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Laurentiuskapelle

Trittenheim, Gemeinde Trittenheim

Beschreibung

Westlich oberhalb des Ortes in den Weinbergen: Laurentiuskapelle; Chor, bezeichnet 1583, 1920 durch Turm über Vorhalle erweitert. [1] In einem Weinberg oberhalb Trittenheim. Nur der Chor von 1583 ist erhalten. 1920 durch einen Turm erweitert. Barockfigur des heiligen Laurentius. [2] Ein kleiner Beitrag zur Geschichte der Laurentiuskapelle von Christoph Schmitt Vorbemerkung Es ist ein glücklicher Zufall, daß sich im September 1999 zum 430ten Mal der Tag jährt, an dem eine bischöfliche Visitation für die Pfarrei Trittenheim feststellte, daß neben der Pfarrkirche Sankt Clemens eine kleine Kapelle (sacellum) bestehe, die dem heiligen Laurentius gewidmet sei. Dieses Dokument aus dem Jahre 1569 beinhaltet die erste Erwähnung dieser Kapelle, die nun nach einer umfassenden Renovation wieder als mit Freude die Blicke auf die Anhöhe des Laurentiusberges wenden läßt. Das Bemühen um den Erhalt und die Renovierung der Kapelle haben natürlich auch die Fragen aufgeworfen, seit wann diese Kapelle besteht und welchem Zweck sie einst diente. wir befinden uns jedoch in der misslichen Situation, keine älteren Zeugnisse zu haben und damit auf Vermutungen angewiesen zu sein, die eine im besten Falle eine gewisse Plausibilität haben. Hinführung zur Entstehungs- und Bedeutungsgeschichte vor 1569 In den Beiträge[n] zur Geschichte sämtlicher Pfarreien der Diözese Trier des Domdechanten und Bischöflichen Offizials Dr. Philipp de Lorenzi schreibt dieser im ersten Band (erschienen Trier 1887) zur Laurentiuskapelle: auf einer Anhöhe, dem Dorf Leiwen gegenüber, auf dem s. g. Laurentiusberg, lag die Laurentius-Kapelle, welche ehedem Pfarrkirche gewesen ist. De Lorenzi begründet diese behauptende Aussage jedoch nicht näher, sondern schließt anschließend mit der Notiz: die Kapelle befand sich aber schon damals [1715] in so elendem Zustande, dass sie für den Gottesdienst interdiciert werden mußte. Heute [um 1887] sind von derselben nur noch Reste des Chores vorhanden. In Ludwig Mathars Moselbuch aus den zwanziger Jahren wird um das Laurentiuskirchlein eine ausgeschmückte Geschichte gewoben: Auf dem Laurentiusberg, so führt Mathar unter Rückgriff auf ihm überlieferte Erzählungen aus, habe hier Trittenheims erste Pfarrkirche gestanden und auch das Dorf sieht er damals viel näher an dieser Kirche liegend; erst im 17. Jahrhundert sei eine neue Kirche im Dorfe entstanden. Nimmt man Mathars romantischgreift zwar sicherlich auf de Lorenzi zurück, bildet dann aber aus den ihm vorliegenden Einzeldaten eine zwar schöne, aber historisch abweichende Erzählung aus. Weitaus vorsichtiger deutet der Trierer Kirchenhistoriker Ferdinand Pauly die Funktion der Kapelle in seiner 1961 erschienen Darstellung der Siedlung und Pfarrorganisation im alten Erzbistum Trier1 für das Landkapitel Piesport. Für Ferdinand Pauly ist es klar, daß die Rückfrage nach der Geschichte der Kapelle nur in Auseinandersetzung mit der Geschichte der Pfarrkirche Sankt Clemens und ihren Vorgängerbauten im Ansatz zu lösen ist. Da sowohl das Laurentius- wie das Clemens-Patrozinium ein hohes Alter und letzteres auch einen gewissen Grad an Seltenheit aufweisen geht beider Geschichte vor die erste namentliche Erwähnung im Jahre 1569 zurück. Um etwas von der Geschichte der Laurentiuskapelle zu erfahren muß daher kurz auf die