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Mariensäule auf dem Eichelsberg (2)

Waxweiler, Gemeinde Waxweiler

Die Madonna vom Eichelsberg

Waxweiler gehörte bei der Ardennenoffensive 1944/45 zum Aufmarschgebiet der Wehrmacht- In diesen schweren Zeiten gelobte die Bevölkerung von Waxweiler die Erbauung eines Denkmals zu Ehren der Gottesmutter, wenn ihr Heimatort verschont bliebe. Bei einem Bombenangriff amerikanischer Flieger am 8. Januar 1945 kamen mehrere Einwohner und Männer und Frauen, die zum Arbeitseinsatz in Waxweiler waren, ums Leben. Zwei Wohnhäuser, das Amtsgericht und das Jugendheim wurden zerstört. Von weiteren Kriegsschäden blieb Waxweiler Gott sei Dank verschont. Bald nach dem Krieg erinnerte man sich des gegebenen Versprechens. Die treibenden Kräfte zur Errichtung des Denkmals waren Frl. Magdalena Schomer (aus der Gastwirtschaft Schomer), Elisabeth Grimbach (Schwester von J.B. Grimbach), Katharina Schaus (Kauffrau) sowie Frl. Gertrud Hoss (Hotel Hoss), die alle Mitglieder des Marienvereins waren. Im September 1946 bildete sich ein Komitee, dem folgende Personen angehörten: Peter Sartor, Landwirt und Ortsbürgermeister, Arnold Schomer, Drogist, Johann Baptist Grimbach, Lederfabrikant, Wilhelm Josef Hoss, Gastwirt und Transportunternehmer und Josef Schwickerath, Amtsbürgermeister. Als Standort des Denkmals einigte man sich auf die beherrschende Höhe des Eichelsberges. Grundstückseigentümer waren der Lederfabrikant Willi Grimbach und der Schuhmachermeister Gerhard Krämer. Sie stellten Grund und Boden kostenlos zur Verfügung. Der Trierer Bildhauer Anton Nagel wurde mit der Ausführung des Projektes beauftragt. Ihm zur Seite stand Theo Kronenwirth, ebenfalls aus Trier. Die Kosten wurden auf 20.000 Reichsmark veranschlagt .Infolge der Inflation erhöhte sich diese Summe bis zur Fertigstellung des Monumentes auf rund 32.000 Reichsmark. Das Geld wurde durch Haussammlungen in Waxweiler und den umliegenden Ortschaften aufgebracht, wenigstens der größte Teil. Im letzten Halbjahr vor der Fertigstellung wollten die Arbeiter fast nur noch in Naturalien bezahlt werden, hauptsächlich in Speck, Leder und Mehl. Obwohl in der Nachkriegszeit große Not herrschte, war die Opferbereitschaft der Bevölkerung so groß, dass genügend Geld und Naturalien zusammenkamen. Als Beispiel für die große Spendenbereitschaft der Bevölkerung ist die Aussage von Elisabeth Grimbach, einer der Initiatorinnen, überliefert, die gesagt haben soll: "Wenn et dann riet doar jeht, dahn hole mir noch en Steck." Sie meinte damit, dass, wenn der Bau der Mariensäule teurer würde als geplant, sie dann eben noch ein Grundstück verkaufen würde. Ihre Nichte Gertrud Hoss war davon wohl nicht so begeistert, denn sie soll ihr die treffende Antwort gegeben haben: "Wenns dou daht miss, dahn kahnste och bei de Madonna woane john". Wilhelm Josef Hoss hatte die Arbeit übernommen, die benötigten Steinblöcke aus den Neidenbacher Steinbrüchen nach Waxweiler zu transportieren. Das Bebauen der Steine für den Unterbau der Statue führte der Arbeiter Heinrich Adams aus der Pintesfelder Straße zusammen mit zwei Steinmetzen aus Neidenbach für schlechtes Geld aus, d.h. das Geld war damals nicht viel wert, während der Bildhauer Nagel zum Schluss nur noch gegen Bezahlung in Naturalien zu haben war. Auch die beiden Steinmetze kamen montags mit leerem Rucksack und gingen samstags mit einem vollen Rucksack nach Hause. Die Steinmetzarbeiten an den Säulenteilen und an der Statue wurden neben dem Gasthaus Schomer (heute Massagepraxis Kolling) ausgeführt, dort, wo heute das Haus von Dr. Krein steht. Der Gastwirt und Schlossermeister Peter Schomer hatte neben seinem Haus eine Schmiede, in der er die Steinmetzwerkzeuge reparierte und die Eisenanker schmiedete für das Kapitel und für die Verbindung zwischen Weltkugel und Madonna. Mit dem Pferdefuhrwerk wurden die Statue und die 13 Rundblöcke auf den Eichelsberg geschafft. An diesem kostenlosen Transport hatte der Landwirt und Müller Matthias Hoss, Godeshauser Mühle, den größten Anteil. Außerdem beteiligten sich daran Peter Kockelmann aus Heilhausen, Matthias Hack und Peter Sartor. Die beiden schweren Sockelsteine wogen jeder etwa 66 Ztr. (3,3 t) und wurden über die Laschelder Straße, die damals noch nicht geteert war, nach oben transportiert. Auf dem letzten Wegstück von der