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Frabillenkreuz - etymologische Wortbestimmung

Nusbaum, Gemeinde Nusbaum

Beschreibung

Frabillenkreuz (auch Fraubillenkreuz) Standort : Ferschweiler Plateau (D) im deutsch- luxemburgischen Grenzgebiet. Topographische Karte 6104 Bollendorf. Anfahrt: Holsthum > Ferschweiler > NW- Wald. Typologie : Menhir (umgspr.: Langer-, Hinkel-, Glucken-, Mutterstein u.a.). Zeitstellung(W-Eur.): End-Neolithikum = Megalithzeitalter ca. 3200-1800 v. Chr.; regional noch später. Vorkeltisch-heidnisches, später von Kelten u. Galloromanen rezipiertes Kultobjekt mit originär weiblich impliziertem Kultmuster. >> wurde im Verlauf der von Echternach ausgehenden Willibrord-Mission ab Ende 7. Jh. n.Chr. am oberen Teil in eine Kreuzform umgearbeitet. 2 mittelalterl. Flachnischen. Die untere Hälfte blieb in seiner ursprünglichen Form erhalten. Setzungsbedingte leichte Kippstellung. Etymologische Nomen-Bestimmung: Welche Spracheinflüsse dort nach den urnenfelderzeitlichen, keltischen, gallo-römischen und fränkischen idiomatischen Einflüssen in 'Frabille' adaptiert und tradiert wurden (vergl. dort parallel auch regionale Berg-, Fluss- u. Ortsnamen von pagan-religiöser Provenienz!), das lässt sich etymologisch erschließen. Die bis in die Gegenwart tradierte Benennung des Menhirs geht meinen Ermittlungen zufolge zurück auf etymologisch nachweisbare Wortglieder : fra (got.) = Herrin sowie bhilo (kelt.) = gut, freundlich, lieb. Letzteres generell zugehörig zum griech. (= indogerm.) 'philós' = gut, lieb. So auch (gälisch-kelt.) 'bil' = gut; dsgl. (ahd.) 'bili' / 'bi-luh' = ebenmäßig, geziemend. Weiterhin (mhd) 'bilwiz'' = guter Geist; oder auch 'bilido'' = Unbill. Vergl. auch: (hochdeutsch) billigen = gutheißen und 'es ist recht und billig'. Quelle : A. Walde und J. Pokorny (Hrsg..) , Vergleichendes Wörterbuch der indogermanischen Sprachen. Bd. II (Berlin und Leipzig 1927) 185 . Aus den Begriffsgliedern 'Fra-bille' ist eine spätestens in der Spätantike/ Mittelalter zuzuordnende Benennung anzunehmen : 'Fra-bille' = 'Herrin-geliebt' oder 'Gute Herrin' >> analoge Sinnbelegung bis in die Gegenwart für Marien-Kulteinrichtungen als : 'Zu unserer lieben Frau von ...' (> Notre Dame). Dem vorgeschichtlichen Menhir 'Frabille', einem ursprünglich heidnischen Kultstein, wurde demnach vermittels der Volksfrömmigkeit im späteren christlichen Milieu seine einstige religiöse, rezeptionsfähige Analogie zugestanden, d.h., zum Kreuz 'ertüchtigt', jedoch in diesem Kontext weiterhin kultisch der göttlichen 'Herrin' (fra) gewidmet. Typologisch fassbar wird der archaische Kultbezug zu einer w e i b l i c h geglaubten Manifestation im Stein (Mater Terrae-Bezug / Fruchtbarkeitskulte) als ein neolithischer Topos in Existenz der bodennahen vulvenförmigen Eintiefung (vergl. hierzu das ca. 1000 Jahre jüngere (!) = urnenfelderzeitliche (?) Felsbild bei Kédange/Klang (F). Auf dem unteren Korpus des Frabillenkreuzes wurde die Vulva später vergesellschaftet mit dem zeitlich wesentlich jüngeren, stilisiert inzisierten Lebensbaummotiv : eine auch sonst regelmäßig wiederholte kulttypische Motivligatur ! Vergl. Knochenstatuette vom Abri Gaban, Trento ( in : A. Metzen, Heidenbilder, Abb. 29 (Frankfurt 2008) 82 . Diese Details wurden von mir seit 1980 anlässlich mehrerer Exkursionen zu den Denkmälern des Ferschweiler Plateaus dem Kreis der Anwesenden vorgetragen, u.a. anlässlich der Begleitung des SWR-TV (Team-Ltng. Maja Hattesen), 1998. Die bislang u.a. verbreitete Deutungsvariante mit Bezug zur 'Sibillen'-Legende ist für die Objektbenennung 'Frabille' durch keine gesicherten Quellen belegt. Die o.g. etymologische Nomendeutung zu 'Frabille' ist auch behandelt in : Arnold Metzen, HEIDENBILDER - Herkunft und Morphologie heidenchristlicher Sinnbilder (Frankfurt 2008) 209 . und als Zitat in: U. Siewers, Erlebnis-Wandern - Spurensuche in der Eifel, Bd.2 (Bonn 2002) 33f. ["© Arnold Metzen, Wiesbaden, 2014 http://metzen-domain.de.tl/Sonstige-Publikationen.htm"]

Einordnung

Kategorie:
Archäologische Denkmale / Steinmale, Menhire / Ohne
Zeit:
Bis circa 500 vor Chr.
Epoche:
Vor- / Frühgeschichte

Lage

Geographische Koordinaten (WGS 1984) in Dezimalgrad:
lon:   6.371034
lat: 49.874268
Lagequalität der Koordinaten: Genau
Flurname: Bei Fraubillenkreuz

Internet

http://metzen-domain.de.tl/Home.htm

Datenquelle

© Arnold Metzen, Wiesbaden, 2014 http://metzen-domain.de.tl/Sonstige-Publikationen.htm

Bildquellen

1 Bild: © Jan Bily, Megalithic Pages
2 Bild: © Jan Bily, Megalithic Pages

Stand

Letzte Bearbeitung: 26.07.2014

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