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Ehemaliges Klostergebäude

Prüm, Gemeinde Prüm

Denkmalzone Pfarrkirche St. Salvator ehem. Kloster

Baubeginn wohl um 1735, Architekten Jörg Seiz und Johannes Seiz, nach Teileinsturz ab 1744 mit Balthasar Neumann, 1748–65, Instandsetzung und Aufbau der fehlenden Flügelabschnitte auf vorhandenen Fundamenten 1908–12; zwei- und dreigeschossige Spätbarockbauten mit hervorgehobenem Nordflügel (ehemals Wohnung des Kurfürsten), Hauptfassade um 1910, mittelalterliche Baureste im Keller des Westflügels. [1] 721 von der fränkischen Edle Bertrada und ihrem Sohn Charibert gestiftet worden. Das Kloster besaß im Mittelalter hohe kulturelle Bedeutung und wurde nach Plänen von Balthasar Neumann umgestaltet (heute: Schule). > Fast in der Mitte zwischen Trier und Köln liegt das 6000 Einwohner zählende Eifelstädtchen Prüm. Wer auf der Bundesstraße 51 von Trier kommt, sieht von der Höhe der Held im nicht allzu breiten Tal der Prüm die Stadt unter sich liegen und in ihrer Mitte die große Anlage der ehemaligen Benediktiner-Reichsabtei Sankt Salvator. Wer auf der gleichen Bundesstraße von Köln her in die Stadt einfährt, stößt in der Stadtmitte auf die mächtige Fassade der Abteikirche, an die sich das ehemalige Kloster anschließt. Die Größenverhältnisse überraschen, und die Bauformen deuten darauf hin, dass hier mehrere Baumeister am Werk waren. Geschichte. Im Jahre 721 gründete hier im Tal der Prüm auf einem Schuttkegel des Tettenbachs an der Stelle, an der sich heute der Friedhof befindet, Bertrada, eine fränkische Edle, zusammen mit ihrem Sohn Charibert, dem späteren Grafen von Laon, ein Kloster, das sie mit Mönchen aus der vom heiligen Willibrord in Echternach gegründeten Abtei besiedelte, die nach der Regel des irischen Heiligen Kolumban lebten. Dem Kloster wurde, wie es in der Gründungsurkunde heißt, zur Aufgabe gemacht, Tag und Nacht die Barmherzigkeit Gottes zur Vergebung der Sünden für die Stifterin und ihre verstorbenen Söhne herabzuflehen. Das Kloster Prüm war die erste Gründung des 8m rheinischen Raum, während die Gründungen des 7. Jahrhundert vorwiegend in den Ardennen lagen. Die Prümer Gründung scheint jedoch in den Anfängen steckengeblieben zu sein, denn 752 wiederholte Pippin, der Berta, eine Enkelin der Bertrada geheiratet hatte, aus Dankbarkeit für seine Anerkennung als König die Gründung mit Mönchen aus Sankt Faron in Meaux bei Paris, die die Regel desBenedikt befolgten. Zehn Jahre später konnte Pippin erreichen, dass Papst Zacharias dem jungen Kloster Teile der Sandalen Christi schenkte. Das Kloster wuchs und erfreute sich in den folgenden Jahrzehnten der besonderen Gunst der Karolinger. Im Jahre 799 weihte Papst Leo III. in Anwesenheit Karls des Großen die Goldene Kirche, sogenannt wegen ihrer Schätze, einen romanischen Bau mit zwei Türmen, der einige hundert Meter weiter nördlich als Kurfürstliches Schloss die Gründerkirche lag. Der Enkel Karls, Kaiser Lothar 1., teilte 855 in Schüller, nicht allzu weit von Prüm, sein Reich, legte die Krone nieder und trat als Mönch in die Abtei Prüm ein. Als er bald darauf starb, fand er sein Grab vor dem Hochaltar der Klosterkirche. - Wenige Jahre später, 882 und 892, überfielen die Normannen Prüm und zerstörten Kloster und Siedlung. Den Wiederaufbau