Vorgeschichte der heutigen Pfarrkirche eingegangen werden. In der päpstlichen Urkunde des Jahres 1148 für die Abtei Sankt Eucharius / Sankt Matthias wird dieser durch den in Trier weilenden Papst Eugen III. in Trittenheim ein Hof mit Kirche als Besitz bestätigt. Aus einer Notiz des Klosters wissen wir, daß dieser Besitz entweder durch Erzbischof Egbert (977-993) oder vielleicht wahrscheinlicher durch Erzbischof Eberhard (1047-1066) an die Mattheiser Abtei gelangte. Der Grundbesitz der Abtei läßt sich ortsseitig etwa damit durch das Terrain zwischen Mosel - Moselstraße - Spielesstraße umschreiben (die Ausdehnung nach Norden ist schwerer festzulegen. Der Hof lag ortsseitig nahe der heutigen Kirche (s. Straßen Hofgasse und Im Hof) und die in der Urkunde erwähnte Kirche war offensichtlich eine im Eigentum der Abtei befindliche Kirche, eine sog. Eigenkirche. Da sie aber kein spezifisch abteiliches Patrozinium besitzt, sondern demPapst Clemens von Rom gewidmet ist, muß man davon ausgehen, daß schon vor der Inbesitznahme durch die Trierer Mönchsgemeinschaft eine Clemenskirche bestand. Möglichweise - aber dies ist nur eine reine Hypothese! - wurde sie unter Bischof Eberhard gebaut und diesem Patron gewidmet, da er selbst bei seiner Berufung auf den Trierer Bischofstuhl das Pallium - eine Stola, die als Zeichen des Erzbischofs getragen wird - durch den regierenden Papst Klemens II empfangen hatte - also ein Ausdruck von Dankbarkeit gegenüber dem Namenspatron des Papstes. Wenn aber die Trierer Abtei eine Clemenskirche erhielt, deren Namenspatron sie nicht änderte, dann gab es entweder zur gleichen Zeit keine Laurentuskirche oder aber es gab sie und sie hatte ihre Bedeutung eingebüßt. Dafür, daß es schon eine Laurentiuskapelle gegeben hat spricht die lange währende Tradition von Gottesdiensten und Wallfahrten, die auch noch zu Zeiten lebendig waren, als der Zustand dieses Kirchleins bedauernswert war. Seit de Lorenzi wird immer wieder darauf hingewiesen, die Laurentiuskapelle sei Pfarrkirche des Ortes gewesen. Korrekt betrachtet kann dies nicht zutreffen, da noch im 14. Jahrhundert in kirchlichen Steuerlisten Trittenheims Kirche als semimatrix = Halbmutterkirche bezeichnet wird, also als eine Kirche, die noch nicht alle Pfarrechte besaß und von einer Pfarrkirche abhängig war. Zu den Fragen nach Gründungszeit und Bedeutung Pauly selbst äußert die Vermutung, daß aufgrund der besonderen Beachtung, die die Kapelle nach den schriftlichen Zeugnissen bis ins achtzehnte Jahrhundert erfahren hat (s.), diese Kapelle zeitweise, das heißt bevor die Clemenskirche existierte, eine Aufgabe quasi als Halbmutterkirche wahrnahm. Daß die zugehörige Pfarrkirche in Leiwen lag ist kaum zu bestreiten, nicht zuletzt wegen des sehr alten Patroziniums des Erzmärtyrers Stephanus. Zu diesem Patrozinium paßt aber gleichsam als Komplementierung das Patrozinium eines weiteren Märtyres und Diakons, nämlich des heiligen Laurentius. Das ihm gewidmete Kirchlein steht in Sichtweite zu Leiwens Pfarrkirche und zur Trittenheimer Kirche. Sollte auf diese Weise die Verbundenheit mit der Mutterkirche ausgedrückt werden, aber gleichzeitig durch das Bestehen eines eigenen Gottesdienstraumes den damaligen Einwohnern Trittenheims die beschwerliche und manchmal nicht ungefährliche Überfahrt erspart werden? Wenn die Kapelle also schon im 10. oder im 11. Jahrhundert bestanden hatte, dann war sie der erste Schritt zur pfarrlichen