Große Weine an Saar und Obermosel

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Über den Weinbau:

Die Weinberge an der Saar liegen vollständig in den Verbandsgemeinden Konz und Saarburg. An der Obermosel kommen hierzu noch die Weinberge Luxemburgs und einige Weinberge im Saarland. Die Verbandsgemeinde Konz ist eine der grössten Weinbaugemeinden Deutschlands. Wein wird im Saartal, im sogenannten Konzer Tälchen (Niedermennig, Obermennig, Krettnach) und an der Obermosel (von Konz moselaufwärts) angebaut. An der Obermosel dominiert der Elbling, in den anderen Anbaugebieten der Riesling. Daneben wird roter Spätburgunder, weisser Burgunder, Grauburgunder und Saint Laurent angebaut. Die Anbauflächen teilen sich einige grössere Weingüter mit lokalen, meist kleinen Winzern. Die Weinorte an Saar und Obermosel sind viel ruhiger und urtümlicher als in vielen anderen Weingegenden.

Weinbau ist an Saar und Mosel schon seit 2000 Jahren nachweisbar. Wichtig für die heutige Situation ist, dass sich bis zum napoleonischen Zeitalter (ca 1800) fast alle guten Weinlagen in kirchlichem Besitz (meist Trierer und Luxemburger Klöster) befunden haben. Diese Besitzungen gingen (Ausnahme: Bischöfliche Weingüter Trier) im 19. Jahrhundert in weltlichen Besitz über. Die Weingüter blieben aber oft in ihrer Grundstruktur erhalten, was zur Folge hat, dass die Nachfolger der kirchlichen Weingüter heute einen Grossteil der besten Lagen besitzen.

Traditioneller Wein ist (nach heutiger Bezeichnung) trockener Wein. Traditionell sind auch die edelsüßen Spezialitäten wie Beerenauslesen und Eisweine. Liebliche und halbtrockene Weine lassen sich mit Hilfe industrieller Filterverfahren Weine erst seit Anfang dieses Jahrhunderts herstellen. Die Möglichkeit süsse Weine herzustellen, bewirkte zuerst zwar einen Absatzschub, führte langfristig zu einer Verringerung des Qualitätsbewusstseins und damit zum Abstieg der Region. Bis in die 70er-Jahre hinein führten die damals noch guten Preise zudem dazu, dass die Rebflächen auch auf für den Weinbau ungeeignete Flächen ausgeweitet wurden. Aus manchen Winzern wurden so Produzenten von Billig-Weinen des süssen Liebfrauenmilchtyps.


Berühmte Weinlagen:

Im Vergleich zu den Anbaugebieten an Mittel- und Untermosel sind die Weinberge an der Saar weniger windgeschützt. Daraus resultiert die ausgeprägte Stahligkeit der Weine. Mit dem feinsten Körper und der ausgeprägtesten Säure aller regionalen Rieslinge stellen die Saarweine eines der Extreme des Saar-Mosel-Ruwer-Gebiets dar. Spitzenjahrgänge erhalten dadurch in erstaunlicher Weise Glanz und Kraft. Saarweine besitzen Aromen von Apfel, Zitrus und weissem Pfirsich, ergänzt durch mineralische Töne aus dem Schieferboden.

Die erste Klassifikation der Weinberge geht auf die preussischen Steuerbehörden zurück. Die heute verbreitete Bewertung der Lagen nach Johnson/Pigott zählt folgende Spitzenlagen auf:

Spitzenlagen Klasse I:
Scharzhofberg (bei Wiltingen)
Nicht mit der Großlage (Allerweltslage) Scharzberg zu verwechseln!

Lagen Klasse I:
Ayler Kupp
Nicht die ganze Lage (die frühere Spitzenlage wurde durch das Weinbaugesetz von 1971 erweitert ...)
Filzener Pulchen
Kanzemer Altenberg
Oberemmeler Hütte
Ockfener Bockstein
Saarburger Rausch
Serrig Schloss Saarfels
Wiltinger Braune Kupp
Wiltinger Gottesfuss
Wawerner Herrenberger


Tips für den Weinkauf beim Winzer:

Was ist guter Wein? Natürlich der Wein der schmeckt - und Geschmäcker sind oft recht verschieden. Gerade beim Saar-Wein erschliesst sich manche filigrane Geschmacksnuance aber erst dem erfahrenen Kenner. Gerade der Umstieg von restsüssem (lieblichem) Wein auf trockene Weine ist für viele fürs erste etwas gewöhnungsbedürtig.