leitete der neue Abt Regino, wohl der bedeutendste Vorsteher des Klosters, der besonders als Schriftsteller hervorgetreten ist: Von ihm stammt neben einer musikwissenschaftlichen Arbeit und einem kirchenrechtlichen Werk die erste in Deutschland geschriebene Weltchronik. Bald traten die Grafen von Hennegau als Gegner auf, und Regino musste Prüm verlassen. Um das Jahr 900 fand er Zuflucht in der Abtei Sankt Martin in Trier, 915 starb er in Sankt Maximin. - Regino kam aus Altrip bei Speyer, einem der sechs Orte, in denen die Abtei Zellen mit Mönchen eingerichtet hatte, die von hier aus den weiten Besitz verwalteten. Neben Altrip müssen Güsten in Holland, Revin in Frankreich, Kesseling an der Ahr, Münstereifel und Sankt Goar genannt werden. Der übrige Klosterbesitz war allerdings noch weiter verstreut und zwar über ein Gebiet, das von der Bretagne bis zur Rhone, von Holland bis ins Münsterland reichte. Zeitweilig zählte das Kloster über 180 Mönche, es besaß eine ausgezeichnete Klosterschreibstube, von der noch heute kostbare Handschriften in Madrid, Rom, Paris, Manchester, Koblenz und Trier zeugen. Ansehen und Besitz des Klosters wuchsen bis zum Beginn des 13. Jahrhundert; dann geht das allgemeine Interesse zurück, das sich jetzt dem neugegründeten Zisterzienserorden zuwendet. Zur gleichen Zeit begann aber auch der Kampf der Nachbarstaaten um das Fürstentum Prüm. Durch das Gesetz Friedrichs 11. (in favorem principum) war auch die Abtei Prüm mit ihrem Umland zu einem selbständigen Fürstentum mit einem Fürstabt zusammengefasst worden, das mit eigener Stimme auf den Reichstagen vertreten war. Zunächst war es Luxemburg, das sich für Prüm interessierte; als Graf Heinrich von Luxemburg 1308 deutscher Kaiser und sein Bruder Balduin Kurfürst und Erzbischof von Trier wurde, lenkte Trier sein Augenmerk auf Prüm. Es sollte allerdings noch bis 1576 dauern, bis Kurtrier Prüm endgültig einverleiben konnte. Der Kurfürst von Trier war fortan Administrator der Abtei, den in Prüm der Prior vertrat. Neben den genannten Zellen gründete das Kloster 1016 in Prüm ein Chorherrenstift, dem Kaiser Heinrich II. das Marktrecht verlieh. Es übernahm im 15. Jahrhundert die Pfarrseelsorge. 1190 folgte ein Benediktinerinnenkloster, das bis zu seiner Auflösung im Jahre 1802 dem Adel Mitteldeutschlands und Bayerns vorbehalten war, während das zunächst adelige Salvatorkloster seit der Mitte des 16. Jahrhundert dem Bürgertum offenstand. Mehrmals versuchten die Mönche, ihre Selbständigkeit wiederzuerlangen, zuletzt im sogenannten Prümer Krieg: 1768 hatten die Mönche beim Tode des Kurfürsten versucht, ihre Unabhängigkeit zu erreichen, kapitulierten aber vor dem trierischen Militär. - 1794 rückten französische Revolutionstruppen in Prüm ein; vorübergehend mussten die Mönche Prüm verlassen, konnten aber im Jahr darauf wieder zurückkehren. Endgültig verließen sie Prüm nach der Säkularisation im Jahre 1802. Das Klostergebäude war zunächst Sitz verschiedener Behörden, bis es dann ganz an das Staatliche Regino-Gymnasium überging. Die Kirche wurde Pfarrkirche, nachdem die alte Stifts- und Pfarrkirche zum Abbruch freigegeben worden war. 1950 wurde sie zur Basilica minor erhoben. Baugeschichte. Mit dem Übergang der Abtswürde an den Kurfürsten von Trier (1576) war auch die sogenannte