Lascheider Straße aus, an der Schutzhütte vorbei, bis zum Standort mussten vier Pferde den Wagen ziehen. Die Rundblöcke wogen immerhin auch etwa 44 Ztr. (2,2t). Zum Aufrichten der Säule wurde vor Ort unter Anleitung von Matthias Antony aus Mauel ein Gerüst aus sechs Stämmen von mehr als 20 m Höhe errichtet. Die Stämme waren im Hofswald geschlagen worden. Am Gerüst hing ein Flaschenzug, mit dem die Blöcke hochgezogen wurden. Der Flaschenzug war mit einer sogenannten Laufkatze verbunden, die in Eisenschienen lief. Dieses kraftsparende Hilfsmittel hatte der Maschinenbaumeister Heinrich Schaus konstruiert. War ein Steinblock hochgezogen, musste er in die richtige Position über der Säule gebracht werden. Dies besorgten Friedel Schwickerath und Winfried Grimbach, indem sie oben auf dem Gerüst mit einem Montiereisen die Laufkatze Stück für Stück zur Säule bewegten. 20 Monate dauerte es, bis dieses beispiellose Gemeinschaftswerk der Bevölkerung vollendet werden konnte. Am Tag der Einweihung, dem 9. Mai 1948 (2. Maisonntag), pilgerte eine mehrere hundert Personen zählende Prozession von nah und fern auf den Eichelsberg. Pastor Fritz Billen vom Berscheider Hof nahm die Einsegnung des Denkmals vor. Er hielt auch die Predigt. Seitdem findet jedes Jahr am 2. Sonntag im Mai die Prozession zur Mariensäule statt. Die weltliche Übergabe des Denkmals an die Kath. Kirchengemeinde, vertreten durch Pastor Schlüter, nahm Ortsbürgermeister Peter Sartor vor. Der Musikverein "Lyra" und der Männergesangverein "Eintracht" umrahmten mit ihren Darbietungen die Feier. Eine Kollekte an Ort und Stelle brachte noch nicht genügend ein, die restlichen Verbindlichkeiten zu decken. Das Modell der Statue wurde dem Hilfssteinmetz Heinrich Adams geschenkt. 1949/50 wurde die Beleuchtung installiert. Die Erdverkabelung der Lichtleitung erfolgte 1956. An diesen Arbeiten hatte der Vater von Hugo Steffen großen Anteil. In den letzten Jahren versperrten die höher gewordenen Bäume immer mehr die Aussicht auf die Mariensäule. Das Kuratorium der Faber‘schen Studienstiftung nahm sich der Neugestaltung der kompletten Anlage an. Hierbei wirkten mit: Heinz Cremer, Peter Kockelmann, Norbert Junghölter, Peter Zwicker, Heilhausen, Willi Hermes, Manderseheid, Firma Hermann Koppen und Jürgen Last. Der zuletzt genannte pflegt schon seit vielen Jahren zusammen mit dem Kegelklub, dem er angehört, die Anlagen um die Mariensäule. Nun öffnet sich wieder der schöne Ausblick ins Prümtal und auf die umliegenden Höhen. Die Mariensäule selbst ist wieder in ihrer vollen Größe aus der Umgebung zu sehen. Abends und nachts erstrahlt sie in lichtvollem Glanz. Im Rahmen der Neugestaltung wurde die Anlage um einen Altar erweitert, ebenfalls aus Neidenbacher Sandstein. Der Altar steht auf einer gemauerten Plattform aus heimischen Schieferplatten. Die Steinmetzarbeiten am Altar hat Norbert Leisen aus Neidenbach ausgeführt, die Schieferplattform hat sein Bruder Mathias Leisen aus der Pintesfelder Straße errichtet. Am 11. Juli 2005 wurde der Altar im Rahmen der Jubiläumsfeierlichkeiten des Waxweiler Pfarrers Hubert Colling (25-Jähriges Priesterjubiläum, 20-jähriges Orts Jubiläum) von diesem und dem brasilianischen Bischof Osvino Both im Beisein der Bevölkerung eingeweiht. Die Mariensäule hat eine Gesamthöhe von 16 m. Die Madonna mit Kugel ist 4,30 m hoch. Die Inschrift auf der Säule lautet: Dir Immaculata in Dankbarkeit 1948.   Nun thront die Gottesmutter hoch über dem Eifelort Waxweiler und schaut weit ins Land hinein. Ihr Ehrenmal ist stets eine gern gesehene Andachtsstätte. Madonna, mir soan häezlich Dank Fier dengen Schotz an Nukt und Leed. Bleiw Maam ies bas an Iwigkeet. Der Text stammt aus dem Buch über Waxweiler von Edmund Endres, ergänzt durch Erinnerungen von Peter Kockelmann, Heilhausen, Walter Flämig sen. (damals Küster), Albert Sartor, Wilhelm Hoss (Hotel Hoss) und durch aktuelle Informationen aus dem Pfarrboten Nr. 7 / 2005, zusammengetragen von Fritz Knob, Eifelverein Waxweiler. So finden Sie die Mariensäule: Als Wanderer gehen Sie Über den Parkplatz hinter der Kreissparkasse, überqueren den Weiherbach und folgen der Beschilderung durch den Eifelverein (schwarzer Pfeil auf weißem Grund). Mit dem Auto fahren Sie Richtung Bitburg, in der ersten scharfen Rechtskurve Richtung Lascheid, dann folgen Sie dem Hinweisschild zur Mariensäule.

