Schaab
3 Bild: © Privatbesitz der Familie Schaab
4 Bild: Luftbilddatenbank des Ingenieurbüros H. G. Carls, Würzburg.
5 Bild: © Peter Valerius, Kordel, 2011.
6 Bild: © Peter Valerius, Kordel, 2011.

Stand

Letzte Bearbeitung: 24.11.2013

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