Über den Weinbau:
Weinbau ist an Saar und Mosel schon seit 2000 Jahren nachweisbar. Wichtig für die
heutige Situation ist, dass sich bis zum napoleonischen Zeitalter (ca 1800)
fast alle guten Weinlagen in kirchlichem Besitz (meist Trierer und Luxemburger Klöster) befunden haben. Diese Besitzungen gingen (Ausnahme: Bischöfliche Weingüter Trier) im 19. Jahrhundert in weltlichen Besitz über. Die Weingüter blieben aber oft in ihrer Grundstruktur erhalten, was zur Folge hat, dass die Nachfolger der kirchlichen Weingüter heute einen Grossteil der besten Lagen besitzen.
Traditioneller Wein ist (nach heutiger Bezeichnung) trockener Wein.
Traditionell sind auch die edelsüßen Spezialitäten wie
Beerenauslesen und Eisweine. Liebliche und halbtrockene Weine lassen sich mit Hilfe
industrieller Filterverfahren Weine erst seit Anfang dieses Jahrhunderts herstellen. Die
Möglichkeit süsse Weine herzustellen, bewirkte zuerst zwar einen Absatzschub, führte langfristig zu einer Verringerung des Qualitätsbewusstseins und damit zum Abstieg der Region. Bis in die 70er-Jahre hinein führten die damals noch guten Preise zudem dazu, dass die Rebflächen auch auf für den Weinbau ungeeignete Flächen ausgeweitet wurden. Aus manchen Winzern wurden so
Produzenten von Billig-Weinen des süssen Liebfrauenmilchtyps.
Berühmte Weinlagen:
Die erste Klassifikation der Weinberge geht auf die preussischen
Steuerbehörden zurück. Die
heute verbreitete Bewertung der Lagen nach Johnson/Pigott zählt folgende Spitzenlagen auf:
Spitzenlagen Klasse I:
Lagen Klasse I: Tips für den Weinkauf beim Winzer:
Erfreulicherweise sind alle Weinorte in unserem Gebiet weit entfernt vom "besoffenen Kegelclub-Ambiente" mancher Weinorte in anderen
Regionen. In nahezu allen Orten wird Wein im Direktvertrieb angeboten.
Leider ist trotz aller Qualitätsanstrengungen die Qualität des angebotenen Weins nicht immer gleich.
Falls Ihnen - insbesondere auf Weinfesten - der erste Wein
nicht so recht schmecken will, so geben Sie bitte nicht auf, sondern suchen Sie weiter. Es lohnt sich!
Wo findet man guten Wein? Online-Weingüter
Diese Linksammlung steht allen interessierten Weingütern zur Verfügung. Für Neueintragnugen bitte eine Mail an den Autor. Vielen Dank!
Informationen zu Saarweinen findet sich auch in den Wein-Führern über deutschen Wein. Die Obermosel sucht man in diesem Werken aber meist vergeblich.
Fatal für das Qualitätsniveau war neben den oben geschilderten Faktoren
auch der verstärkt seit der Zeit der "Französischen Besatzungszone" nach
dem zweiten Weltkrieg einsetzende Trend zur Fassweinproduktion. Der Winzer wurde
von seinem Endprodukt entfremdet, die Ankaufpreise mehr oder weniger vorgegeben
und die Qualität (sieht man einmal vom Zuckergehalt ab) war mehr oder weniger egal.
Verstärkt wurde diese Entwicklung noch, als in den 70er Jahren viele Gemeinden
ihre Kelterhäuser aufgegeben haben (ein schönes altes Kelterhaus ist noch
in Wawern - als Kulturzentrum umfunktioniert - erhalten) und Großkellerein bzw.
grosse Winzereigenossenschaften die Weinherstellung übernahmen.
Die Rückkehr zur verstärkten Selbstvermarkung des engenen Weins kam
in den letzten 20 Jahren durch den Preisverfall des Fassweins. Viele Winzer versuchen
heute einen möglichst großen Teil ihres Weines selbst zu vermarkten. Die
unverkäuflichen Teile der Ernte gehen dann zum Kommissionär bzw. zur
Genossenschaft und prägen das Bild der Region im Supermarkt
und im Ausland...
Ein großes Problem für qualitätsbewusste Winzer sind die Auswirkungen der
Flurbereinigung 1971, bei der Lagen unterschiedlichster Qualität
zu größeren Lagen zusammengefasst wurden. Dabei wurde beispielsweise auch
die ehemalige Spizen-Lage "Ayler Kupp" deutlich und um wenig attraktive Weinberge "vergrößert".
Übrigens gibt es eine vergessene Lage, die sich "Saar Feilser" nannte, bevor
sie in dem unseligen Verfahren 1971 in 3 Stücke: Ayler Kupp, Schodener Saar
Feilser Marienberg und Wiltinger Schlangengraben zerstückelt und zerstört
wurde. Diese ist als eine der wenigen Lagen (in ihrer Ganzheit) auch in der
Lagenklassifikation von 1832 in der 2. höchsten Kategorie verzeichnet.
Das ist mit eine der wärmsten Lagen der Saar und ist ein Spät- und Auslese-
Garant.
