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Züscher Hammer

Züsch, Gemeinde Züsch

Ehemalige Eisenschmelze

Denkmalzone Züscher Hammer (südlich des Ortes im Tal des Königsbachs und am Rand der Gemarkungen von Züsch und Neuhütte): Grundmauern des 1765 neuerbauten Hammer- und Eisenhüttenwerks mit Kanal-, Graben-, Stauweiher- und Tunnelsystem. [1] In Betrieb seit 1697. Vorübergehender Boom 1806 durch die Kontinentalsperre Napoleons. 1869 ging mit dem Ausblasen das Zeitalter der Eisengewinnung im Hochwald zu Ende. > Mit der Teilung der Hinteren Grafschaft Sponheim fiel Züsch 1776 mit Birkenfeld an die Markgrafschaft Baden-Durlach. Der neue Herr ließ sich die Wiederbelebung der seit 1736 ruhenden Eisenindustrie angelegen sein. 1765 erteilte Vogt Friedrich Christoph dem Johann Adam Wetzlar die Erlaubnis zum Aufbau einer Mahlmühle bey dem alten Hammer im der Schmeltz gegen Zahlung eines jährlichen Zinses von 20 Reichstalern. Der Müller durfte sich des ehemaligen Hammerweihers als Mühlenteich bedienen. Wetzlar baute die Mühle etwas unterhalb der Schmelz. Sie wurde 1771 in Betrieb genommen. Es ist die heutige bis 1968 in Betrieb befindliche Mühle Arend die lange Jahre Schmelzmühle genannt wurde und ein paar hundert Meter oberhalb des späteren Züscher Hammers steht. 1765 schloß Vogt Friedrich Christoph mit dem Hüttenmeister und Bürger zu Trier, Leopold Choisy einen Vertrag über die Erbauung eines neuen Eisenhammers auf dem alten Hammerplatz unter der Schmelz. Der Unternehmer hatte das Werk auf eigene Kosten zu erstellen und den alten Weiher wieder so anzulegen, daß er während der auf 12 Jahre angesetzten Pachtzeit auch als herrschaftlicher Forellenweiher gebraucht werden konnte. Das Bauholz erhielt Choisy aus besonderer Gnade umsonst. Der jährlicher Zins für Konzession und Wasserfall betrug 20 Rtl. Daß Choisy von der Konzession Gebrauch machte und den Hammer erbaute, beweisen Einträge in den Kirchenbüchern von Züsch, die zugezogene Eisenarbeiter betreffen. 1768 und 1770 wird Choisy im katholischen Kirchenbuch von Züsch als magister ferri fodinae erwähnt. Noch 1772 wird er als Hüttenherr zu Bierfeld genannt. Dann verschwindet er mit unbekanntem Ziel aus der Gegend. Im Jahr 1793 beschwerte sich der Hochgerichtszender Meyer von Nonnweiler beim Oberamt Birkenfeld, dass der damalige Hüttenmeister Pastert das Wasser des Altbachs oft fünf bis sechs Tage staue und dann an einem halben Tag auf einmal ablaufen lasse. Dadurch sei der Mahlbetrieb der Nonnweiler Mühle beeinträchtigt und die litten an Brotmangel. Pastert schrieb in seiner Entgegnung, der Müller habe hinreichend um seine Kunden zu bedienen, während drei seiner Hammerschmiede gedroht hätten, sich anderweitig nach Arbeit umzusehen, falls er nicht für die nötige Treibkraft sorge, und dann müßte er sein Werk stille stehen lassen. Nach dem Einzug der Franzosen kam das Werk allmählich zu Erliegen. Im Jahr XIII (1804/05) war der Hochofen, der vielleicht 1789 noch in Betrieb war, wegen Holzmangels ausgeblasen, der Kleinhammer stand still, nur ein Frischfeuer wurde unterhalten. Das Personal bestand aus acht Arbeitern. 1808 war von den zwei Frischfeuern wegen Holzmangels seit mehreren Jahren nur eines in Betrieb, und das andere lag wegen des durch Dürre bedingten Wassermangels während eines Teils des Sommers still. Vier Jahre nach dem Übergang der Rheinlande an Preußen erfahren wir, daß der Hammer Schmiedeeisen herstellte. 1819 waren zwei und 1821 vier Arbeiter beschäftigt. Aus rheinischen Masseln erzeugten sie 350 beziehungsweise 1091 Zentner Schmiedeeisen. Es war demnach ein Zwergbetrieb. Gegen 1830 lieferte der Züscher Eisenhammer Reck-, Stab-, Nagel-, und Reifeisen. Der Übergang an die Firma Gottbill erfolgte zwischen 1832 und 1836. Heinrich Pasterts Sohn Maximilian verkaufte das Werk 1835 wenn recht erinnerlich für 12000 Taler an Richard Gottbill. 1841 sind noch vier Arbeiterfamilien mit 20 Seelen beschäftigt. 1843 waren dort zwei Wohnhäuser mit 10 männlichen und 6 weiblichen Bewohnern. Nur wenig später wurde er wohl als unrentabel stillgelegt, die Gebäude verfielen. Die von Gebel 1973 vorgenommene Begehung und Kartenaufnahme der alten Eisenwerksanlagen waren die Voraussetzung für die zehn Jahre später vorgenommene Freilegung und Sicherung im Rahmen von Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen. 1982/83 wurden die Grundmauern ehemaliger Hammeranlagen freigelegt, vermessen und teilweise konserviert. [2]

Einordnung

Kategorie:
Bau- und Kunstdenkmale / Wirtschaft, Gewerbe und Verkehr / Eisenwerke
Zeit:
1697
Epoche:
Renaissance

Lage

Geographische Koordinaten (WGS 1984) in Dezimalgrad:
lon:   7.006414
lat: 49.637181
Lagequalität der Koordinaten: Genau
Flurname: Hammerweiher

Internet

http://www.hermeskeil.de/gemeinde/zuesch/zuesch.htm

Datenquelle

[1] Denkmalliste der Generaldirektion Kulturelles Erbe, Rheinland-Pfalz; 2010. [2] Walter Petto; Erz und Eisen im Hochwald. Verein für Heimatkunde e.V. Nonnweiler; 1997

Bildquellen

1 Bild: © Norbert Kutscher, Waldweiler, 2009
2 Bild: © Norbert Kutscher, Waldweiler, 2009
3 Bild: © Helge Rieder, Konz, 2001
4 Bild: © Theophil Schweicher, Pluwig, 2013. http://www.unser-pluwig.de
5 Bild: © Theophil Schweicher, Pluwig, 2013. http://www.unser-pluwig.de
6 Bild: © Theophil Schweicher, Pluwig, 2013. http://www.unser-pluwig.de

Stand

Letzte Bearbeitung: 20.04.2014

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