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Wüstung Brückerhof

Udler, Gemeinde Udler

Beschreibung

Der Hof muss bereits vor Anfang des 19. Jahrhunderts wüst geworden sein. In den Tranchot-Karten findet sich nur der Flurname Schivel, der die vom Brückerhof angewandte Schiffelwirtschaft (periodische Brandrodung) widerspiegelt. > Aus der Geschichte unserer Kulturlandschaft Vor etwa 10000 Jahren ging in Mitteleuropa die vorerst letzte Eiszeit zu Ende. Die durch diese Kaltzeit verdrängten Tier- und Pflanzenarten begannen nun wieder in ihre ehemaligen Verbreitungsräume zurückzukehren. Innerhalb weniger Jahrtausende wandelte sich das eiszeitlich überformte Mitteleuropa wieder zum Waldland. In der Vorzeit war nämlich der größte Teil des Kreises Ahrweiler mit Urwald bedeckt. In höherer Lagen der Eifel wuchs ein Buchenwald, in tieferen Regionen ein Eichen-Hainbuchenwald. Diese Landschaft bestand neben Wäldern auch aus Sümpfen, Mooren, Trockenrasen und den vorhandenen Flüssen und Bächen. Die Menschen der Vorzeit lebten als umherziehende Sammler und Jäger. Erst später wurden sie sesshaft, betrieben Ackerbau und domestizierten Schafe, Schweine und Rinder. Zu dieser Zeit setzten die ersten Rodungen mit Axt und Feuer ein, ohne dass sich das Waldbild dadurch wesentlich veränderte. Aber schon zur Römerzeit um Christi Geburt war die Besiedlung recht dicht, und ein Viertel der Waldfläche war bereits verschwunden. Die Wälder lieferten das Material zum Bau von Hütten und Werkzeugen. Außerdem brauchte man immer mehr Flächen um die Siedlungsgebiete herum für den Feldbau. Etwa um 800 n. Chr. setzte dann eine gezielte Rodungstätigkeit ein, die im 11. und 12. Jahrhundert ihr größtes Ausmaß erreichte. In der Eifel wurde zu dieser Zeit vor allem die sogenannte Rott- und Schiffelwirtschaft betrieben. Dies ist eine Form der Niederwaldwirtschaft, eine Bewirtschaftungsform von Wälder, bei der die Stämme der Bäume in Abständen von 1-3 Jahrzehnten zur Holzgewinnung abgeschlagen werden. Bei der Rottwirtschaft begann die Arbeit im Frühjahr mit dem Holzbein-Schlag. Im Spätsommer verbrannte man Teile des Holzes und brachte die Asche als Dünger im Herbst auf den Kahlflächen aus. In den so vorbereiteten Boden konnte man im Laufe des Herbstes Wintergetreide, zumeist Roggen einsäen. Im Folgejahr baute man eventuell noch Buchweizen oder eine andere Feldfrucht an. Danach war jedoch der Boden nahezu erschöpft, so dass die betreffende Fläche notgedrungen brach fiel. Durch die im Boden verbliebenen Wurzeln der Gehölze entwickelte sich durch Stockausschlag allmählich ein mehr oder weniger geschlossener Niederwald. Nach 15 bis 20 Jahren war die Fläche wieder brauchbar. Bei der Schiffelwirtschaft wurde im Frühjahr nicht nur der Wald gerodet, sondern gleichzeitig die Baumwurzeln entfernt. So konnte sich in der Brachezeit kein Niederwald aus Stockausschlag entwickeln, sondern es entstand eine Heidelandschaft. In dieser Zeit diente das Land als Schaf- weide. Nach der Brachezeit wurde die Heide abgeplaggt beziehungsweise abgeschiffelt. Die anfallenden Heideplaggen wurden verbrannt und wieder im Herbst