Eigenständigkeit gewesen. Leider findet sich auch im Prümer Urbar, das einerseits den Besitzstand des 9. Jahrhunderts und andererseits eine Kommentierung des frühen 13. Jahrhunderts wiedergibt, kein Hinweis auf die Kapelle, obwohl ihr Standort jenem Terrain sehr naheliegt, das von der Prümer Benediktinerabtei über die Grafen von Vianden schließlich an das Grafenhaus Neuerburg-Manderscheid überging. Man kann daher wohl davon ausgehen, die Kapelle habe seit ihrer Begründung immer dem trierischen Bischofsstuhl gehört und konnte daher auch ohne Spuren zu hinterlassen durch eine Kirche im Dorf ersetzt werden. Läßt sich aus dem Laurentiuspatrozinium eine Datierung feststellen? Auch hier gibt es keine definitive Antwort, aber vielleicht ein Puzzleteil eines weitgehend unvollständigen Puzzles. Mit dem Sieg Otto d. Gr. über die Ungarn am 10. August 955, dem Gedenktag des Heiligen, entwickelte sich in Deutschland ein Laurentiuskult, der auch zur Widmung von Kirchen an diesen Heiligen führte - und vielleicht auch die Laurentiuskapelle betraf. An dieser Stelle beenden wir den Rückblick vor das Jahr 1569. Dabei lässt sich feststellen, daß scih die Geschichte der Kapelle am ehsten aus einem Dialog mit der Geschichte der Clemenskirche ablesen liesse, doch müssen wir uns mangels schriftlicher Zeugnisse gegenwärtig mit Mutmaßungen begnügen. Die Zeugnisse über die Laurentiuskapelle zwischen 1569 und dem Ende des 19. Jahrhunderts Das Jahr 1569 ist für die Laurentiuskapelle ein Eckdatum, denn mit diesem Jahr tritt sie für uns heute in eine urkundlich nachweisbarePhase ihres Bestehens ein. Das Tridentinische Konzil, das zwischen 1542 und 1562/63 in drei Perioden tagte und auf die von Martin Luther herausgeforderten Reformen antwortete, drängte auch auf das regelmäßige Visitieren der Pfarreien. Diese kirchliche Form der Aufsicht fand im Obererzstift Trier, zu dem Trittenheim im Dekanat Piesport gehörte, ab dem 6. September 1569 statt. Die Visitation verlief nach einem mehr oder minder festen Schema: der Pfarrer trat mit den Synodalen, dem Kirchenmeister und dem Kustos an einem zentralen, meist benachbarten Ort (Dekanssitz) vor die bischöfliche Kommission, man legte das tridentinische Credo ab, der Pfarrer legte seine Bestallungsurkunde vor und dann berichtete der Kirchenmeister über das Vermögen. Die Synodalen ihrerseits wurden über die sittliche Verfassung der Gemeinde befragt. Mit nach Hause nahmen sie schließlich die Kenntnis der wichtigsten tridentinischen Gesetze und Anordnungen, um deren Umsetzung sie sich zu bemühen hatten. Was antworteten die Trittenheimer Delegierten der Kommission?2 Die knapp gehaltenen Notizen geben zu erkennen, daß 1569 in Trittenheim weder ein Pfarrer noch ein Kaplan anwesend waren. Als Pfarrer fungierte ein Herr von Palandt; er läßt sich nach anderen Quellen als der Trierer Archidiakon Reiner von Palandt identifizieren. Sein Name taucht als Pfarrverweser auch noch in Konz und in Wallendorf (Dekanat Neuerburg) auf und es nimmt nicht wunder, daß er nicht in Trittenheim als Pfarrer residierte. Da die Liste der Trittenheimer Pfarrer für die Zeit vor 1600 sehr lückenhaft ist, kann nur vermutet werden, daß Petrus Wolsfelt in den siebziger Jahren die Pfarrstelle antrat. Petrus Wolsfelt, der 1598 oder kurz zuvor verstarb und nach dem Visitationsprotokoll von 1569 noch sacellanus am Annen-Altar in Mehring war,3 hat für die Laurentiuskapelle insofern eine