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Konvikt Windstraße 4

Mitte-Gartenfeld, Gemeinde Trier
Windstraße 4

Beschreibung

Aus dem gestalterischen Rahmen der Trierer Gebäude ihrer Zeit, des fünften Jahrzehntes des 19. Jahrhunderts, fallen zwei Gebäude: Das Konviktgebäude in der Windstraße, im Jahre 1844 von dem Koblenzer Regierungsbauinspektor Johann Claudius von Lassaulx errichtet und das Militärarresthaus in der Langstraße aus dem Jahr 1846. Beiden gemeinsam ist, daß sie nicht als regionaltypische Putzbauten, sondern in kleinformatigen Sandsteinen als Sichtmauerwerk erstellt sind, was in Trier unüblich ist. Beide Fassaden sind gebändert in rotem und gelbem Sandstein. Das Konvikt steht auf einem beinahe geschoßhohen und mit roten Sandsteinplatten verkleideten Sockel. Die Fassade des 19achsigen und dreigeschossigen Gebäudes erfährt eine Primärgliederung durch zwei Ecklisenen und einen flachen dreiachsigen Mittelrisaliten sowie zwei zwischenliegende Binnenlisenen. Eine fassadenbündige Sohlbankbänderung in den beiden Obergeschossen und eine flache Blendarkatur im Traufbereich gliedern mit dem Sockel horizontal. Die beschriebene Struktur besteht aus schwarzgrauen, kleinformatigen Basaltsteinen. Das zwischenliegende Sandsteinmauerwerk ist alternierend rot und gelb gebändert. Das Dach ist ein mäßig steiles Walmdach. Das Militärgefängnis besteht aus einem schlichten rechteckigen und dreigeschossigen Baukörper mit Satteldach. Die Front ist gegliedert durch fünf Zwillingsfensterachsen. Die aufwendige Primärgliederung des Konviktes fehlt, die Fassade besteht aus rotem, kleinformatigem Sandsteinmauerwerk mit einer Bänderung, wahrscheinlich aus gelbem Sandstein. Als Motiv für die Materialwahl bei der Fassadengestaltung kann man beim Konviktgebäude einerseits eine formale Anpassung an die valentimanische Nordfassade des Domes annehmen, die in rotem Sandsteinmauerwerk mit Ziegeldurchschuß erstellt ist, darüber hinaus aber auch schlicht die Vorliebe Lassaulx', der viele seiner Bauten in Sichtmauerwerk errichtet. Die Fassadengestaltung des Gefängnisgebäudes hängt mit derjenigen des Konviktes unmittelbar zusammen. Die Gestaltungsprinzipien der Bänderung sind sehr ähnlich: Die Fenster schließen jeweils oben und unten mit einem drei bis fünf Steinlagen hohen gelben Band ab. Die Konviktfenster besitzen in ihrer Mitte ein weiteres gelbes Band, was am Gebäude in der Langstraße wegen der geringen Fensterhöhe nicht möglich ist. Die zwischenliegenden roten Bänder sind an beiden Gebäuden etwa sechs Steinlagen hoch. Zwischen den Geschossen - am Konvikt wenig höher - verläuft ein gelbes Gurtband. Die Rollschicht der Fensterstürze ist an beiden Bauten alternierend rot und gelb gestaltet. Hier liegt es nahe, in dem zwei Jahre älteren Konviktgebäude das Vorbild für die Fassadengestaltung des Militärgefängnisses zu sehen. Möglicherweise sind beide Gebäude auf Berlin, Schinkel und die Oberbaudeputation zurückzuführen. Schinkel hatte 1826 bei einer Englandreise den unverputzten Ziegel kennengelernt und bereits 1829 am Feilnerschen Wohnhaus verwandt. Ebenfalls als unverputzter Ziegelbau geplant war das 1835 entworfene Bibliotheksgebäude, das hinter der Universität seinen Platz finden sollte. Einfache Nutzbauten wie das Militärgefängnis in der Lindenstraße