Ansprachen anläßlich
der Eröffnung der Ausstellung
historischer Ofen- und
Takenplattenausstellung am 20.März 2005:

Ansprache des Museumsleiters Dr. Ulrich Haas

Traditionsgemäß eröffnet unser Museum am Sonntag vor Ostern die Saison mit einer Ausstellung. In diesem Jahr ist es eine lange geplante, lange vorbereitete neue Dauerausstellung, die sich mit einem wichtigen volkskundlichen Thema befaßt, den Ofen-, den Kamin-, und vor allem den Takenplatten.

Dank für die Eröffnungsmusik an Frau Iris Oettinger, die auch die weitere musikalische Umrahmung unserer heutigen Einladung gestalten wird, und an alle ein herzlicher Willkommensgruß!

Zum weiteren Ablauf darf ich sagen, daß gleich, nach einem weiteren Musikstück Herr Zimmer-Berberich das Wort ergreifen wird.

Er hat diese Ausstellung gestaltet, die hier gezeigten Platten ausgewählt und wird die verschiedenen Themenkreise erläutern, die die Platten repräsentieren. Und anschließend, nach einem weiteren Musikstück, laden wir Sie alle, wie üblich, zu einem Glas Wein ein!

Nach fast 20jähriger Sammeltätigkeit, in der unser Museum einen Fundus von über 250 Ofen-, Kamin- und Takenplatten zusammengegetragen hat, ist die heutige Eröffnung für uns eine besondere Freude, denn sie schließt eine für ein Volkskundemuseum unserer Region seit langem bestehende Lücke. Die Bedeutung, die die Takenplatten bis vor etwa 150 Jahren überall im Lande hatten, können wir Heutigen in unseren von Zentralheizungen erwärmten Häusern uns nur noch schwer vorstellen.

Die alten, im offenem Herdguß hergestellten Platten sind volkskundlich von besonderem Interesse, weil sie Vieles über die Geschichte unserer Region und das Fühlen und Denken seiner Bewohner aussagen, und zwar aus einer Zeit, die sich uns in dieser Vielfalt und Prägnanz auf anderem Wege nicht erschließen ließe, denn diese Platten wurden im hiesigen Raum seit fünf Jahrhunderten gegossen, gehandelt und vor allem benutzt.

Von daher ist es auch zu verstehen, daß sich namhafte Forscher unserer Region schon früh mit den gußeisernen Platten beschäftigt haben. Schon 1901 schriet, Franz von Pelser Berensberg zum hundertjährigen Jubiläum der altehrwürdigen Gesellschaft für nützliche Forschungen zu Trier über die Takenplatten und zeigte dabei auch die Abbildung der besonders schönen schmiedeeisernen "Hal" vom Roscheider Hof, dem Gestänge zur Aufnahme der Kesselhaken, so wie wir es hier in unserer Ausstellung rekonstruiert haben. Weithin bekannt sind die Veröffentlichungen der Triererin Sigrid Theisen über die Takenplatten. Dann haben Peter Seewald vom Rheinischen Landesmuseum in Trier, Klaus Freckmann vom Freilichtmuseum Sobernheim, Klaus Ring vom Kreismuseum Blankenheim und im weiteren Umkreis noch viele andere sich mit dem faszinierenden Thema der gußeisernen Platten beschäftigt, die in den vielen großen und kleinen Hütten in Eifel und Hunsrück gegossen wurden. Das Buch von Peter Seewald liegt am Eingang aus und kann bei uns erworben werden. Das aber wohl bekannteste und umfänglichste Werk über Ofen-, Kamin- und Takenplatten hat wohl Karlheinz von den Driesch verfaßt, der auf der großen Bestandsaufnahme des Amtes für rheinische Landeskunde mit rd. 10.000 Objekten von vielen hundert Plattenbesitzern, Sammlern und Museen fußen konnte. Er hat dabei insbesondere die bildliche Aussage der Platten, ihre Themen und Motive vor dem historischen Hintergrund behandelt, und sein Buch war auch für diese Ausstellung eine wertvolle Grundlage. Über die hier gezeigten Platten wird uns Herr Zimmer-Berberich nähere Erläuterungen geben. Takenplatten gab es seit Jahrhunderten in nahezu jedem Haus. Sie waren als Wandverschluß und Wärmetransporteur zwischen Küche und Stube wichtiger Bestandteil des Hausrats, in herrschaftlichen Häusern, wo es daneben auch noch die Kaminplatten für das offene Feuer in Wohnräumen gab, wie eben auch in den ärmlichen Bauerhütten.