besondere Bedeutung, da Joh. J. Brauns in der von ihm angelegten Chronik im Trittenheimer Kirchenbuch (BATr 72, 855, 3, S. II) in lateinischer Sprache festhält, daß nach dem Katalog unserer Vorgänger[...]sich ein Teil einer Schrift in der Kapelle desLaurentius oberhalb des östlichen Fenster [befindet], wo man lesen kann: Petrus Wolsfelt Pastor im Jahre 1583 baute an dieser Stelle zuerst vor Mathias Rausch. Sofern man primo loco ponendus im Sinne des Bauens deutet - so auch die 'Kunstdenkmäler der Rheinprovinz' S. 387 - lässt sich daraus ableiten, daß Wolsfelt die 1569 bestehende Kapelle 1583 baulich erneuerte. Über den Umfang der Renovierung erfahren wir jedoch nichts. Die Feststellung eines schlechten Bauzustand der Kapelle zieht sich auch in den nachfolgenden Jahrhunderten wie ein roter Faden durch die Protokolle späterer Visitatoren. Die Ersterwähnung weiß aber noch mehr über die Kapelle auszusagen: die Kapelle Sankt Laurentius [hat] einen Altar ohne Kelch; dreiwöchentlich wird Gottesdienst gefeiert.4 Der Hinweis auf einen Altar ohne eigenen Kelch belegt, daß die Kapelle zwar für die Feier der Messe vorgesehen war, aber daß es keinen eigenen Kelch gab, der sozusagen an die Kapelle gebunden war, bezeugt zugleich, daß sie nur noch sporadisch für Gottesdienste genutzt wurde. Aus der kurzen Notiz können wir jedoch nicht herauslesen, auf welcher Basis dieser Gottesdienst stattfand, ob er eine alte Tradition bezeugt oder eine jüngere Stiftung. 1652 erscheint die Kapelle erneut in einem Protokoll einer Visitation5, die nun nach den Schrecken des Dreißigjährigen Krieges durchgeführt wurde. Dort heißt es, daß die dem heiligen Laurentius geweihte Kapelle einen demselben Heiligen gewidmeten Altar besitzt, der aber entweiht sei. Die gesamte Ausstattung fehle und müsse daher aus der Pfarrkirche zum Gottesdienst herbeigeschafft werden. Das Protokoll stellt ausdrücklich fest, daß die Gemeinde zur Wiederherstellung verpflichtet sei - was mitunter einen Hinweis dafür bieten mag, daß die Kapelle kaum aus einer privaten Stiftung hervorging. Keine zwei Jahrzehnte später findet eine weitere Visitation statt (1669)6. Auch sie kann diesmal nur feststellen, daß der Altar entweiht sei und alle notwendigen Gerätschaften und Ausstattungsstücke aus der Pfarrkirche gebracht werden müssen. Weiterhin heißt es dort, daß der Pfarrer verpflichtet sei, an jedem sechsten Wochentag, d. freitags, Gottesdienst zu feiern. Sie findet aber aufgrund der großen Nachfrage in der Pfarrkirche statt. Besonders hervorgehoben wird der Gottesdienst am Festtag des Patronatsheiligen, aus dessen Anlaß der Pfarrer ein bestimmtes Maß Wein erhielt. Auffällig ist in diesem Protokoll, dass ausdrücklich eine Jahrtagsstiftung des Grafen von Manderscheidt erwähnt wird; für diesen Dienst erhält der Pfarrer ebenfalls eine Entlohnung in Form von Wein. Auch in diesem Protokoll wird wieder hervorgehoben, dass die Gemeinde zur (notwendig gewordenen) Erhaltung beziehungsweise Reparatur verpflichtet sei, diesmal spezifiziert auf das Dach der Kapelle. Deutliche Worte findet schließlich das Visitationsprotokoll des Jahres 1715. Der Pfarrer ist Zehntherr in zwei von drei Teilen Trittenheims mit Ausnahme des Berges des heiligen Laurentius, wo der Kaplan der Grafen von Manderscheidt allein den Zehnten empfängt,[...]Der Pfarrer ist am Fest desRochus [eine Woche nach dem Festtag des heiligen Laurentius] zu einer sakramentalen Prozession