Ein Problem, das die Winzer auf ihren Steilhängen zunehmend in Schwierigkeiten bringt,
ist europaweite Überproduktion und die Europäisierung des Weinmarkts. Einen
ausreichenden Verdienst erzielt nur noch, wer Spitzenqualität erzeugt und seinen
Wein entsprechend (selbst) vermarktet, d.h. nicht darauf angewiesen ist, seinen Wein
für das Billig-Regal von Supermärkten zu produzieren.
Tip:
und ...
Geben Sie nicht auf - suchen Sie den Wein der Ihnen wirklich schmeckt - es lohnt sich!
Große Weine an Saar und Obermosel
Die Umgebung des
Freilichtmuseums
 
Die Weinberge an der Saar liegen vollständig in den Verbandsgemeinden Konz und Saarburg. An der Obermosel
kommen hierzu noch die Weinberge Luxemburgs und einige Weinberge im Saarland.
Die Verbandsgemeinde Konz ist eine der grössten Weinbaugemeinden Deutschlands.
Wein wird im Saartal, im sogenannten Konzer Tälchen (Niedermennig, Obermennig, Krettnach) und an der Obermosel (von Konz moselaufwärts) angebaut. An der Obermosel dominiert der Elbling, in den anderen Anbaugebieten der Riesling.
Daneben wird roter Spätburgunder, weisser Burgunder, Grauburgunder und Saint Laurent angebaut. Die Anbauflächen teilen sich einige grössere Weingüter mit lokalen, meist kleinen Winzern. Die Weinorte an Saar und Obermosel sind viel ruhiger und urtümlicher als in vielen anderen Weingegenden.
Im Vergleich zu den Anbaugebieten an Mittel- und Untermosel sind die Weinberge an der Saar
weniger windgeschützt. Daraus resultiert die ausgeprägte Stahligkeit der Weine.
Mit dem feinsten Körper und der ausgeprägtesten Säure aller regionalen Rieslinge
stellen die Saarweine eines der Extreme des Saar-Mosel-Ruwer-Gebiets dar.
Spitzenjahrgänge erhalten dadurch in erstaunlicher Weise Glanz und Kraft.
Saarweine besitzen Aromen von Apfel, Zitrus und weissem Pfirsich, ergänzt durch mineralische Töne aus dem Schieferboden.
Scharzhofberg (bei Wiltingen)
Nicht mit der Großlage (Allerweltslage) Scharzberg zu verwechseln!
Ayler Kupp
Nicht die ganze Lage (die frühere Spitzenlage wurde durch das Weinbaugesetz von 1971 erweitert ...)
Filzener Pulchen
Kanzemer Altenberg
Oberemmeler Hütte
Ockfener Bockstein
Saarburger Rausch
Serrig Schloss Saarfels
Wiltinger Braune Kupp
Wiltinger Gottesfuss
Wawerner Herrenberger
Was ist guter Wein? Natürlich der Wein der schmeckt - und Geschmäcker sind oft
recht verschieden.
Gerade beim Saar-Wein erschliesst sich manche filigrane Geschmacksnuance aber erst dem erfahrenen Kenner. Gerade der Umstieg von restsüssem (lieblichem) Wein auf trockene Weine ist für viele fürs erste etwas gewöhnungsbedürtig.
Wo findet man einen guten Wein? Auch wenn man sich zuvorderst vom eigenen Geschmack
leiten lassen sollte, so kann man unmöglich alle Weingüter einmal ausprobieren.
Ausserdem erzeugt es ein schlechtes Gefühl zu gehen, ohne etwas gekauft zu haben -
oder einen Wein gekauft zu haben, der nicht schmeckt...
Wo soll man fragen und probieren? Die folgenden Tips sind keine Patentrezepte.
Vielleicht finden Sie einen herrlichen Wein in einem Weingut, das allen nachfolgenden
Tips widerspricht (senden Sie mir in diesem Fall bitte eine e-mail). Wo könnte
guter Wein zu finden sein:
Weitere Informationen:
Wenn Sie mehr über den Elbling wissen wollen, so wenden Sie sich bitte an den Verein der Freunde des Elblingweines Obermosel e.V. Tel.: 0651-9940470, Fax: 0651-994041. Über Saarwein informieren Sie die Freunde des Saarweins tel.: 06501-7790 oder 06501-83156.
Probleme:
Die problematische Lage des Weinbaus an Mosel und Saar wird jedem Besucher sofort durch die Vielzahl der
brachliegenden Weinberge bewusst. Dabei zählte der Saarwein vor hundert Jahren noch zu den besten
(und teuersten) der Welt - weitaus berühmter als beispielsweise berühmte französische Gewächse.
In manchen Orten - am deutlichsten in Wiltingen - zeugen noch viele prachtvolle Villen
(s.a. bei den Sehenswürdigkeiten) von diesen glanzvollen Zeiten.
Neben den berühmten Saar-Weinen kann man auch an der weniger bekannten
Obermosel manche erfreuliche Entdeckung machen.
Von deutschen Weinpuristen verpönt - in anderen Länder selbstverständlich - ist Komposition von Weinen verschiedener Rebsorten. Diese Tradition des 19. Jahrhunderts wird derzeit von Weingütern an der Saar wiederbelebt. Ich kann mich in diesem Zusammenhang an eine herrliche Komposition aus Riesling und weissem Burgunder erinnern...