im Jahre 1825 hatte Schinkel bereits vorher in unverputztem Ziegel errichtet. Seine Gebäude sind auch unter Gliederungsaspekten mit horizontalen Schichten aus gelben, glasierten Ziegeln versehen, teils um die rötliche Farbe der Ziegel in der Masse etwas zu brechen, teils um durch diese horizontalen Linien, die das Lagerhafte des ganzen Baus bezeichnen, eine gewisse Ruhe zu gewinnen. Dieses ist beim Feilnerschen Wohnhaus genauso zu finden wie bei der Bauakademie. In Analogie zu Norddeutschland, wo der Ziegel zu den heimischen Baumaterialien gehört, ist dies im Raum Trier der Sandstein, der unmittelbar in der Umgebung gewonnen wird, was auf eine regionale Variante Schinkelscher Vorstellungen hindeutet. Aus dem zeitlichen und inhaltlichen Rahmen dieser Arbeit fällt ein Gebäude, das in Zusammenhang mit der Rezeption Schinkelscher Formen dennoch Erwähnung finden muß. Es folgt einem von Schinkel in Preußen eingeführten neuen Konstruktionsprinzip, nämlich der modernen Interpretation gotischer Konstruktionsgrundsätze: Die Bauten bestehen nunmehr aus Pfeilern und Stützen, die Außenwände sind aufgelöst in Fenster und Pfeiler, eine konstruktive Notwendigkeit tragender Wände besteht nicht mehr. Dieses Konstruktionsprinzip, das Schinkel in seinem Kaufhausentwurf 1827 einsetzt und am Lagergebäude des Neuen Packhofes und konsequenter an der Bauakademie 1832-1836 realisiert, hat er vermutlich nicht erst auf seinen Englandreisen kennengelernt, mit seinen konstruktiven Möglichkeiten dort jedoch wohl erstmals bewusst wahrgenommen. Dieses Prinzip findet sich in Trier drei Jahrzehnte später in dem Magazingebäude des Proviantamtes des kgl. Bauinspektors Giersberg, geplant im Jahr 1865. Es ähnelt einem nicht realisierten Entwurf Schinkels in erstaunlicher Weise: Die Fassadengliederung ist mit ihrer Pfeiler- und Fensterstruktur, dem rundbogigen oberen Abschluß der Fensterachsen, dem Mezzaningeschoß sowie auch den blockhaft geschlossenen risalitartigen Gebäudeecken Schinkels unausgeführtem Entwurf für eine Bibliothek von 1835 verblüffend ähnlich. Auch ist hier erstmals das konstruktive Stützen / Balken-Prinzip übernommen. Der Bau ist im Grundriß aufgelöst in Pfeiler und Stützen, was in einer entsprechenden Fassadengestaltung seinen Niederschlag findet. Einzig Schinkels unsichtbar nach hinten abfallendes Pultdach findet sich in Trier nicht realisiert. Erhaltungszustand: erhalten Hausnummerierung: 1784: 15 Baumeister: unbekannt [1]

Einordnung

Ersteller, Baumeister, Architekt, Künstler:
Lassaulx von, Johann Claudius (Bauinspektor), Koblenz [1781-1848]
Kategorie:
Bau- und Kunstdenkmale / Sakralbauten / Klosteranlagen
Zeit:
1826
Epoche:
Klassizismus

Lage

Geographische Koordinaten (WGS 1984) in Dezimalgrad:
lon:   6.64512
lat: 49.756121
Lagequalität der Koordinaten: Genau
Flurname: Ortslage

Internet

http://www.drzimmermann.info/

Datenquelle

[1] Michael Zimmermann: Klassizismus in Trier. Die Stadt und ihre bürgerliche Baukunst zwischen 1768 und 1848. WVT Wissenschaftlicher Verlag Trier, 1997. ISBN 3-88476-280-X

Bildquellen

1 Bild: Prof. Wilhelm Deuser, Sammlung Stadtarchiv Trier.
2 Bild: © Peter Valerius, Kordel, 2011.
3 Bild: © Peter Valerius, Kordel, 2011.

Stand

Letzte Bearbeitung: 22.07.2013

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