auf den Berg des heiligen Laurentius verpflichtet[...]Die Kapelle unter dem Patrozinium des Hl. Laurentius, oberhalb des Ortes auf dem Berg gelegen, befindet sich in einem sehr elenden Zustand, ist nicht verschlossen, ohne Wittum, ohne Ausstattung[...][Es wird angeordnet] 4., daß die Benutzung der Kapelle, auf dem Berg des Hl. Laurentius gelegen, solange für den Gottesdienst untersagt ist, bis sie geschlossen und vor der Gefahr der Profanierung (Verweltlichung) geschützt ist ...7. Die Quelle macht deutlich, daß die Kapelle im 18. Jahrhundert im oder doch am Zehntbereich der Manderscheider Grafen liegt. Wir erfahren außerdem, daß nicht nur ein festliches Amt am Laurentiustag gefeiert wurde, sondern daß die Kapelle auch Ziel einer Rochus-Prozession war. In diesem Zusammenhang ist es wohl nicht uninteressant, daß die fünf Bildstöcke des Ortes aus dem Jahre 1654, die der Motivreihe des schmerzreichen Rosenkranzes folgen, ehedem vom Ort zur Laurentiuskapelle hin aufgestellt waren. Da die Visitation 1715 wiederholt feststellt, daß der bauliche Zustand miserabel sei (in miserrimo statu), läßt sich daraus nur schließen, daß die dazu aus Traditionsrecht verpflichtete Gemeinde offensichtlich keine besonderen Anstalten getroffen hatte - oder angesichts der langen Kriegswirren nicht konnte. Zu bedenken ist in diesem Zusammenhang, dass das trierische Land nach dem Westfälischen Frieden von 1648 keineswegs ruhige Zeiten erlebte, vielmehr nach einer kurzen Ruhephase in verschiedenen Kriegen unter spanischen und französischen Truppen Not um Not erleiden mußte. Da die Gemeinde außerdem auch für die Pfarrkirche Baupflichten zu erbringen hatte (insbesondere für den Kirchturm), ist es verständlich, daß in Zeiten der Not Prioritäten gesetzt wurden. Doch selbst für die Pfarrkirche scheinen die Mittel nicht gereicht zu haben, mußte man doch auch für diese 1722 durch einen Neubau Ersatz schaffem. Da die Würde eines Gottesdienstes durch den Zustand der Kapelle nicht mehr gewahrt war, wurde sie vorsorglich für den Gottesdienst interdiziert. Es scheint so, daß diese Entscheidung zu Beginn des 18. Jahrhunderts endgültig war, denn die Folgen lesen wir aus dem Schweigen des Visitationsprotokolls des Jahres 1804 ab. Nachdem das Kurfürstentum untergegangen war und der westliche Teil des Erzbistums zu Frankreich gehörte, erhielt das nun französische Bistum Trier 1802 einen neuen Bischof, Charles Mannay.8 Der seelsorglich eifrige Bischof machte sich schon bald auf, um durch Bereisung seines Bistums eine Übersicht über die Zustände in den ihm anvertrauten Gemeinden zu gewinnen. In Trittenheim trifft er am 5. Juli 1804 ein und visitiert mit allgemeiner Zufriedenheit die Pfarrei. Die Kapelle aber wird mit keinem Wort erwähnt. Und so wundert es uns auch nicht, daß bei der Visitation des Jahres 1848 die Frage nach einer öffentlichen Kapelle schließlich ohne Umstände verneint wurde.9 Auch die Reisebeschreibungen von der Mosel, die markante Punkte erwähnen, schweigen über die Reste des Bauwerkes. Es mußt erst ein kunstsinniger Pfarrer kommen, der sich gemeinsam mit einem ehemaligen Lehrer der Volksschule zum Wiedererstehen der Kapelleeinsetzte. Von der Wiederherstellung bis zur Gegenwart Der Erste Weltkrieg (1914-1918) forderte auch unter den Trittenheimer Männern Opfer. Ihrer zu gedenken sollte wie andernorts auf würdige Weise geschehen. 