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Gut beHÜTET in den Frühling" Hüte aus der Sammlung Zimmer-Berberich 08.04 - 24. 06. 2001 |
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Zu dieser Ausstellung gibt es in unserem online-Museumsshop einen Katalog.
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Pädoyer für den Hut (Dr. U. Haas)
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Ob rund, ob eckig oder spitz, des Menschen Haput bedeckt' der Hut. Bei Sonne, Regen, Sturm und Blitz war mann dan stets ein guter Hut. Drum ist es gar nicht zu verstehen, daß nun schon seit geraumer Zeit die Menschen ohne Hüte gehen. Ist's Eitel- ist's Bequemlichkeit? Da lobt man sich die alten Sitten, als alle Leute, je nach Stand, ob sic nun gingen oder ritten mit Hut nur waren eleganz. Es heißt, das Auto sei der Grund, mit Hut paßt' man da nicht mehr rein: Zu eng, zu flach zu glatt zu rund - von sowas sollt' man sich befrein! |
Sind wir des Tempos dumpfe Sklaven wo bleibt hier guter Brauch und Würde? Wer hutlos geht, den mag bestrafen Kopfweh und Sonnenbrand als Bürde! Der Hut in allen seinen Formem ist Ausdruck der Persönlichkeit, mit Mänteln, Röcken Uniformen, der Hut erst macht Vollständigkeit. Ein gutes Beispiel soll uns mahnen, gar vielen ist es wohlbekannt: Stolz trägt stets Hüte wie die Ahnen die Königin von Engelland! Ein schöner Hut uns immer schmückt so wie es bei den Vätern war. Erst dann verspüren wir beglückt, wie gut die alte Zeit doch war! | |||
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Eröffnungsrede des Sammlers und Ausstellungsmachers Markus Zimmer-Berberich
Sehr geehrte Damen und Herren,manche hier in diesem Kreis mögen den belgischen Schriftsteller Georges Simenon als Produzenten äußertst trivialer Literatur ansehen. Ohne auf diese Frage näher einzugehen, eines können wir mit Sicherheit konstatieren: Ein seismologisches Gespür für gesellschaftliche Veränderungen. Bereits in dem 1969 erschienenen Roman: "Maigret und der Messerstecher" können wir folgende Täterbeschreibung lesen: "Der helle Regenmantel mit Gürtel schien auf einen jungen Mann hinzuweisen, während der Hut ihm vermutlich einige Jahre mehr gab." Nur wenige junge Menschen trugen ja noch Hüte. Bereits vor über 30 Jahren schien der Hut langsam aber sicher zum alten Eisen zu gehören, oder soll ich besser sagen, ein alter Hut zu werden. Sehen wir uns nach Ursachen jenes Hutkillervirus, so fällt uns neben vielen anderen Gründen hauptsächlich jeder einer heute völlig anderen Fortbewegungsart ein. Der bequeme Individualverkehr zwingt uns in ein oft zu enges Auto und andere, eben autogerechte Kleidungsstücke auf. Aus dem Hut wurde, wenn überhaupt, die lässig verkehrt herum getragene Kappe und, um ein anderes Opfer zu erwähnen, aus dem Mantel wurde die lässig auf dem Rücksitz zu verstauende sportliche Jacke. Um es drastischer zu formulieren: Charakterfiguren wie Humphrey Bogart oder Joseph Beuys sind mit Mitteln der heutigen Mode zwar noch als postmoderne Hülle erzeugbar aber das entwprechende Bewußtsein, diese Kleidung zu tragen fehlt heute. So bleibt verständlich, warum alle Versuche den Hut wiederzubeleben auf der Strecke blieben. Alles was keinen oder nur eingeschränkten Gebrauchswert besitzt unterliegt 2 Schicksalen: man kann es sammeln, oder man kann es - Phantasie voerausgesetzt - zum Gegenstand eines Experiments machen. Ich denke Sie nehmen mir, im Gegensatz zu den anwesendenen Schülerinnen des Angela Merici Gymnasiums eher due Seite des Sammelns ab. Ich sammle Hüte seit nun mehr als 20 Jahren und ein kleiner Teil ist nun hier im Roscheider Hof zu sehen. Ich bin übrigens froh sie nunmehr zum 4. aml in einem Museums zeigen zu können, denn zuhause fristen die meisten von Ihnen ein trauriges, lichtscheues Dasein in allen möglichen Schachteln und Kisten. Es sei denn ich kann meine Ehefrau, der ich übrigens an dieser Stelle recht herzlich für Ihre Mithilfe und Mitgestaltung danken möchte, zum Tragen des einen oder anderen Hutes überreden, aber auch sie wird bestätigen: Zum Hut gehört heute viel Mut! Leute die mich, bzw. meine Einführungsreden