Datenbank der Kulturgüter
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Mikwa (Ritualbad)

Freudenburg, Gemeinde Freudenburg
König-Johann-Straße 30

Beschreibung

Im Haus in der heutigen König-Johann-Straße 30 (Haus Schimmel Kahn) befindet sich heute noch eine Mikwa, ein vor allem für Frauen gedachte Vorrichtung zur rituellen Reinigung, in der man so untertauchte, daß der ganze Körper und sämtliches Haar vom Wasser bedeckt wurde. Von der Existenz der Mikwa wusste lange Zeit nur der kürzlich verstorbene Hauseigentümer Rudolf Maas; unter den Ortseinwohnern ist sie bislang nicht bekannt. Dies dürfte v.a. daran liegen, daß es keine öffentliche, sondern eine private Mikwa war, in der außer Familienmitgliedern und Verwandten nur wenige das Tauchbad nahmen; wenn sich andere Frauen der rituellen Reinigung unterzogen blieb dies wohl unbemerkt, da der Gang zur Tauche den Vorschriften gemäß möglichst unbeobachtet bleiben sollte und nach dem Einbruch der Dunkelheit mit größter Diskretion erfolgte. Der Keller der Mikwa ist leicht gewölbt und etwa zwei Meter hoch; er kann über zwei Treppen vom Haus, beziehungsweise von außen betreten werden. In einer Ecke befindet sich das vom Grundwasser gespeiste Tauchbecken mit annähernd quadratischem Grundriss und einer Seitenlänge von etwa 90 Zentimeter. Mehrere Treppenstufen führen zum Grund des Beckens, der nicht ganz zwei Meter unterhalb des Fußbodenniveaus liegt. Das Wasser dürfte ehemals - heute ist der Wasserspiegel zurückgegangen - bis wenige Zentimeter unter den Rand gereicht haben, da der mit Sandstein gedeckte Abfluss in den Kellerboden eingemauert ist und nur einen Querschnitt von 30x30 Zentimeter hat. [Günter Heidt, Dirk S. Lennartz; Fast vergessene Zeugen] Die Mikwe ist ein rituelles Tauchbad, das den Zustand von Menschen vom kultisch Unreinen zum Reinen verändert. Die meisten mittelalterlichen Mikwen waren Grundwasser - Mikwen. Um den Grundwasserspiegel zu erreichen, wurde ein Schacht tief in die Erde gegraben, zugleich musste jedoch eine Treppe vorhanden sein, um die wechselnde Höhe des Wasserstands auszugleichen. Den Männern wird ein Tauchbad zum Beispiel vor dem Schabbat und den Feiertagen empfohlen. Für Frauen hingegen gelten bis heute noch strenge Vorschriften. So fordert das jüdische Religionsgesetz ein Tauchbad erstmals vor der Hochzeit, danach nach jeder Menstruation und nach einer Geburt. Ehelicher Verkehr während der Menstruation bis zum Bad in der Mikwe ist verboten. Vor dem Gang ins Tauchbad darf nichts Körperfremdes, das heißt etwas, das zwischen Körper und Wasser eine Trennwand bilden könnte, vorhanden sein. (Schmuck, Nagellack, Lippenstift und Haarklammern) Beim Untertauchen darf kein Haar aus dem Wasser ragen. All dies dient der rituellen Reinigung. [Trier im Mittelalter - ein Stadtführer für Groß und Klein]

Einordnung

Kategorie:
Bau- und Kunstdenkmale / Sakralbauten / Mikwen
Zeit:
Undatiert
Epoche:
Undatiert

Lage

Geographische Koordinaten (WGS 1984) in Dezimalgrad:
lon:   6.53221
lat: 49.544318
Lagequalität der Koordinaten: Genau
Flurname: Ortslage

Internet

http://www.freudenburg.de/

Datenquelle

Günter Heidt, Dirk S. Lennartz; Fast vergessene Zeugen, Juden in Freudenburg und im Saar-Mosel-Raum 1371-1943, Selbstverlag 2000 und Trier im Mittelalter – ein Stadtführer für Groß und Klein

Bildquellen

1 Bild: Heid / Lennartz: Fast vergessene Zeugen. Verlag der Autoren, 2000

Stand

Letzte Bearbeitung: 21.06.2006

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