1918 wurde der in Ayl geborene Priester Linden auf die Pfarrstelle in Trittenheim versetzt. Linden, ein musisch begabter Mensch, der selbst komponierte und malte, unternahm schon kurz nach seiner Ankunft den ersten Vorstoß zu einer Wiederherstellung, die er, seinem pragmatischen Sinn entsprechend, mit einer zeitgenössischen Idee, einer Kriegergedächtnisstätte, verband. Sein Mitkämpfer war der ehemalige Volksschullehrer und damals als Weinhändler wirkende Georg Pfrang (1859-1937), der selbst zwei Söhne verloren hatte. Pfarrer Linden macht in einer Ansprache auf das Vorhaben aufmerksam und findet zugleich ein gute Resonanz: in einem Brief mit dem Datum vom 28. Dezember 1918 heißt es: Sehr geehrter Herr Pastor! Ihre Aussprache vom Sonntag betreffs Erweiterung und Renovierung der Sankt Laurentiuskirche hat bei den Kriegsteilnehmern großes Interesse gefunden und ist mit großem Beifall aufgenommen worden. Die Kriegsteilnehmer würden es sich zur Ehre machen, zur inneren Ausstattung der Kirche ihr nötiges Scherflein dafür beizutragen. [...] Die Kriegsteilnehmer würden im Innern der Kirche eine Gedenktafel als letztes Andenken für ihre gefallenen Kameraden errichten lassen. Es ist allgemeiner Wunsch, Ihnen dieses bekannt zu geben. Einige Kriegsteilnehmer (Pfarrarchiv Trittenheim o. Sign., im Konvolut 'Laurentiuskapelle'). Linden ließ durch den Mainzer Architekten Falkowsky einen Plan zur Erweiterung der bestehenden Ruine erarbeiten. Nur noch Reste des Chores standen, so daß die ursprüngliche Ausdehnung der Kapelle nicht mehr erkennbar war. In den Jahren 1919/20 wurden die Bauarbeiten ausgeführt werden konnten - allerdings nicht zur Befriedigung des Architekten selbst. Die Trittenheimer Schulchronik resümiert das Vorhaben folgendermaßen: Chor und Turm wurden angebaut und die Kapelle ausgemalt. Sie soll eine Gedächtniskapelle für die im Kriege 1914-1918 gefallenen Trittenheimer sein. Auf 4 Tafeln sind die Namen der Gefallenen und Vermißten verzeichnet. Eine weitere Tafel bekundet, daß die Eheleute Pfrang Georg und Maria geb. Marx die Mittel zum Bau in hochherziger Gesinnung gespendet haben. Herr Pfrang, dessen Schüler alle Gefangenen [so!] mit einer Ausnahme waren, wirkte als Lehrer von 1891-1908 an der diesseitigen Volksschule. Die Kosten für den Bau beliefen sich auf rund 20 000 Mark. Am 8.8.[19]20 wurde die Kapelle durch Herrn Pfarrer Linden feierlich geweiht. Am Fest des hl. Laurentius am 10.8. wurde zum 1. Male seit 3 Jahrhunderten wieder eine hl. Messe darin gelesen. Durch die Erweiterung wurde nach Westen eine Achse angefügt, über der sich seither ein kleines Turmgeschoß erhebt; durch eine bauliche Veränderung im östlichen Teil des Chores ging jedoch das oben erwähnte Ostfenster mit seiner Inschrift verloren. Vorhanden blieb seinerzeit ein in die Mauer eingelassenes frühneuzeitliches, barockes Vesperbild, das jedoch einer gründlichen Restaurierung bedurfte, das jedoch heute nicht mehr vorhanden ist. Die in der Kapelle angebrachten Tafeln verzeichneten die Namen der im Kriege getöteten Trittenheimer, einschließlich der Namen jener jüdischer Mitbürger, die wie ihre christlichen Kameraden für ihr vaterland zu Tode kamen. Forthin wurden an dieser Stelle Gedenkfeiern für die Toten des I. Weltkrieges abgehalten. Die Schulchronik hält zum Beispiel für das jahr 1925 fest: Am 1.3. [1925] fand an der Laurentiuskaepelle die von der Reichsregierung angeordnete Trauerfeier für die Gefallenen statt. Unter Vorantritt der Musi begab sich der