kennen, werden langsam einen meiner Standardpassagen vermissen: Der Grundstock meiner Sammlung wurde in Wien gelegt, einer Stadt in der , der Moderne zum Trotz, der Hut immer noch "in" ist, wie man heute zu sagen pflegt. Sucht man nach Gründen, so sollte man nach den Unterschieden zwischen Deutschen und Österreichern forschen: Böse Zungen behaupten, der Österreicher besitze 32 Knochen mehr, weil er noch mechanisch denke. Ich bin der Meinung mechanische Objekte bedürfen des besonderen Schutzes, und dies wird sicher der Grund sehn, warum so viele Österreicherinnen und Österreicher auch im Zeitalter des Computers immer noch Hut tragen. Vielleicht legen Sei ihn auch heimlich nachts auf denselben, weil sie dem elektronischen Braten nicht so richtig trauen. Wer weiß wer weiß? Nun Schluß mit dem Blödsinn. Über Hüte soll man nicht reden, man soll auf sie aufmerksam werden, wenn auch heute zum großen Teil in Vitrinen! | ||||
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A hat is a message for the sky (Sabine Hahn) unter diesem Motto stand eine Unterrichtsreihe der Klasse 9c des Bischöflichen Angela-Merici-Gymnasiums (AMG), Trier im Fach Textiles Gestalten. Das Fach Textiles Gestalten wird am AMG als eigenständiges Fach unterrichtet und müßte eigentlich treffender Textile Kunst heißen, da es mit dem traditionellen "Handarbeitsunterricht" nichts mehr gemein hat. Themen und Projekte sind hier sowohl an der traditionellen Kunst als auch an der Gegenwartskunst angelehnt. Die Schülerinnen erarbeiten Projekte im entsprechenden kulturhistorischen Kontext und lernen dabei auch die Kultur anderer Völter kennen. Dabei werden entsprechende Handwerkstechniken erlernt und in der Gestaltung der eigenen Entwürfe angewendet. So auch bei dem Hutprojekt, das als Ergänzung zu der Ausstellung "Gut beHÜTET in den Frühling" des Freilichtmuseums Roscheider Hofs entstanden ist. Zunächst haben sich die Schülerinnen über historische Hüte durch die Jahrhunderte informiert und besonders in der Burgundischen Mode reichhaltige Anregungen bekommen. Die Gegenwart wurde durch Designerhüte verschiedener Kunsthochschulen vertreten. Zunächst mußten die Schülerinnen dann als Designauftrag zeichnerisch einen Hut für einen Mathematiker, eine Kopfbedeckung einen Discomitarbeiter/Discomitarbeiterin und einen Hut für eine ältere Dame, die über alles Süßigkeiten, Törtchen u.ä. liebt entwerfen. Nach eingehender Diskussion dieser Entwürfe machten sich die Schülerinnen dann unter Anleitung iherer Lehrerin Sabin Hahn an die Bearbeitung ihres eigenen Hutes mit dem Motto "A hat is a message for the sky". Diese Entwürfe waren dann die Grundlage der praktischen Umsetzung. Es wurde mit den unterschiedlichen Materialien gearbeitet. Filz wurde hergestellt und als Hut weiterverarbeitet, alte Hüte wurden mit neuen Aufbauten versehen, Kappen aus Stoff genäht und mit verschiedenen Knöpfen gestaltet. Seidenpier, Perlen, Draht und Pappmache ergaben neue Hüte, Drahtmatten mit freischwingenden, bestickten Elementen wurden zu luftig leichten raumgreifenden Objekten verarbeitet. Die Schülerinnen arbeiteten ohne Begrenzung in Material oder Technik, aber immer orientiert an der Frage: was passt zu meiner Idee? was will ich damit aussagen? Ständiges Korrektiv waren die Mitschülerinnen. Dabei stellte sich heraus, dass "weniger meist mehr" war für die Umsetzung, und dass sich die Hüte unter praktischer Arbeit oft weit von dem ursprünglichen Entwurf entfernten - was auch gut war, arbeiteten die Schülerinnen doch in diesem Moment ganz aus dem Material in Bezug zu ihrer Idee heraus. Begleitet wurde die praktische Arbeit von der Frage: Wie wird das WOrt "Hut" in unserem Sprachgebrauch verwenet? So kam eine stattliche Sammlung an Redewendungen, Sprichwörtern, in Verbindung im Aberglaube u.a.zustande. Diese Ergebnisse sind ebenfalls in der Ausstellung dokumentiert und warten auf weitere Ergänzungen durch die Ausstellungsbesucher. So entsteht Kunst von Schülern nicht als l'art pour l'art, sondern eingebunden in einen kulturhistorischen Kontext, als Ergebnis intensiver Auseinandersetzung mit allen Facetten eines Themas. | ||||