Abtsportion an diesen übergegangen und damit die Verpflichtung, für die Klosterbauten zu sorgen. Da zu Anfang des 18. Jahrhundert bei der goldenen Kirche starke Schäden auftraten, beauftragte der Kurfürst seinen Hofbaumeister Hans Georg Judas 1721, eine neue Klosterkirche zu bauen, bei der ein Turm der bisherigen Kirche als linker Eckturm Verwendung finden sollte. Am Turm findet man Reste der Vorgängerkirche. Als Judas 1726 starb, war die Kirche erst zum Teil fertig, vollendet wurde sie unter dem neuen Hofbaumeister Paul Kurz. Beide haben zur Innenausstattung nichts beigetragen. - Als in den vierziger Jahren des 18. Jahrhundert auch die Abteigebäude schadhaft wurden, rief Kurfürst Franz Georg den fränkischen Barockbaumeister Balthasar Neumann nach Prüm, nach dessen Plänen dann sein Meisterschüler Seitz die Abtei aufführte. An den Klosterbau ließ Kurfürst Franz Georg einen schlossartigen Teil anfügen, der aber nur zur Hälfte fertig wurde. Die Baumeister. Neumann, Judas und Kurz waren Architekten verschiedener Herkunft und recht unterschiedlichen Könnens. Mag auch der Bau der Abtei als Alterswerk Neumanns nicht mehr die dynamische Durchformung seiner früheren Werke haben, so ist doch ihre Nordfront eine der schönsten in der Eifel, wenn nicht gar des ganzen Rheinlandes. Während in anderen Landschaften gewaltige Klosteranlagen aufgeführt wurden, sind in den Jahren 1676 bis 1729 im Trierer Raum keine Bauwerke von überragender Bedeutung entstanden. Kurfürst Johann Hugo von Orsbeck (1676 - 1711) hatte nach einer langen Kriegszeit mit dem Wiederaufbau seines Landes zu tun, Karl von Lothringen (1711 - 1715) regierte zu kurz, und Franz Ludwig von Pfalz-Neuburg (1716-1729) verwaltete sein Land von Breslau aus, bis er die Trierer Kurwürde gegen die von Mainz eintauschen konnte. Wenn in dieser Zeit gebaut wurde, baute man im Stil des 17. Jahrhundert Dem geringen Bauinteresse der Landesherren entsprach auch das Können ihrer Hofbaumeister. Hans Georg Judas, vermutlich zwischen 1640 und 1645 geboren, war ursprünglich Zimmermann und hatte als solcher vor allem mit den Trierer Hofbaumeistern Sebastiani und Ravensteyn zusammengearbeitet. Im hohen Alter hat er das Zimmerhandwerk aufgegeben, um nun selbst als Baumeister und Bauunternehmer aufzutreten. In Trier erneuerte er die Moselbrücke, 1717 baute er den abgebrannten Dom wieder auf und kümmerte sich, nachdem er 1723 als Hofbaumeister an die Stelle Ravensteyns getreten war, um den Straßen- und Brückenbau. Als er 1726 starb, wusste man zunächst keinen Nachfolger zu finden. Die Baukunst des Kurfürstentums hatte sowieso den Anschluss an die Entwicklung der deutschen Baukunst verloren. 1727 entschloss man sich schließlich, den Franziskanerbruder Paul Kurz aus Luxemburg als Hofbaumeister einzustellen, von dem lediglich berichtet wird, dass er des Bauwerks verständig gewesen sei. Er blieb jedoch nur bis 1731 in diesem Amt und kehrte in sein Kloster in Andernach zurück. Im Jahre 1729, nach Fertigstellung der Abteikirche in Prüm, war in Trier Franz Georg aus dem Hause Schönborn Kurfürst geworden, und mit dem Baumeister der Schönborn, mit Balthasar Neumann, zog dann auch ein wenig vom mainfränkischen Barockgeist im Trierer und Prümer Raum ein. Äußeres. Die Prümer Kirchenfassade ist die einzige, die Judas