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Sankt Martin - Innen (1)

Nord, Gemeinde Trier
Maarstraße 72/Kloschinskystraße 1

Katholische Pfarrkirche

Querhauslose Säulenbasilika mit Krypta, Architekt Peter Marx, 1912–15, bildhauerischer Schmuck von Willy Meller und Heinrich Müller, Köln, reiche Ausstattung; zugehörig eingefriedeter Kirchenvorplatz, Pfarrhaus (Maarstraße 72) und Gemeindehaus mit Küsterwohnung (Kloschinskystraße 2), Mansardwalmdachbauten, Reformarchitektur. [1] MARX, Peter, Architekt, Kirchenbaumeister; * 30. Mai 1871 in Trier (Pfarrei Liebfrauen) als Sohn des Tuchfabrikanten Nicolas Marx und seiner Ehefrau Barbara, geborene Preil. † 21. Dezember 1958 in Trier. Die aus Saarburg stammende Familie Marx lebte schon seit mehreren Generationen in Trier, wo der Großvater von Peter Marx, Josef Marx, ein noch heute bestehendes Bekleidungsgeschäft gründete. - Da die Eltern des Peter Marx aus beruflichen Gründen nach Mayen zogen, besuchte Peter Marx die dortige Volks- und höhere Bürgerschule. In den Jahren 1883 bis 1886 besuchte er die Trierer Realschule, die er mit dem sogenannten "Einjährigen" abschloß. Seit Ostern 1886 absolvierte er dann eine Lehre als Bautechniker für Hoch- und Tiefbau bei dem Kommunalkreisbaumeister Massing in Trier und arbeitete bei ihm als Gehilfe bis er 1889 nach Köln ging, um bei dem Architekten Clemens Hermann Riffart zu arbeiten. 1890 begann er eine Tätigkeit als Bautechniker beim Kölner Bauunternehmer Nikolaus Defourny. Hier blieb er auch nur kurz, denn noch in diesem Jahr begann er sein Studium an der Freien Universität Brüssel und arbeitete dort bei Professor Emil Mauris bis er 1892 wieder in seine Heimatstadt zurückkehrte und erste Bautätigkeiten begann. In den beiden folgenden Jahren hielt sich Marx unter anderem in Wien auf und begab sich außerdem auf Studienreisen nach Italien, Frankreich, Schottland und England. Nachdem er in den Jahren 1894/95 seinen Militärdienst abgeleistet hatte, den er mit der Berechtigung zum Reserveoffizier verließ, arbeitete er für über zwei Jahre in New York. 1898 begann Marx ein viersemestriges Studium an der Berliner Technischen Hochschule in Charlottenburg. Anschließend wurde er 1900 in Trier als selbständiger Architekt mit eigenem Architekturbüro ansässig. 1902 heiratete Peter Marx die aus Merzig stammende Laura Gusenburger und bezog 1903 mit ihr sein selbstentworfenes Haus in der Trierer Kochstraße (heutige Hausnummer 12). Schon 1907, mit nur 33 Jahren, starb die junge Frau nach der Geburt des ersten Kindes, einer Tochter. Peter Marx heiratete nicht wieder. 1912 wurde der Bau der von Pfarrer Kloschinsky gestifteten Pfarrkirche Sankt Martin nach den Plänen von Marx begonnen, der neben der Kirche auch die Ausstattung entworfen hatte. Dabei hatte er sich von frühchristlichen Vorbildern inspirieren lassen. Die Fassadengestaltung dieser Kirche erinnert an die romanischen Kirchen von Arles und Sankt Gilles im Süden Frankreichs. Neben Kirchen entwarf Marx auch Villen und Wohnhäuser, von denen die meisten noch erhaltenen heute unter Denkmalschutz stehen. Viele Häuser, die das heutige Stadtbild mitprägen, entstammen der Feder Peter Marx. Ein Bespiel aus den Anfangsjahren von Marx ist das Doppelhaus Südallee 17/18 in Trier, dessen Baupläne mit dem 30. Juni 1900 datiert sind. Auch Industrie-, Fabrik- und Bürogebäude wurden von Marx geplant, so beispielsweise für die Zigarrenfabrik Neuerburg in Trier. Außerdem Pfarrhäuser, Friedhöfe, Krankenhäuser, Moscheen und Synagogen. Neben seiner Arbeit als freier Architekt wirkte Marx auch bei der zeichnerischen Aufnahme und Inventarisierung von Denkmälern bei der Kommission zur Erhaltung Trierer Privatgebäude mit. Für die regionale Zeitschrift "Kur-Trier" verfaßte Marx außerdem Aufsätze, die sich mit lokalen denkmalpflegerischen Aspekten beschäftigten. Die Jahre 1915/16 erlebte Marx als Kriegsdienstleistender in Rußland. Nach seiner Rückkehr war er auch politisch aktiv. 1918 bis 1921 engagierte sich der frankophile und antipreußisch gesinnte Architekt in der Rheinland-Bewegung. Im Oktober 1923 beteiligte er sich am "Separatistenaufstand" in Koblenz. Man wünschte eine Loslösung des Rheinlands von Preußen und eine neugegründete rheinische Republik unter französischem Schutz. Als Mitglied der Christlichen Volkspartei kandidierte Marx für den preußischen Landtag. Seine Nähe zu den Separatisten war seinen Aufträgen nicht eben förderlich und als 1933 die Nazis die Macht an sich gerissen hatten, wurde er deshalb als "Vaterlandsverräter" betrachtet und bedroht: Die Fensterscheiben seines Wohnhauses waren eingeworfen worden. Daher emigrierte Marx 1933 nach Rom, wo sein Bruder Joseph im Vatikan lebte und wo auch Peter Marx ab 1944 Unterkunft fand. Die Zeit seines Rom-Aufenthaltes nutzte er zum Studium der christlichen Archäologie am "Pontificio Istituto di Archeologia Christiana". Nebenbei sammelte Marx in dieser Zeit Grundrißzeichnungen von christlichen Kirchenbauten aus den ersten sechs Jahrhunderten. Zu dieser Sammlung verfaßte er auch einen Kommentar und stellte eine Bibliographie zusammen. Das Manuskript, das er "Corpus Basilicarum Orbis Christiani" betitelte, wurde trotz aller Bemühungen nie veröffentlicht und ist mittlerweile von neuesten Forschungsergebnissen eingeholt worden. Im August 1947 kehrte Peter Marx endgültig wieder nach Trier in seine Heimatstadt zurück und arbeitete wieder als Architekt. Viele Kirchenbauten hatten Kriegsschäden erlitten und bedurften eines Wiederaufbaues oder Neubaues. Gerne wandte man sich nun wieder an den hierin erfahrenen Peter Marx. Da sein eigenes Haus den Krieg unbeschadet überstanden hatte, konnte er dort wieder Wohnung nehmen. Unter den von Marx entworfenen Kirchen findet sich auch sein letztes Objekt, die Kirche des nahe Trier gelegenen Ortes Igel, aus dem Jahre 1953/54. Am 21. Dezember 1958 starb der 87- Jährige in einem Trierer Krankenhaus nach kurzer Krankheit. Peter Marx wurde, wie seine Frau Laura, auf dem Trierer Hauptfriedhof bestattet. Ein für seine Entstehungszeit außergewöhnliches Grabmal, von Marx selbst entworfen, ziert das Doppelgrab des Ehepaares. Die schmiedeeiserne Bedachung der Stele aus Sandstein und die geschmiedeten Seitenteile lassen das Grabmal heute noch wie neu wirken. Auf dem Stein sind in einer Kreuzigungsszene neben dem Christus am Kreuz die Heiligen Laurentius (Märtyrer mit einem Rost als Martersymbol dargestellt und der Namenspatron der Laura Gusenburger) und Petrus (mit einem Kreuz und als Namenspatron Peter Marx) abgebildet. Auf der darunter liegenden Inschriftentafel finden sich die Symbole der vier Evangelisten, die die Namen einrahmen. Unterhalb des Laurentius sind ein Mensch als Symbol für Matthäus und ein Stier für Lukas herausgearbeitet, unterhalb des Petrus entdeckt man einen Löwen als Markussymbol und einen Adler als Hinweis auf den Evangelisten Johannes. Auch in seinem Grabmal zeigt sich die tiefe Frömmigkeit des Architekten und Baumeisters Peter Marx. Die ganze Familie Marx war dem katholischen Glauben eng verbunden, ergriffen doch vier Brüder des Peter Marx einen geistlichen Beruf. Peter Marx zählt zu den erfolgreichsten Kirchenbaumeistern seiner Zeit im Bereich des Bistums Trier. Mindestens 71 Kirchen und Kapellen (darunter sehr viele im Saarland) entstanden nach seiner Feder oder wurden seinen Entwürfen gemäß umgebaut oder erweitert. [2]

