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Chronik der Gemeinde Wallendorf

Wallendorf, Gemeinde Wallendorf

Beschreibung

Von der geographischen Lage her gesehen war der Zusammenfluß von Sauer und Our mit den beiden Tälern sowie dem nach zwei Seiten steil abfallenden Höhenrücken im Mündungswinkel von Sauer und Gaybach geradezu prädestiniert für eine vielleicht schon sehr frühe Besiedlung dieses Raumes. Ob hier der Jäger und Sammler der Altsteinzeit (80 000 bis 10 000 v. Chr.) bereits seine Streifzüge machte, dafür haben wir keinen direkten Beweis. Mit größter Wahrscheinlichkeit war jedoch der Mensch der Mittelsteinzeit (10 000 bis 4000 v. Chr.), der bereits vom Nomadentum zu einer gewissen Seßhaftigkeit übergegangen war, hier anzutreffen. Dies kann man aus den Funden mehrerer Mikrolithen", leichter und scharfer Feuersteinwaffen, aus der Wallendorfer Völkerhöhle" schließen. Deutlicher sind die Spuren, die der Ackerbauer und Viehzüchter der Jungsteinzeit (4000 bis 2000 v. Chr.) hinterlassen hat. Die Viehzüchter kamen von den Küsten Spaniens und Frankreichs. Sie brachten die sogenannte Glockenbecherkultur zu uns. Pfeilspitzen, Armschutzplatten und glockenförmige Becher waren die typischen Geräte dieser Kultur. Aus dem böhmisch-mährischen Raum kamen die Bauern in unser Gebiet. Zu ihren Geräten gehören mit breiten Bändern verzierte Vorratstöpfe, durchbohrte Grabhacken und Grabbeile. Sie sind uns unter dem Namen Bandkeramiker" bekannt. Ein Volksstamm, der aus Thüringen und Sachsen mit den Bewohnern des westlichen Europa in Verbindung trat, waren die Schnurkeramiker". In den noch weichen Ton ihrer hohen, weitausladenden Becher drückten sie eine Schnur zur Verzierung ein, welche nach der Erhärtung des Tones entfernt wurde. Die jungsteinzeitlichen Siedler unseres heimatlichen Gebietes wurden demnach sowohl von der Kultur der Glockenbecherleute wie auch von derjenigen der Band- und Schnurkeramiker beeinflußt. Einer der ergiebigsten Fundplätze für Geräte aus der Jungsteinzeit ist die Umgebung von Wallendorf. Steinbeile und Schaber aus Feuerstein und Kieselschiefer, eine wohlerhaltene Lochaxt aus Diabas, ein schleifsteinartiger rechteckiger Kieselschieferstein mit glattgeschliffenen Breitseiten und viele andere Steingeräte aus dem Neolithikum stammen aus dem Raume Wallendorf. Auch für die beiden letzten vorchristlichen Jahrtausende, die Bronze- und die Eisenzeit, ist die Besiedlung des Wallendorfer Gebietes nachweisbar. Die Funde aus dieser Epoche sind zwar nur spärlich, wohl weil der jungsteinzeitliche Kulturstand bis zum Ende der Bronzezeit hier weiterhin dominierte. Immerhin zeugt für die kontinuierliche Besiedlung des Wallendorfer Raumes auch während dieser Zeit ein hier gefundenes Bronze- Lappenbeil. Den Namen der einzelnen Volksstämme, die während der Jungsteinzeit und der frühen Bronzezeit unser heimisches Land bewohnten, kennen wir nicht. Wir wissen nur, daß die Siedler der großen Völkerfamilie der Kelten angehörten, die sich von der atlantischen Küste bis nach Osteuropa ausbreitete. Erst die römischen Eroberer, die um das Jahr 55 v. Chr. bei uns einfielen, überlieferten uns den Namen des hier ansässigen Volksstammes. Cäsar nannte ihn seinem Buch Der Gallische Krieg" die Treverer". Auf dem eingangs erwähnten Höhenrücken zwischen Our und Sauer einerseits und dem Gaybach andererseits