gebaut hat. Dabei verwendete er einen gotischen Turm der Vorgängerkirche, indem er ihn mit Barockformen ummantelte, im Inneren aber als interessantes gotisches Architekturstück bestehen ließ. - Die platte Fassade ist eine rechteckige Tafel, die in ein breites Mittelfeld und schmälere Seitenteile zerlegt ist. Das Mittelfeld wird von Pilastern mit jonischen Kapitellen eingefasst und von einem doppelt geschwungenen Giebel bekrönt, während auf den Seitenteilen einfach geschwungene Giebel aufsitzen, die in das Oktagon der Türme überleiten. Tief herabgezogene Kuppeln mit Laternen und Spitzhelmen bekrönen sie. Man wird dabei an die Kirchen in Wittlich und Sankt Florin in Koblenz erinnert, die Ravensteyn aufgeführt hat. Der Turmsockel ist einfach gehalten mit drei gleichförmigen Portalen, deren Vorbilder in Koblenz zu finden sind und ebenfalls auf Ravensteyn zurückgehen. Der Segmentgiebel des mittleren, größeren Portals ist im mittleren Drittel geöffnet und zeigt das Wappen der Abtei. Die Figurennischen zu beiden Seiten des Portals werden von Muscheln nach oben abgeschlossen; die wenig guten Figuren des 19. Jahrhundert hat man vor wenigen Jahren durch Experimente unserer Tage ersetzt (links König Pippin, rechts Karl der Große). Das Mittelgeschoss des Zwischenbaus enthält eine reichdekorierte Muschelnische mit einer recht schönen Madonna auf Wolken, von Engeln umgeben. Zu beiden Seiten der Nische sind schmale, sehr lange und rundbogig abgeschlossene Fenster angebracht, deren Umrahmungen im Mauerwerk weitergeführt sind als Umrahmung einer Vasendekoration; dadurch sind die Fenster optisch wenigstens oben auf dieselbe Höhe wie die Blendfenster der Seitenteile gebracht. Der Giebel wird bekrönt von den Figuren Christi, des heilige Benedikt und der heiligen Scholastika. Der übrige Außenbau ist schmucklos. Bemerkenswert ist der hohe Chor mit Strebepfeiler im Osten, dessen Dach von einem kleinen Dachreiter markiert wird. Inneres. Auch das Kircheninnere zeigt die Abhängigkeit von Ravensteyn. Die Kirche ist über den Grundriß einer dreischiffigen Basilika erbaut, der dem der Kirchen in Wittlich und Koblenz ähnelt. Hier wie auch beim Trierer Dom hat Judas am alten Grundriß festgehalten. - Das Raumschema ist das einer romanischen Basilika, aber mit völlig veränderten Maßverhältnissen. Die Seitenschiffe, etwa halb so breit und hoch wie das Mittelschiff, treten stark zurück. Dieses empfängt sein Licht aus hohen Fenstern in der Obergadenwand. Im Chorschluß sind die Fenster nach unten verlängert, dadurch wird die Helligkeit im Altarraum gesteigert und die Erinnerung an gotische Bauten verstärkt. Der Kirchenraum ist einheitlich mit Kreuzrippengewölben überspannt; flache Pilaster ersetzen die Dienste, die von massiven Sandsteinpfeilern auf kreuzförmigem Grundriß aufsteigen. Der Raumeindruck ist kühl und weit. In der Stimmung und in der Art, wie die Formen gotischer Wölbung durch Renaissancepilaster mit Gurten ersetzt sind, erinnert die Basilika an die idealen Kirchenräume in den Bildern des Perugino (1450-1523, Lehrer Raffaels). Mit der Architektur ihrer Bauzeit (gleichzeitig Klosterkirche Weltenburg/Donau; vgl. Schnell, Kunstführer Nr. 360) ist die Kirche nicht zu vergleichen. Der Inneneinrichtung liegt kein einheitlicher Plan zugrunde; alle Teile wurden nach und nach geschaffen oder eingebaut. 