Einordnung

Ersteller, Baumeister, Architekt, Künstler:
Nagel, Anton (Bildhauer), Trier
Kategorie:
Bau- und Kunstdenkmale / Sakralbauten / Bildstöcke und Kreuzwegstationen
Zeit:
09.05.1948
Epoche:
20. Jahrhundert

Lage

Geographische Koordinaten (WGS 1984) in Dezimalgrad:
lon:   6.3697
lat: 50.09562
Lagequalität der Koordinaten: Genau
Flurname: Eichholzberg

Internet

www.kirchengemeinde.waxweiler.com http://www.kirchengemeinde.waxweiler.com

Datenquelle

Der Text stammt aus dem Buch über Waxweiler von Edmund Endres, ergänzt durch Erinnerungen von Peter Kockelmann, Heilhausen, Walter Flämig sen. (damals Küster), Albert Sartor, Wilhelm Hoss (Hotel Hoiss) und durch aktuelle Informationen aus dem Pfarrboten Nr. 7 / 2005, zusammengetragen von Fritz Knob, Eifelverein Waxweiler.

Bildquellen

1 Bild: © Uwe Widera, 54550 Daun, 2011.
2 Bild: © Uwe Widera, 54550 Daun, 2011.
3 Bild: © Uwe Widera, 54550 Daun, 2011.
4 Bild: © Uwe Widera, 54550 Daun, 2011.
5 Bild: © Uwe Widera, 54550 Daun, 2011.
6 Bild: © Uwe Widera, 54550 Daun, 2011.

Stand

Letzte Bearbeitung: 03.06.2011

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