Einordnung

Ersteller, Baumeister, Architekt, Künstler:
Marx, Peter (Architekt) Trier [1871-1958]
Kategorie:
Bau- und Kunstdenkmale / Sakralbauten / Katholische Kirchen
Zeit:
1912-15
Epoche:
Historismus / Jugendstil

Lage

Geographische Koordinaten (WGS 1984) in Dezimalgrad:
lon:   6.644021
lat: 49.764291
Lagequalität der Koordinaten: Genau
Flurname: Ortslage

Internet

http://de.wikipedia.org/wiki/Trier-Nord http://de.wikipedia.org/wiki/Trier-Nord

Datenquelle

[1] Denkmalliste der Generaldirektion Kulturelles Erbe, Rheinland-Pfalz; 2010. [2] Biographisch-Bilbliographisches Kirchenlexikon; Band XXV (2005) Spalten 917-920 Autor: Sandra Ost.

Bildquellen

1 Bild: © Helge Rieder, Konz, 2015.
2 Bild: © Helge Rieder, Konz, 2015.
3 Bild: © Helge Rieder, Konz, 2015.
4 Bild: © Helge Rieder, Konz, 2015.
5 Bild: © Helmut Bauer, Trier, 2016.
6 Bild: © Helmut Bauer, Trier, 2016.

Stand

Letzte Bearbeitung: 23.04.2016

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