1730 und 1731 entstanden Empore und Chorgestühl, 1782 die Orgel, 1822 kam die Kanzel in die Kirche, 1878 das Kaisergrab, Ende des Jahrhunderts der Reliquienschrein, 1927 der Hochaltar und nach 1945 die Nebenaltäre, die Passionsszenen und die Grablegungsgruppe. Beim Eintritt in die Basilika fällt der Blick auf den mächtigen barocken Hochaltar der die ganze Breite des Chorraums füllt. Der Chorraum wird auf beiden Seiten vom Chorgestühl und nach Westen zu von einer barocken Kommunionbank begrenzt. Zunächst hatte man in der Klosterkirche einen wenig prunkvollen Barockaltar mit vier Säulen aufgestellt, der 1866 durch einen neugotischen Altar (Kreuzigungsgruppe) ersetzt wurde. 1927 vermittelte Erzbischof Bornewasser von Trier den barocken Hochaltar der Karmeliterkirche Sankt Nikolaus in Kreuznach, den, wie an drei Kapitellen zu lesen ist, die Karmeliterbrüder Andreas Mosong, Johannes Petri Zentze und Simon Dietz 1727 gefertigt haben für einen Kirchenraum, der zwar aus der Zeit zwischen 1290 und 1432 stammt, aber in seinem Aussehen weitgehend der Prümer Klosterkirche entspricht, wenn er auch weit schmäler ist. Der Altar wurde 1896 bei der Renovierung der Nikolauskirche entfernt und musste nach jahrelanger Verwahrlosung mit hohen Kosten restauriert werden. Diese Renovation durch den Bildhauer Hellwege entsprach dem Geschmack der Zeit, entsprach aber nicht der ursprünglichen Farbgebung. Diese kam bei der Restaurierung 1982/83 bis zu 80% wieder zum Vorschein. Das ursprüngliche Altarbild, das vor wenigen Jahren in Kreuznach wiedergefunden wurde, wurde wieder eingesetzt. Es besteht zudem die Möglichkeit, anstelle des Marienbilds ein Kruzifix - Zeichen der Salvatorkirche - sichtbar zu machen. Auf einem zweistufigen Unterbau erheben sich rechts und links vom eigentlichen Altar zweimal drei Säulen, dazwischen liegt eine breite Hohlkehle, die mit graziösem Ornament aus dem Frührokoko mit starkem französischem Einfluss geschmückt ist. Die Flügel sind leicht vorgezogen, jedoch nicht mehr so weit wie in Kreuznach; deshalb ergänzte man die beiden Figuren aus Kreuznach, die heilige Helena und den heiligen Nikolaus, durch die Figuren der heiligen Brigida und eines Prümer Abtes, des heiligen Ansbald. - Über dem Altartisch, der aus dem Jahre1628 stammt, erhebt sich der Tabernakel, darüber ein Drehtabernakel. Die Uhr, die ja in vielen Barockaltären zu finden ist, zeigt seit 1983 wieder die Zeit an. An ihr sind die Gebetszeiten Prim, Terz, Sechst und Non abzulesen. Damit verbunden waren in Kreuznach die beiden Engel, die mit Hämmern Glocken schlugen, heute aber Palmzweige tragen. Das Dreifaltigkeitsbild in einem Oval zwischen einer Wiederholung des Säulenaufbaus wird ergänzt durch das Symbol für Gott Vater vor Wolken und einem Strahlenkranz. Das Chorgestühl aus dem Jahre 1731 (Jahreszahl auf der Tasche eines Jägers) steht im Grunde fremd im Chor, in den eher ein gotisches Gestühl gepasst hätte. Wenn auch hier manches flächig wirkt wie bei der Kirchenfassade, so dürfte das Gestühl mit seinen doch reichen barocken Formen nichts mit Judas oder Kurz zu tun haben. Der Schöpfer ist unbekannt. Die hohen Wände, darüber ein mit Akanthusblättern gestütztes, weit ausladendes Gesims sind durch Pilaster in Felder geteilt, die abwechselnd