erbauten, die Römer ein Kastell (castellum), das wohl dazu dienen sollte, die wichtige Heerstraße, die von Metz nach Maastricht führte und hier bei Wallendorf die Sauer überquerte, zu decken. Auf umfangreichem Terrain wurde in den 50er Jahren des vorigen Jahrhunderts Bauschutt von ausgedehnten Bauwerken ausgegraben. Reste von Ziegel- und Schiefersteinen wurden zutage gefördert, und ein Zimmer mit Betonboden" wurde freigelegt. Neben Silberschmuck, einem schweren Armring sowie Fingerring wurden eine ein Fuß hohe Steinfigur", mehrere Götterstatuetten (Terrakotten) und das Kapitell einer toskanischen Säule gefunden. Eine große Anzahl römischer Münzen, Großerze des Hadrian und Vespasian sowie Mittel- und Kleinerze der Kaiser Tiberius, Claudius, Nero, Trajan u.a., die vom Wallendorfer Kastell stammen, befinden sich im Rheinischen Landesmuseum in Trier (OK Trier- Mettendorf). Aus all diesen Funden kann man schließen, daß sich innerhalb des Kastells auch eine bürgerliche Siedlung mit Kultstätte befunden hat. Die Besiedlung von Wallendorf während der fränkischen Zeit ist belegt durch Gräberfunde mit Beigaben aus jener Zeit. Besonders hingewiesen sei auf die Funde In der Schuppkaul" und am Langenberg". Ob der Name des Ortes vom römischen vallis" = Tal hergeleitet werden kann oder ob er auf einen reichen Römer namens Valo", der hier Villa besessen haben soll, zurückgeht, kann nicht eindeutig bewiesen werden. Urkundlich kommt Wallendorf unter dem Namen Vualcheresdorf" zum erstenmal in einem Bestätigungsschreiben vom Jahre 1136 für das Liebfrauenstift in Prüm vor. Später wurde es Waildorff" und Valendorff" genannt. Bis zur Französischen Revolution war Wallendorf Hauptort einer Meierei der Grafschaft Vianden. Die Grundherrschaft besaßen ursprünglich die Herren von Fels in Möstroff (Luxemburg), die über einen ausgedehnten Waldbesitz verfügten. Nachdem die Hörigen des während des Napoleonischen Feldzuges verschollenen Grafen von Möstroff den Besitzstand des großen gräflichen Waldes nach der Säkularisation abgelehnt hatten, blieb derselbe zunächst herrenlos. Nach der Neugliederung des Reiches und der damit verbundenen Geltung der Preußischen Gemeindeordnung wurde der Wald unter die beiden Gemeinden Wallendorf und Biesdorf aufgeteilt. Diese Entscheidung wurde jedoch von zwei n von Ernzen, Besitzer der Müllers- und Spatzvogteien, mit noch 24 Vogteibesitzern von Nusbaum, Freilingen, Halsdorf und Hommerdingen angefochten, die behaupteten, allein die Gehöferschaft" zu bilden und an der Nusbaumer Harth berechtigt zu sein. Sie gewannen den Prozeß gegen die beteiligten Gemeinden in erster Instanz 1826, verloren ihn aber 1828 in der zweiten Instanz. (Eifilia illustrata). Heute bietet dieser Wald viele Gelegenheiten zu den herrlichsten Wanderungen. Wallendorf ist heute ein aufstrebender Fremdenverkehrsort.

Einordnung

Kategorie:
Geschichte / Ortsname / Ortsgeschichte / Ohne
Zeit:
Undatiert
Epoche:
Undatiert

Lage

Geographische Koordinaten (WGS 1984) in Dezimalgrad:
lon:   6.28865
lat: 49.87657
Lagequalität der Koordinaten: Ortslage
Flurname: Ortslage

Internet

http://www.wallendorf-eifel.de/

Datenquelle

Homepage der Verbandsgemeinde Irrel, 2002.

Bildquellen

1 Bild: Homepage der Verbandsgemeinde Irrel. 2002.

Stand

Letzte Bearbeitung: 19.11.2009

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