als Dünger ausgebracht. Der Bearbeitungszyklus begann wieder von vorne. So entstanden zahlreiche Heidegebiete im Kreis Ahrweiler. Das Prinzip dieser Bewirtschaftungsformen war also, dass der Wald beziehungsweise das Grünland in der Brachezeit neue Nährstoffe mobilisieren konnte, die bei später wiederholter Ackernutzung erneut entzogen werden konnten. Bei diesem Wirtschaftssystem war der Flächenverbrauch sehr hoch. Nur wenige Menschen mit viel Land konnten sich auf diese Weise ernähren. Für die Viehwirtschaft war der Laubwald auch außerhalb der Schiffelparzellen von Bedeutung. So nutzte man den Wald als Weideland. Der Wald diente als Schweinemast (Eicheln und Bucheckern als Futter). Er lieferte die Einstreu für den Stall. Der Wald versorgte in der Hauptsache den Acker mit den für die Getreideernten nötigen Nährstoffen, die mit Hilfe des Viehs gesammelt, aufgeschlossen und auf dem Acker konzentriert wurden. Mit der Rott- und Schiffelwirtschaft übte man rücksichtslosen Raubbau am Wald. Das Holz war einer der ausschlaggebenden Rohstoffe für zahlreiche Gewerbe wie zum Beispiel die Lohgerberei und die Köhlerei. Für die Lohgerberei betrieb man die sogenannte Lohheckenwirtschaft, eine Sonderform der Niederwaldwirtschaft, bei der junge Eichenstämme geschält wurden. Die an Gerbsäure reiche Rinde, die Lohe, wurde im Frühjahr abgelöst, über den Sommer getrocknet und im Herbst an Händler und Gerbereien verkauft. Das Material wurde gemahlen und einer Brühe zugesetzt, in der Tierhäute eingelegt wurden. Die Rotgerber waren ein altes Handwerk in Adenau, Ahrweiler und Remagen. Adenauer Leder wurde bis Köln und Frankfurt verkauft. Die Köhlerei diente der Produktion von Holzkohle, die für die Eisenverhüttung benötigt wurde. Die Holzkohle wurde mittels eines Kohlenmeilers erzeugt. Zur Holzkohlegewinnung bevorzugte man Buchenholz wegen seines hohen Holzkohleertrags gegenüber anderen Arten. Als Kohleholz benutzte man junge Stämmchen (Stangenholz). Die Baumbestände im Niederwald, die der Holzkohlegewinnung dienten, nannte man Kohlhecken. Holz von 1-2 Meter Länge wurde um einen aus Stangen errichteten Feuer-Schacht dicht aneinander gereiht und mit einer Decke aus Rasen, Erde und Reisig rundum abgedeckt. Im Feuerschacht wurde leicht brennbares Material entzündet. Wenige Öffnungen sorgten für eine Luftzufuhr, und der Rauch entwich über einen Schacht aus dem Meiler, So konnte das Holz langsam verkohlen, ohne dass es verbrannte. Die Köhler wohnten in völliger Einsamkeit in den Wäldern. Der Wald war also zu dieser Zeit die für unerschöpflich gehaltene Reserve. Ab Mitte des 19. Jahrhunderts begann der Niedergang der Rott- und Schiffelwirtschaft. Durch eine bessere Verkehrserschließung wurde der Transport von Dünger, Tierfutter und Getreide ins Ahr- und Eifelgebiet erleichtert. Man hielt sich zunehmend Rinder als Stallvieh. So verlor die Rott- und Schiffelwirtschaft ihre Bedeutung als billiger Dünger- und Getreidelieferant. Bis ins 19. Jahrhundert hinein bildeten der Wald und seine Erzeugnisse die Grundlage der damaligen Volkswirtschaft. Denn für sämtliche Bedürfnisse des