ein großes Medaillon mit dem Porträt eines Benediktinerpapstes und Reliefs mit Bildern aus dem Leben desBenedikt bilden. Vor den Pilastern finden wir fast vollfigurige Personifikationen der Tugenden, des Handwerks und der Künste. Die Lehnen der Sitze sind wieder mit Akanthus bedeckt und enden in Tierfußmotiven. - Biblische Motive zeigen die meisten Misericordias, die kleinen Stützbretter an der Unterseite der beweglichen Sitze. Besonders hervorzuheben ist das zweite Stützbrett auf der linken Seite der hinteren Reihe, welches das Wappen der Reichsabtei, den doppelköpfigen Adler mit dem Lamm als Brustbild zeigt. Auf der rechten Seite in der vorderen Reihe sind sechs Jagdszenen dargestellt: zwei schießende Jäger, ein Hund, ein Hase, ein Wildschwein und ein Hirsch. - Über dem Chorgestühl hängen rechts und links zwei Gemälde von dem Barockmaler Januarius Zick, die in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhundert für den Klosterkreuzgang geschaffen wurden. Das linke Bild stellt die Zweitgründung des Klosters 752, das rechte die Weihe der Goldenen Kirche im Jahre 799 dar. In der Nähe des Hochaltares hängt ein Gemälde, das aus der Schule von Zick stammen könnte. Zwischen Hochaltar und Chorgestühl rechts und links zwei Besonderheiten aus dem 19. Jahrhundert: das Kaisergrab und der Reliquienschrein. Letzterer wurde Ende des 19. Jahrhundert von den Apothekern des Kreises gestiftet und enthält neben anderen Reliquien Partikel der Sandalen Christi, die auf einem Prachtschuh des 10. - 12. Jahrhundert, versehen mit Rankenmustern, Blattgebilden und Löwen aufgenäht sind. Früher wurde die Reliquie an bestimmten Tagen ausgestellt, vor allem während der Aachener Heiligtumsfahrt. Das Kaisergrab wurde 1874 unter der Regierung König Wilhelms von Preußen erneuert und enthält die Gebeine Kaiser Lothars I., die beim Neubau der Kirche 1721 gehoben und dann lange Zeit in zwei Reliquienbehältern auf dem Hochaltar aufbewahrt waren. Der linke Seitenaltar ein barocker Marienaltar, kam nach 1945 aus der Schlosskapelle von Malberg bei Bitburg nach Prüm und wurde durch die beiden Patrone der Schuhmacherzunft, den heiligen Crispinus und den heiligen Crispinianus, die aus der 1949 zerstörten Kalvarienbergkapelle stammen, ergänzt. Der Josefsaltar auf der rechten Seite stand vor 1802 in der Klosterkirche von Sankt Martin in Trier. Die Kanzel kam zwar erst 1822 in die Kirche, ist aber älter. Als Erzbischof Johann VII. von Schönberg (1581 -1599) Kurfürst von Trier wurde, ließ er die Prümer Abteikirche renovieren und gab bei dem Trierer Bildhauer Hans Ruprecht Hoffmann eine Kanzel für Prüm in Auftrag. Wieweit Hoffmann selbst an der Kanzel gearbeitet hat, lässt sich nicht feststellen, wenn auch sein Zeichen H.R.H. an der Kanzel eingraviert ist. Die Bilder gehen fast alle auf die aus seinen Werken bekannten Darstellungen zurück. Hoffmann stammte aus der Pfalz und war über die Niederlande nach Trier gekommen, wo er den Petrusbrunnen auf dem Hauptmarkt und die Domkanzel geschaffen hat. Die Prümer Kanzel zeigt nachwirkende Gotik, während man in den Ornamenten die Renaissance spürt. Auf einfachem Sockel steht ein achteckiger Fuß, geziert mit Engelsköpfen, Frucht- und Laubgehängen. Darüber erhebt sich der aus vier Reliefbildern aufgebaute Kanzelkorpus aus hellem