Man könnte die Takenplatten als zweidimensionale Öfen bezeichnen. Nur sehr wohlhabende Leute konnten sich, im ausgehenden Mittelalter bereits aus einzelnen Platten zusammengesetzte Kastenöfen leisten. Von ihnen stammen die hier ebenfalls gezeigten Ofenplatten, die auch noch, wie die Takenplatten, im offen Herdguß hergestellt wurden, wie dies unseren Besuchern ab heute in einer laufenden der Video-Vorführung nahegebracht wird.

Es gab zwar auch schon bald nach der Erfindung des Eisengusses Ende des 14. Jahrhunderts den Eisenguß in Kastenformen, für die Ofenherstellung setzte sich der Kastenguß in der Breite jedoch erst im 19. Jahrhundert durch, wo er zu hoher Blüte kam. Aus dieser Zeit stammen einige Beispiele in dieser Ausstellung. Auch bei ihnen ist die künstlerische Gestaltung der Oberfläche charakteristisch. Davon hören wir gleich nach einem weiteren Musikstück noch Näheres von Herrn Zimmer-Berberich.



Ansprache des Ausstellungsgestalters Markus Berberich, MA

Sehr geehrte Damen und Herren, sehr geehrter Herr Dr. Haas

lassen Sie mich, bevor ich zu dem Thema Taken- Ofen- Ofen- und Kaminplatten komme, mal etwas ausholen.

Daß Sie heute zur Eröffnung einer Ausstellung in ein Museum gekommen sind, ist nicht selbstverständlich. Der Stellenwert von Museen im täglichen Leben hat sich drastisch verändert. Der heutige Mensch lebt mit einer totalen medialen Überfrachtung. Um seine Freizeit buhlen die verschiedensten Mächte. Dabei wird uns in einer Welt des totalen Fernsehkonsums vorgegaukelt, täglich etwas frisches, etwas neues noch Aufregenderes zu erfahren. Was soll das alles in Museen! Aber ist dies mehr? Trotz der angeblichen Vielfalt herrscht oft in den Medien das große Einerlei. Der Kabarettist Dieter Hildebrand hat diese Meinungsmisere einmal treffend und drastisch mit den Worten beschrieben „Die öffentlich-rechtlichen Anstalten kriechen in jeden Arsch, den man ihnen hinhält, und was dabei herauskommt, senden die Privaten. Dieser Meinungs- und Informationspoker hat auch vor Museen nicht haltgemacht. Politiker wünschen sich immer neue Sonderausstellungen und neue Rekorde an Besucherzahlen, und was hinter den Kulissen geschieht ist lästiges Beiwerk. Die klassischen Museumsaufgaben „Sammeln, Bewahren, Forschen, Ausstellen“ zählen zum „alten Eisen“, das Museum droht zur Eventmaschine (von der Hochzeit bis zum Kindergeburtstag in historischem Ambiente) zu verkommen.

Mit dem „alten Eisen“ wären wir nun endlich beim Thema angelangt. Takenplatten als ausstellungsmäßiger Anachronismus, alle Öfen, hinter denen man nun wirklich keinen mehr hervorlockt, oder statt der emanzipierten Frau wieder das „Heimchen am Herde“ als Wunsch- und Zielvorstellung der Mitarbeiter von Freilichtmuseen, die nicht nur im Rufe stehen, alte Bausubstanz, sonder auch die mit ihnen verbundenen alten Werte und Rollen zu konservieren?

Mitnichten Keines ann allem! Betrachten wir das Museum als Ort der neuen Langsamkeit und Konzentrieren uns auf das was wir hier sehen:

Eine grundlegende Tatsache ist, daß alle Platten mehr oder weniger verziert sind. Manifestiert sich hier lediglich die angeborene Sucht des Menschen Alltagsgegenstände durch Verzierung gefälliger aussehen zu lassen? Ich glaube nicht nur. Alle diese Platten wollen uns etwas sage, sie senden eine Botschaft aus, eine Information.

Mitnichten ist dies der Grund von allem weswegen wir heute vor diesen Plattenstehen! Betrachten wir das Museum als Ort der neuen Langsamkeit und Konzentrieren uns auf das was wir hier sehen:

Eine grundlegende Tatsache ist, daß alle Platten mehr oder weniger verziert sind. Manifestiert sich hier lediglich die angeborene Sucht des Menschen Alltagsgegenstände durch Verzierung gefälliger aussehen zu lassen? Ich glaube nicht nur. Alle diese Platten wollen uns etwas sagen, sie senden eine Botschaft aus, eine Information.