Häuser-, Wasser-, Brücken-, Schiffs- und Fahrzeugbaus, für Möbel, Werkzeuge und Gerätschaften war Holz der wichtigste Werk- und Baustoff. Weiterhin war er ein wichtiger Energielieferant. Die übermäßige Holznutzung führte bereits etwa um 1300 zu ersten Holznöten. Man versuchte durch Walderhaltungsgesetze (Weistümer) die hemmungslose Holznutzung und das ungezügelte Roden zu unterbinden. So setzten in der folgenden Zeit Aufforstungstätigkeiten ein. Die größte Aufforstung begann in preußischer Zeit nach 1815. Es wurde damals überwiegend mit der schnellwüchsigen Fichte, auch Preußenbaum genannt, aufgeforstet. So ist der heutige Wald in der Eifel überwiegend das Ergebnis dieser umfangreichen Aufforstung. Dadurch verschwanden auch große Teile der Heidelandschaften. Neben der Waldbewirtschaftung und der Schafweide wurde im Kreis Ahrweiler auch Obst- und Weinanbau betrieben. Die Anfänge des Obstbaus in der Eifel gegen ebenso wie der Weinanbau auf die Römer-zweit zurück. Das ganze Mittelalter hindurch herrschte ausgedehnter Obst- und Weinanbau. Ab dem 10. und 12. Jahrhundert begann man mit dem Weinanbau an den klimatisch begünstigten Steillagen. Man baute Terrassen an den Steilhängen des Ahrtals zwischen Hönningen und Bad Neuenahr-Ahrweiler und des Mittelrheintals zwischen Brohl und Rolandswerth. Der Streuobstanbau wurde vor allem an den weniger steilen Hängen im unteren Ahrtal bei Bad Bodendorf, Lohrsdorf, Heppingen und Sinzig, am Eifelrand bei Zissen und im Mittelrheingebiet bei Löhndorf, Gönnersdorf und Waldorf seit 1886 zur Nachfolgekultur des Weinbaus. Um 1951 hatte der Kreis Ahrweiler mit rund 400000 Obstbäumen einen bemerkenswerten Obstbaumbestand. Seit Anfang des 20. Jahrhunderts entwickelte sich im Bereich der Grafschaft und der Goldenen Meile bei Remagen und Kripp ein Intensiv- Obstbau aus Niederstamm-Kulturen. Der Hochstammobstbau auf Streuobstwiesen wurde und wird zunehmend eingestellt. Wir finden im Kreis Ahrweiler nur noch wenige Rest dieser Streuobstwiesen. Anhand der vorangegangenen Darstellung der geschichtlichen Entwicklung unserer Kulturlandschaft wird deutlich, wie vielfältig die Nutzungen waren. Es ist ein Mosaik unterschiedlichster Standortverhältnisse entstanden: Wälder, Heiden, Streuobstwiesen, Weinbergsterassen usw.. Eine solche Vielfalt auf kleinem Raum entspricht eine Artenvielfalt von Pflanzen und Tieren ohnegleichen, die es zu erhalten gilt.

Einordnung

Kategorie:
Archäologische Denkmale / Siedlungswesen / Wüstungen
Zeit:
Circa 1750 bis 1850
Epoche:
Klassizismus

Lage

Geographische Koordinaten (WGS 1984) in Dezimalgrad:
lon:   6.875982
lat: 50.143165
Lagequalität der Koordinaten: Genau
Flurname: Auf Tuerbich

Internet

http://www.udler.de/

Datenquelle

[1] Janssen, W.: Studien zur Wüstungsfrage im fränkischen Altsiedelland zwischen Rhein, Mosel und Eifelnordrand. 2 Bände. Text u. Katalog, 1975.

Bildquellen

1 Bild: http://www.daun.de/vgv/tourist/galerie/index.html
2 Bild: ATKIS, DTK25-V, DGM50 M745; (C)opyright (LVermGeo Rheinland-Pfalz/LKV Saarland) und BKG 2002

Stand

Letzte Bearbeitung: 23.04.2004

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