Erfreulicherweise sind alle Weinorte in unserem Gebiet weit entfernt vom "besoffenen Kegelclub-Ambiente" mancher Weinorte in anderen Regionen. In nahezu allen Orten wird Wein im Direktvertrieb angeboten. Leider ist trotz aller Qualitätsanstrengungen die Qualität des angebotenen Weins nicht immer gleich. Falls Ihnen - insbesondere auf Weinfesten - der erste Wein nicht so recht schmecken will, so geben Sie bitte nicht auf, sondern suchen Sie weiter. Es lohnt sich!


Wo findet man guten Wein?

Wo findet man einen guten Wein? Auch wenn man sich zuvorderst vom eigenen Geschmack leiten lassen sollte, so kann man unmöglich alle Weingüter einmal ausprobieren. Ausserdem erzeugt es ein schlechtes Gefühl zu gehen, ohne etwas gekauft zu haben - oder einen Wein gekauft zu haben, der nicht schmeckt...

Wo soll man fragen und probieren? Die folgenden Tips sind keine Patentrezepte. Vielleicht finden Sie einen herrlichen Wein in einem Weingut, das allen nachfolgenden Tips widerspricht (senden Sie mir in diesem Fall bitte eine e-mail). Wo könnte guter Wein zu finden sein:

  • Spitzenweingüter (mit Flaschenpreisen von 10.00 € aufwärts) findet man besser in der Fachliteratur (die allerdings auch nicht ganz billig ist), als durch Zufallstreffer. Gehen Sie z.B. in Konz in den Buchladen...
  • Weingüter in altehrwürdigen Gebäuden in der Ortsmitte oder in den Weinbergen besitzen oft aufgrund der oben geschilderten Historie gute Lagen. Wenn sie sich dann auch noch Mühe geben, ist das Ergebnis durchaus genießbar...
  • Weingüter, die schon kilometerweit mit Pappschildern werben, sind oft mehr im unteren Preissegment plaziert. Um sich die besoffenen Kegelklubs vom Leibe zu halten, machen manche guten Weingüter nach aussen überhaupt keine Werbung (dann hilft wieder nur die Literatur).
  • Falls ein Weingut Werbung macht, so sollte diese geschmackvoll und dezent sein. Auch am Gutsgebäde sollte erkennbar sein, dass sich die Besitzer Mühe geben.
  • Winzer, die nur kleine Rebflächen besitzen, haben das Problem, dass sie - um genügend Wein zu erzeugen und so auf ihre Kosten zu kommen - die zulässigen Hektarerträge voll ausreizen (wenn nicht überziehen) müssen. Zu grosse Hektarerträge schaden jedoch dem Geschmack (ein Mangel, der sich am besten durch viel Restsüsse zudecken lässt). Ein anderes Problem ist es, wenn Winzer gezwungen sind, ihre Weine - des Ertrags wegen - mit zu hohem Druck zu keltern. Um eine Familie zu ernähren und gleichzeitig guten Wein zu erzeugen sind etwa 3 Hektar Rebflächen notwendig. Um guten trockenen Wein zu erzeugen, sollte ein Winzer genügend Rebfläche besitzen. Manchmal gibts aber auch von kleinen Hobby- oder Nebenerwerbs-Winzern ganz hervorragenden Wein.
  • Das deutsche Weingesetz legt fest, dass nur 90% des Weines in einer Flasche von der auf der Flasche angebenen Rebsorte stammen muß. Kurioserweise ist es Winzern nicht erlaubt, es auf dem Etikett zu vermerken, wenn 100% des Weines von der genannten Rebsorte kommen (?!). Fragen Sie Ihren Weinbaubetrieb, wie er es damit hält, denn viele Winzer verzichten aus Qualitätsgründen mittlerweile auf derartige "Verschnitte".
  • Die "offiziellen" Qualitätsbezeichnungen (Qualitätswein Q.b.A., Qualitätswein mit Prädikat, Kabinett, Spätlese, Auslese, etc.) beziehen sich im wesentlichen nur auf den natürlichen Zuckergehalt des Traubenmosts und sagen deshalb über den Geschmack und die Qualität des Weines so gut wie nichts aus.
  • ... und noch etwas: die Produktionskosten (d.h. die Selbstkosten des Weinguts) liegen pro Flasche aufgrund der schwierigen Verhältnisse (Steilhänge) bei etwa 5 €. Will der Winzer nicht am Hungertuch nagen, dann sind Endverkaufspreise von etwa 10 € das Minimum. Das "Schnäppchen" für 2,99 € kann deshalb nur der Ausschuss sein.