M. G. V. Trithemius zur Kapelle, wo sich alsbald zahlreiche Einwohner des Dorfes versammelten. Die Musik spielte einige Trauerweisen, der M.V. sang 2 Trauerlieder, worauß der Gemeindevorsteher eine Ansprache hielt und je einen Kranz für die Gemeinde und den M.G.V. in der Kapelle nierderlegte.10 Eine Bombardierung in der Nähe der Kapelle Ende 1944 führte auch zu einem Schaden an der Türfüllung und Decke der Kapelle, die im übrigen vom Krieg unversehrt blieb. Nach dem zweiten Weltkrieg gewann die Kapelle auch wieder eine stärkere Einbindung in das religiöse Leben der Gemeinde. Dazu trug sicher auch die Einweihung eines neuen Kreuzweges vom Dorf zur Kapelle hin bei. Dieser war von dem in Trittenheim gebürtigen Domkapitular Kaspar Kranz im August 1947 konsekriert worden. Damit schloß sich wieder ein Kreis einer früheren Tradition, als die Bildstöcke (Pestkreuze) des Jahres 1654 vom Ort zur Kapelle hinauf den Prozessionsweg begleiteten. Die Belebung der Laurentiusweinkirmes im Jahre 1951 sollte nicht nur ein Winzerfest sein, vielmehr nahm man dies zum Anlaß, nun auch wieder Eucharistie an dem Ort zu feiern, wo sich viele Generationen Trittenheims Jahr um Jahr eingefunden hatten, um möglicherweise einen Stiftungswunsch zu erfüllen. Unter Bürgermeister Gerwalin erfuhr die Kapelle eine Renovation, bei der in den siebziger Jahren das große Portal mit Glasbausteinen geschlossen wurde und statt dessen eine Seitentüre nach Osten hin Einlaß bot. Für den aufstrebenden Fremdenverkehrsort Trittenheim wurde die Kapelle zu einem Anziehungspunkt eigener Art. Ob Wanderer oder Spaziergänger - die Kapelle zog alle für einige Minuten in ihre Stille hinein. Doch die Spuren der Zeit gingen an der exponiert stehenden Kapelle nicht vorbei. Mehr und mehr nahm der Putz ein gräulichen Ton an, Feuchtigkeit drang ins Gemäuer ein und auch das Dach bot nicht mehr ausreichende Sicherheit gegen eindringende Feuchtigkeit. Die nun renovierte Laurentiuskapelle verdankt ihre Frische im Alter jenen Trittenheimer Frauen und Männern, die im November 1996 mit ihrem Vorhaben an die Öffentlichkeit traten: da die öffentlichen Kassen am Ende des 20. Jahrhunderts nicht mehr die Finanzkraft zur Herrichtung alter Bausubstanzen besitzen, wollten sie durch eigenen Einsatz dazu beitragen, dass ihre Kapelle nicht weiter zur Schande für das Dorf werden sollte. Sie gründeten am 15. Dezember 1996 den Förderverein Laurentiuskapelle Trittenheim e. V. beitragen, dass ihre Kapelle nicht weiter zur Schande für das Dorf werden sollte. Sie gründeten am 15. Dezember 1996 den Förderverein Laurentiuskapelle Trittenheim e. V. [3]

Einordnung

Kategorie:
Bau- und Kunstdenkmale / Sakralbauten / Kapellen
Zeit:
1569
Epoche:
Renaissance

Lage

Geographische Koordinaten (WGS 1984) in Dezimalgrad:
lon:   6.889237
lat: 49.822304
Lagequalität der Koordinaten: Genau
Flurname: Im Laurentiusberg

Internet

http://www.trittenheim.de/ http://www.trittenheim.de/

Datenquelle

[1] Denkmalliste der Generaldirektion Kulturelles Erbe, Rheinland-Pfalz; 2010. [2] Georg Dehio: Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler: Rheinland-Pfalz, Saarland, 1984. Deutscher Kunstverlag. [3] Christoph Schmitt: Festschrift zur Laurentiuskapelle.

Bildquellen

1 Bild: © Helge Rieder, Konz, 2000
2 Bild: © Helge Rieder, Konz, 2000
3 Bild: © Helmut Bauer, Trier, 2012.

Stand

Letzte Bearbeitung: 20.02.2012

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