Sandstein. Die Kanzel predigt Christus, das Licht der Welt, worauf die Bildunterschriften hinweisen, so die zum Verkündigungsbild, zur Geburt Christi, zur Taufe Christi im Jordan und zur Auferstehung. Auf der Vorderseite ist das Wappen des Stifters angebracht: Das Trierische Kreuz in Feld eins und vier, die Schönberger Kreuze in Feld zwei und drei, darüber als Herzschild das Wappen der Abtei. - Beim Abbruch der goldenen Kirche 1721 kam die Kanzel als einziger Teil dieser Kirche in die Stiftskirche und kehrte nach deren Abbruch wieder in die Abteikirche zurück. Bei der Restaurierung des linken Turmes entstand 1992 eine neue Kapelle, in deren Altar die Reliquien der heiligen drei Ärzte eingelassen sind, die seit dem 8. Jahrhundert in Prüm verehrt werden. Bei der Restaurierung wurde das gotische Gewölbe wieder herausgearbeitet. An der Rückwand der Kapelle fanden die Reste eines gotischen Passionsaltares aus der Kalvarienbergkapelle, die 1949 zerstört wurde, ihre Aufstellung in Altarform. Aus dieser Kapelle stammt auch eine Grablegungsgruppe, die als letzte Station eines 1527 begonnenen Kreuzwegs galt. Sie besteht aus dem liegenden Christus mit zwei Trägern (Holtermänner genannt), Maria und Johannes (Terrakotta) in barocker Haltung, während die übrigen Figuren Formen der Renaissance zeigen. Die Gruppe steht im rechten Seitenschiff hinter der Taufkapelle mit dem Taufstein aus der 1822 abgerissenen Stiftskirche. An der Rückwand des linken Seitenschiffs hängt ein Ölgemälde, das aus der Schule des Januarius Zick stammen könnte. Es stellt eine Szene aus der Pfeilsage dar, nach der der Graf von Laon ein Kloster an der Stelle gründen wollte, an der der Pfeil mit der Stiftungsurkunde niedergehe. Er soll in Prüm niedergegangen sein. Die Kirchenfenster die nach dem Zweiten Weltkrieg eingefügt wurden, zeigen die Wappen der Trierer Administratoren, des Erzbischofs Bornewasser, des Landes Rheinland-Pfalz und der Abtei. Im Westchor der Kirche hat man 1730 zwischen den beiden Türmen eine Orgelempore eingefügt. Geplant hatte man zunächst eine Dreiteilung des Emporengewölbes, dann aber wählte man einen weitgespannten Bogen und dekorierte Stirn und Leibung reich mit Stuck. Zweimal werden die Embleme der Musik, der Bildhauerei, der Architektur und des Kriegsbauwesens dargeboten, einmal in den Zwickeln rechts und links über dem Bogen einmal bei den weiblichen Figuren, die am Bogenansatz unter der Leibung angebracht sind. Die Mitte der Stirn bildet im Hochrelief das kurfürstl. Schönbornsche Wappen. Einen krönenden Abschluss bildet die Orgel, neben dem Chorgestühl der einzige Teil der Innenausstattung, der für die Abteikirche selbst geschaffen wurde. Schon vor 1576 hat es, einem Visitationsbericht zufolge, eine Orgel gegeben, die aber nicht in die neue Kirche übernommen wurde; denn mehrere Jahre behalf man sich mit einer geliehenen Orgel, bis Kurfürst Clemens Wenzeslaus 1782 die Auszahlung von 4000 Reichstalern für Altäre und Orgel anordnete. Das neue Werk wurde ausgeführt von dem Orgelbauer Nollet aus Orval (Belgien), der auch die Orgeln in Sankt Simeon und Sankt Paulin in Trier gebaut hat. Den Orgelprospekt entwarf Joh. Seitz (Schüler Neumanns), der Prümer Jean Bapt. Molitor führte den Plan aus. Seitz fügte das Orgelgehäuse vorzüglich in den hohen Kirchenraum