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Ehemaliges Gebäude Antoniusstraße 4

Mitte-Gartenfeld, Gemeinde Trier
Antoniusstraße 4

Beschreibung

In den dreißiger Jahren errichtet der Bauunternehmer Peter Bentz den gesamten Straßenzug der Antoniusstraße. Die sechs Gebäude bestehen aus jeweils drei Doppelhäusern, deren zwei, nämlich die Gebäude 4 und 5 sowie 6 und 7 über eine gemeinsame Fassade verfügen; Nr. 4 und 5 sind entworfen als spiegelsymmetrische Fassade, deren Grundriß die Symmetrie jedoch nicht übernimmt. Auch Nr. 6 und 7 besitzen ursprünglich eine identische einstöckige Fassadengliederung, Haus 7 : die beiden unteren Geschosse des Eckhauses entsprechen noch der ursprünglichen Gestaltung. Bereits im Jahre 1834 errichtet Bentz auf einem im Vorjahr von ihm ersteigerten Grundstück von 250 Fuß Länge, welches sich von der Nagelstraße über die Fahrstraße bis in die Brotstraße hineinzieht und aus insgesamt acht Parzellen besteht, acht Gebäude, von denen sieben eine gemeinsame, 33achsige Großfassade besitzen. Die Einzelgebäude sind nur an den verschiedenen Hauseingängen erkennbar. Von Interesse ist die städtebauliche Einbindung der Großfassade in ihre gebaute Umgebung: Die stumpfe Gebäudeecke von der Nagel- zur Fahrstraße wird mit der durchlaufenden Fassade übergangen. Der rechte Winkel Fahrstraße / Brotstraße jedoch wird gebrochen und mit einer dreiachsigen Eckfassade, mit Balkonen und Frontispiz gestaltet, was dem Gebäude einen deutlichen Akzent gibt und es sich gegen den dominierenden Bau auf der gegenüberliegenden Seite der Brotstraße behaupten lässt. Bei Gebäuden, die nicht der Eigennutzung dienen, sondern reine Mietobjekte sind, wie die Häuser von Bentz, Littman oder Görgen, liegt dem wohl auch der Gedanke einer Vereinfachung der Planung zugrunde, die durch eine Gestaltung als systematisch gereihte oder gespiegelte Gebäude mit Sicherheit vorhanden ist. Während in den dreißiger Jahren in der Antoniusstraße innerhalb einer kurzen Zeitspanne eine komplette Straßenzeile entsteht, deren einzelne Gebäudepaare sich hinsichtlich ihrer Fassadengestaltung, Geschoßzahl sowie Geschoß- und Traufhöhen noch merklich voneinander unterscheiden, findet man in der beginnenden Ära der professionellen Bauträger bereits parallel hierzu die Planung der erwähnten Megafassaden. Mehrere nebeneinanderliegende große Mietshäuser nach einem einheitlichen gestalterischen Konzept werden immer häufiger, wobei die Gebäude oft nur geringfügig in der Gestaltung variieren. So baut der Maurermeister Josef Weis im Jahre 1855 die bereits erwähnten Häuser Fahrstraße 2-4 als einen großen Komplex, dessen linkes und rechtes Gebäude das mittlere, um ein Mezzaningeschoß erhöhtes Gebäude flankieren und sich zum Teil durch identische Gestaltungsmerkmale wie Stockwerksimse oder Ecklisene und Blendarkaden im Traufbereich auszeichnen. Solche Konzeptionen einer einheitlichen Großfassade werden im Rheinland häufig ausgeführt, speziell dort, wo großräumig ganze Straßenzüge oder gar Stadtteile geplant werden. In Düsseldorf setzten sich diese Gruppenfassaden über mehrere Häuser oder gar über einen ganzen Häuserblock von Querstraße zu Querstraße unter Adolph von Vagedes durch. Dem Schinkelklassizismus