Es bedarf nur eines gegenüber der Alltagshektik beruhigten Blickes, um diese Informationen zu entschlüsseln. Haben wir aber einmal die Plattenverzierungen als Bild und Informationsträger begriffen, so können wir sie durchaus mit unseren heutigen Medien (Fernsehen, Radio, Zeitung) vergleichen. Man muß die Bilder vor dem Hintergrund betrachten, daß die Menschen damals weniger Lesen und Schreiben konnten. Dabei sind die von den Platten ausgehenden durchaus vielfältig: Ein Beispiel: Bei dem Thema ADAM und EVA geht es mit Sicherheit nicht nur um einen prekären Sündenfall, sonder auch um damit verbundene Dinge wie Verführung, Nacktheit und Erotik. Daß in diesem Fall die ADAM und EVA Verbildlichung eine ähnliche Funktion im Leben der Menschen ausübt wie das Spielprogramm von RTL, versteht sich von selbst.

Alle Platten wurden übrigens nach Modeln gegossen, die eigens von einem Formschneider in Holz angefertigt wurden (Herstellungsprozeß siehe Film). Sicherlich ist von den Gemälden Dürers bis zum geschnitzten Model ein weiter Weg der Vereinfachung zu gehen, wie in der Gegenüberstellung leicht zu sehen ist.

Man hat diese Vereinfachung oft als mangelndes Künstlerisches Können gedeutet. Meiner Meinung nach ist dies aber eine bewußte auf das Niveau des Betrachters hin vorgenommene Reduzierung. Auch damals wurde das Weibliche durch tiefes Dekoltee und bewußt üppige Oberweite präsentiert, wenn wir einige Tugenddarstellungen oder die Szene „Susanne und die beiden Alten“ betrachten.

Wer allerdings glaubt, bei dieser Vereinfachung etwas längst Vergangenes zu sehen, der sei auf eine beliebige Ausgabe der Bild-Zeitung verwiesen die, was das Eindampfen komplizierter Sachverhalte zu leicht verständlichen Schlagwortphrasen und die Reduktion des Weiblichen auf platte Nacktheit angeht, es durchaus mit den Formenschneidern der Model aufnehmen könnte. Sie sehen: Takenplatten sind scheinbar erstaunlich modern, und ein Thema, was bei vielen Museen bereits in der Mottenkiste verschwunden ist, ist eben doch kein altes Eisen.

Beharren wir noch ein wenig auf dem Thema „Modernität“: Mit eine der heute am häufigsten erhaltenen Platten ist der „Auszug Loths aus dem brennenden Sodom“. Sie werden die Geschichte kennen! Wobei am Rande bemerkt die für die Ausstellung Verantwortlichen sehr um Leidwesen unseres Direktors aus der „Salzsäule“ eine „Salzsäure“ gemacht haben, die Tücke des Computers und seines Textverarbeitungsprogramms lassen grüßen! Salopp formuliert: Diese Platte muß damals ein ungeheuerer „Renner“ gewesen sein, schlißt man von der Zahl der erhaltenen auf die tatsächlich produzierten Exemplare.

Vielleicht manifestiert sich hier aber auch typisch deutsches Verhalten. Muß ich nicht diese ungeheuer moderne Platte auch haben, wenn sie schon mein Nachbar hat? Glücklicherweise konnte die Quinter Hütte, die diese Platte im Programm hatte auf alle verschiedenen Kundenwünsche, was Maße, Ausstattung und Größe anging auf einen weiten Pool an Zierelementen prompt reagieren. Nur Not goß man die gleiche Szene zwei mal nebeneinander. Dies mag uns heute an die Automobilindustrie erinnern, die schnell auf alle möglichen Ausstattungswünsche der Kunden reagieren kann und oft gegen Aufpreis ein maßgeschneidertes Fahrzeug liefern kann. Wir sehen noch einmal, ein scheinbar so antiquiertes Thema bietet eine Fülle von Parallelen zur heutigen Zeit. Wer mag sich schon zum Beispiel bei Platten, die historische Szenen behandeln, etwa derjenigen in der Kaiser Maximilian Margarethe von Arenberg die Fürstenbulle aushändigt, das Übergeben von Ernennungsurkunden in illustrer Ministerrunde erinnern.

Vielleicht sehen wir aber auch in dem Landsknecht, der auf den Schultern des unterworfenen Bauern steht, eine andere, heute viel drastischere Macht die auf unseren Schultern ruht. Die heute drückende Schuldenlast des Staates oder die drückende Last von 5.2 Millionen Arbeitslosen.

Zum Schluß gebührt Dank den Mitarbeitern des Roscheider Hofs, die mir bei der Ausstellung geholfen haben, allen voran möchte ich Herrn Kramp hier nennen, weil der die undankbare Aufgabe hatte meine oft unleserliche Schrift in ein computermäßiges Bild zu bringen, und wem diese Rede letztendlich zu wenig spezifisch auf Takenplatten zugeschnitten, dem stehe ich gerne für einzelne Fragen, vor jeder Platte wenn Sie wollen, zur Verfügung. Ansonsten darf ich auf die Texte, die hier hängen verweisen. Ich danke Ihnen.


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