ein mit fünf Teilen, die durch Gesimse besonders betont sind: Zwei höhere äußere und drei kleinere mittlere, von denen das mittelste tiefer herabgezogen ist. Durchbrochenes Ornament mit Laubwerk und Früchten steht im Gegensatz zu dem glatten Getäfel des Unterbaus. - Im letzten Krieg wurde die Orgel zum dritten Mal zerstört, das Gehäuse konnte jedoch gerettet werden. Der Wiederaufbau war 1973 vollendet: Das neue Werk stammt von der Firma Klais in Bonn. Im rechten Turm wurde 1992 die Marienkapelle erneuert, die eingebaute Treppe führt zur Orgel. Hier wurden rechts auch die beiden Sandsteingrabplatten angebracht, die ebenfalls aus der Stiftskirche stammen und bisher an der Rückwand der Kirche standen: die Platte des Prümer Abtes Robert von Virneburg (1476 -1513), die den Abt in vollem Ornat zeigt, umgeben von den Wappen Virneburg, Saffenberg, Neuenahr und Sombreff, die von Affen gehalten werden; daneben der Grabstein einer Verwandten und Wohltäterin des Stifts, Franziska von Rodemachern, dargestellt unter einem burgundischen Bogen. Zu ihren Füßen sitzen Hunde auf dem Rande ihres langen Kleides. Die Wappenschilder in der freien Fläche über dem Bogen blieben leer. - Die Schieferplatten mit flachem Relief sind Grabplatten Prümer Prioren. Ehemaliges Abteigebäude. An die Kirche schließt sich nach Norden das ehemalige Abteigebäude an, eine Besonderheit, da die Abteigebäude im allgemeinen an der Südseite der Klosterkirche liegen. An das Abteigebäude angeschlossen ist das ehemalige kurfürstliche Schloß mit einem sehenswerten Mittelrisalit, der dem Dikasterialgebäude in Koblenz-Ehrenbreitstein nachempfunden ist und die Wappen der Kurfürsten Franz Georg von Schönborn und Philipp von Walderdorf trägt. 1975 konnten die Kriegsschäden an Kloster und Schloß (Fürstensaal) beseitigt werden. Franz Josef Faas Schrifttum: Ernst Wackenroder, Die Kunstdenkmäler des Kreises Prüm, Düsseldorf 1927. - Peter Neu, Die Abtei Prüm im Spätmittelalter und zu Beginn der Neuzeit (masch.-Schr.), Köln 1960. - Horst Reber Die Baukunst im Kurfürstentum Trier, Trier 1960. - Franz Josef Faas, Die freikaiserliche und fürstliche Abtei Prüm, Prüm 1961. - Ders., Siegel und Siegler der Fürstabtei Prüm. Trierisches Jahrbuch 1959. - Ders., Kunstwerke des Prümer Landes und ihre Schöpfer. Jahrbuch Kreis Prüm 1961. - Ders., Prüm in der Eifel. Rheinische Kunststätten, Heft 83, Neuß 1976. - Ders., Prüm und das Prümer Land 1700-1945, Prüm 1986. [2]

Einordnung

Ersteller, Baumeister, Architekt, Künstler:
Seiz, Jörg (Architekt), Seiz, Johannes (Architekt), Neumann, Balthasar
Kategorie:
Bau- und Kunstdenkmale / Sakralbauten / Klosteranlagen
Zeit:
Um 1735
Epoche:
Barock / Rokoko

Lage

Geographische Koordinaten (WGS 1984) in Dezimalgrad:
lon:   6.425652
lat: 50.207224
Lagequalität der Koordinaten: Genau
Flurname: Ortslage

Internet

http://www.pruem.de/

Datenquelle

[1] Denkmalliste der Generaldirektion Kulturelles Erbe, Rheinland-Pfalz; 2010. [2] Kremb/Lautzas: Landesgeschichtlicher Exkursionsführer Rheinland-Pfalz, Bd.2, 1991; Verlag Arbogast, 6756 Otterbach

Bildquellen

1 Bild: Internet
2 Bild: © Margraff: Kirchen, Burgen, Bauernhäuser. Verlag der Akademischen Buchhandlung Interbook Trier, 1986

Stand

Letzte Bearbeitung: 08.11.2012

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