hingegen sind solche Fassadenkonzepte fremd. Dieser legt vielmehr Wert auf eine Sonderstellung des einzelnen Gebäudes im Straßenbild, auf Variation von Geschoßhöhen und Dekor, um hierdurch das Stadtbild zu beleben. Schinkels Einstellung zur Gruppenfassade zeigt sich in einem Brief, den er 1826 aus London schreibt: Zehntausend Häuser werden jährlich gebaut, lauter Speculation, die durch sonderbarste Gestaltung reizbar gemacht werden sollen. Oft sieht man lange Reihen von Palästen, welche nichts anderes als viele, drei und vier Fenster breite, aneinandergeschobene Privatwohnungen sind, denen man gemeinschaftliche Architektur gegeben hat. Wo Vagedes einerseits Bauten aus seiner Pariser Zeit, wie die Rue des Colonnes oder bald auch die Rue de Rivoli, sowie andererseits über seinen Lehrer Erdmannsdorff englisch-palladianische Vorbilder bemühen konnte, fehlen derartige nachweisbare Quellen für die Trierer Baumeister gänzlich. Hier scheinen sich, wie bereits bei den Lünettenfassaden, die rheinischen Städte und Gebäude gegenseitig zu beeinflussen. Eine (mit Gebäude Fahrstraße 13) vergleichbare Doppelfassade erstellt Bentz mit dem vier Jahre später errichteten Haus Antoniusstraße 4/5. Die Fassade des dreigeschossigen und achtachsigen Baues wird gegliedert von einem fünfachsigen Mittelrisaliten sowie fassadenbreiten Gurtsimsen derselben Form wie am vorbeschriebenen Gebäude. Durch die Reduzierung der Simse erscheint die Fassade bedeutend ruhiger als die vorherige. Die Fensterpfeiler des Erdgeschosses sind als Pilasterpaare ausgebildet, die die als Architrav gestaltete Brüstung der Beletage tragen. Geschickt läuft das Stützensystem zur linken Seite über das Gebäude hinaus und bildet zwischen ihm und dem Haus Nr.3 dessen eingeschossigen vasenbekrönten Eingangsbereich. Durch die Beschränkung des Pilastersystems auf das Erdgeschoss wirkt die Fassade ruhiger als die des vorbeschriebenen Baues, wenngleich sich mit dichtstehenden, gerade verdachten Beletagefenstern, Mittelrisalit sowie einem vegetabil ornamentierten Simsband recht viele Gestaltungsglieder auf vergleichsweise kleiner Fläche versammeln. Erhaltungszustand: nicht erhalten Hausnummerierung: 1784: 576c 1851: 102 Baumeister: Peter Bentz (Steinmetz, Baumeister, Bauunternehmer und Bauträger beziehungsweise -spekulant) Geboren: 7.6.1791 in Trier Gestorben: 30.11.1858 in Trier Weitere (erhaltene) Bauten: u.a. Neustraße 43, Fleischstraße 39 und Simeonstraße 36

Einordnung

Ersteller, Baumeister, Architekt, Künstler:
Bentz, Peter
Kategorie:
Bau- und Kunstdenkmale / Wohn- und Wirtschaftsgebäude / Bürgerliche Wohn- und Wirtschaftsgebäude
Zeit:
1838
Epoche:
Klassizismus

Lage

Geographische Koordinaten (WGS 1984) in Dezimalgrad:
lon:   6.635611
lat: 49.752784
Lagequalität der Koordinaten: Genau
Flurname: Ortslage

Internet

http://www.drzimmermann.info/ http://www.drzimmermann.info/

Datenquelle

Michael Zimmermann: Klassizismus in Trier. Die Stadt und ihre bürgerliche Baukunst zwischen 1768 und 1848. WVT Wissenschaftlicher Verlag Trier, 1997. ISBN 3-88476-280-X

Bildquellen

1 Bild: Prof. Wilhelm Deuser, Sammlung Stadtarchiv Trier.

Stand

Letzte Bearbeitung: 14.08.2004

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