Online-Weingüter


Diese Linksammlung steht allen interessierten Weingütern zur Verfügung. Für Neueintragnugen bitte eine Mail an den Autor. Vielen Dank!


Weitere Informationen:

Wenn Sie mehr über den Elbling wissen wollen, so wenden Sie sich bitte an den Verein der Freunde des Elblingweines Obermosel e.V. Tel.: 0651-9940470, Fax: 0651-994041. Über Saarwein informieren Sie die Freunde des Saarweins tel.: 06501-7790 oder 06501-83156.

Informationen zu Saarweinen findet sich auch in den Wein-Führern über deutschen Wein. Die Obermosel sucht man in diesem Werken aber meist vergeblich.



Probleme:

Die problematische Lage des Weinbaus an Mosel und Saar wird jedem Besucher sofort durch die Vielzahl der brachliegenden Weinberge bewusst. Dabei zählte der Saarwein vor hundert Jahren noch zu den besten (und teuersten) der Welt - weitaus berühmter als beispielsweise berühmte französische Gewächse. In manchen Orten - am deutlichsten in Wiltingen - zeugen noch viele prachtvolle Villen (s.a. bei den Sehenswürdigkeiten) von diesen glanzvollen Zeiten.

Fatal für das Qualitätsniveau war neben den oben geschilderten Faktoren auch der verstärkt seit der Zeit der "Französischen Besatzungszone" nach dem zweiten Weltkrieg einsetzende Trend zur Fassweinproduktion. Der Winzer wurde von seinem Endprodukt entfremdet, die Ankaufpreise mehr oder weniger vorgegeben und die Qualität (sieht man einmal vom Zuckergehalt ab) war mehr oder weniger egal. Verstärkt wurde diese Entwicklung noch, als in den 70er Jahren viele Gemeinden ihre Kelterhäuser aufgegeben haben (ein schönes altes Kelterhaus ist noch in Wawern - als Kulturzentrum umfunktioniert - erhalten) und Großkellerein bzw. grosse Winzereigenossenschaften die Weinherstellung übernahmen. Die Rückkehr zur verstärkten Selbstvermarkung des engenen Weins kam in den letzten 20 Jahren durch den Preisverfall des Fassweins. Viele Winzer versuchen heute einen möglichst großen Teil ihres Weines selbst zu vermarkten. Die unverkäuflichen Teile der Ernte gehen dann zum Kommissionär bzw. zur Genossenschaft und prägen das Bild der Region im Supermarkt und im Ausland...

Ein großes Problem für qualitätsbewusste Winzer sind die Auswirkungen der Flurbereinigung 1971, bei der Lagen unterschiedlichster Qualität zu größeren Lagen zusammengefasst wurden. Dabei wurde beispielsweise auch die ehemalige Spizen-Lage "Ayler Kupp" deutlich und um wenig attraktive Weinberge "vergrößert". Übrigens gibt es eine vergessene Lage, die sich "Saar Feilser" nannte, bevor sie in dem unseligen Verfahren 1971 in 3 Stücke: Ayler Kupp, Schodener Saar Feilser Marienberg und Wiltinger Schlangengraben zerstückelt und zerstört wurde. Diese ist als eine der wenigen Lagen (in ihrer Ganzheit) auch in der Lagenklassifikation von 1832 in der 2. höchsten Kategorie verzeichnet. Das ist mit eine der wärmsten Lagen der Saar und ist ein Spät- und Auslese- Garant.

Ein Problem, das die Winzer auf ihren Steilhängen zunehmend in Schwierigkeiten bringt, ist europaweite Überproduktion und die Europäisierung des Weinmarkts. Einen ausreichenden Verdienst erzielt nur noch, wer Spitzenqualität erzeugt und seinen Wein entsprechend (selbst) vermarktet, d.h. nicht darauf angewiesen ist, seinen Wein für das Billig-Regal von Supermärkten zu produzieren.


Tip:

Neben den berühmten Saar-Weinen kann man auch an der weniger bekannten Obermosel manche erfreuliche Entdeckung machen.

Von deutschen Weinpuristen verpönt - in anderen Länder selbstverständlich - ist Komposition von Weinen verschiedener Rebsorten. Diese Tradition des 19. Jahrhunderts wird derzeit von Weingütern an der Saar wiederbelebt. Ich kann mich in diesem Zusammenhang an eine herrliche Komposition aus Riesling und weissem Burgunder erinnern...

und ...

Geben Sie nicht auf - suchen Sie den Wein der Ihnen wirklich schmeckt - es lohnt sich!




























































































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